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22.07.2015 | Nachrichten

Phosphodiesterase-5-Hemmer

Herzinsuffizienz: Sildenafil enttäuscht auch im zweiten Anlauf

Autor:
Peter Overbeck

Bei Herzinsuffizienz mit erhaltener Auswurffraktion fehlt es an „evidenzbasierten“ Therapien. Auch ein erneuter Versuch, eine klinische Wirksamkeit des Phosphodiesterase-5-Hemmers Sildenafil bei dieser Indikation nachzuweisen, ändert an dieser unbefriedigenden Situation leider nichts.

Viele Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz leiden unter einer Form dieser Erkrankung, die früher oft als „diastolische“ Herzinsuffizienz bezeichnet wurde. Nachdem man inzwischen weiß, dass die Pathogenese bei dieser häufigen Form der Herzschwäche komplexer ist, als es das Attribut „diastolisch“ suggeriert, spricht man heute lieber von Herzinsuffizienz mit erhaltener Auswurffraktion (HFPEF: Heart Failure with Preserved Ejection Fraction).

Alle Versuche, bei dieser Indikation eine „evidenzbasierte“ Therapie mit in kontrollierten Studien gesicherter Wirksamkeit zu etablieren, sind bisher mehr oder weniger erfolglos verlaufen.

Auch der Phosphodiesterase-5-Hemmstoff Sildenafil, der als erstes orales Medikament gegen erektile Dysfunktion Berühmtheit erlangt hat und inzwischen auch bei Lungenhochdruck therapeutisch genutzt wird, schien anfänglich ein vielversprechender Kandidat für die Behandlung von Patienten mit HFPEF zu sein.

Schon RELAX-Studie war ein Flop

Doch schon in der 2013 publizierten RELAX-Studie wurden die Hoffnungen enttäuscht. Eine Forschergruppe um Dr. Margaret Redfield von der Mayo Clinic in Rochester, Minnesota hat in dieser Studie die Wirkung von Sildenafil auf die Belastungskapazität von 216 ambulanten Patienten mit HFPEF untersucht. Sie erhielten entweder Sildenafil (zunächst für zwölf Wochen dreimal täglich 20 mg Sildenafil, danach für weitere zwölf Wochen dreimal täglich 60 mg Sildenafil) oder Placebo über die gesamte Dauer.

Das Ergebnis war enttäuschend: Nach 24 Wochen konnte weder anhand des maximalen Sauerstoffverbrauchs noch der 6-Minuten-Gehstrecke eine Wirkung von Sildenafil im Vergleich zu Placebo nachgewiesen werden. Auch am klinischen Gesamtstatus tat sich nichts.

Pulmonale Hypertonie als Begleiterkrankung

Eine HFPEF geht häufig mit einer pulmonalen Hypertonie einher. In der RELAX-Studie war das zusätzliche Vorliegen eines Lungenhochdrucks allerdings kein obligates Einschlusskriterium. Dagegen hat eine niederländische Forschergruppe dieses Kriterium zur Bedingung für die Teilnahme an ihrer aktuell publizierten Sildenafil-Studie gemacht.

Die Forscher um Dr. Elke Hoendermis von der Universität Groningen haben für die randomisierte monozentrische Doppelblindstudie 52 Patienten mit HFPEF und begleitender, invasiv gesicherter pulmonaler Hypertonie ausgewählt. Es handelte sich dabei vorwiegend um einen isolierten postkapillären Lungenhochdruck.

Pulmonalarterieller Druck blieb unbeeinflusst

Die Teilnehmer wurden randomisiert zwei Gruppen zugeteilt und jeweils zwölf Wochen lang mit Sildenafil (60 mg dreimal täglich) oder Placebo behandelt. Die Wirksamkeit wurde am Ende der Behandlungsperiode primär anhand von Veränderungen des mittleren pulmonalarteriellen Drucks beurteilt.

Sildenafil enttäuschte auch in dieser Studie. Der Phosphodiesterase-5-Hemmers führte zu keiner Verbesserung des pulmonalarteriellen Drucks im Vergleich zu Placebo. Funktionelle Parameter wie maximaler Sauerstoffverbrauch und Herzminutenvolumen blieben ebenso unverändert wie die Lebensqualität, NT-Pro-BNP-Spiegel und echokardiografische Indices der linksventrikulären Funktion.

Literatur

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