Nachrichten 13.07.2020

Wie hilft VHF-Ablation bei Herzinsuffizienz?

Vorhofflimmern-Patienten mit Herzinsuffizienz können sowohl bei erhaltener, mäßig eingeschränkter oder reduzierter linksventrikulärer Ejektionsfraktion von einer Ablation profitieren.

2018 konnte in der CASTLE-AF-Studie eindrücklich gezeigt werden, dass Patienten mit reduzierter systolischer Pumpfunktion prognostisch deutlich von einer VHF-Ablation profitierten. 

Nach Ablation verbesserte sich die NYHA-Klasse 

Unklar blieb jedoch bislang, mit welcher Ablationsstrategie die Senkung der VHF-Last erzielt werden konnte. Eine von uns durchgeführte Analyse von 414 VHF-Patienten, (davon 113 mit reduzierter [HFrEF] bzw. mäßig einschränkter EF [HFmrEF]), in der eine alleinige Pulmonalvenenisolation (PVI) mittels Kryoballon durchgeführt wurde, konnte sowohl eine deutliche Reduktion der NYHA-Klasse als auch der Hospitalisierungsrate während des weiteren klinischen Verlaufs aufzeigen. 

Dieser klinische Benefit korrelierte, unabhängig vom Schweregrad der Herzinsuffizienz (HF), mit einer deutlichen Zunahme der systolischen Pumpfunktion des linken Ventrikels (LV) um durchschnittlich 14 %.

Interessanterweise wurde der klinische Nutzen auch bei Patienten erreicht, die in der weiteren Nachverfolgung ein Vorhofflimmernrezidiv erlebten. Als unabhängiger Prädiktor für eine ausbleibende Verbesserung der systolischen Herzfunktion entpuppte sich das Vorliegen einer pulmonalen Hypertonie (PH).

Der Nutzen der Vorhofflimmernablation für HFpEF-Patienten war dagegen bisher weitestgehend unerforscht. Gerade bei Patienten mit gestörter Relaxation des Herzmuskels, nehmen meist während tachykarder Episoden aufgrund der verkürzten Ventrikelfüllungsphase die Beschwerden deutlich zu und führen in der Arrhythmie oft zu Hospitalisierungen.

Bei knapp der Hälfte verschwand die diastolische Dysfunktion nach Ablation 

Wir konnten in einer weiteren Studie zeigen, dass die alleinige PVI bei HFpEF-Patienten mit VHF zu einer deutlichen Reduktion der NYHA-Klasse von 2,7 ± 0,7 auf 1,7 ± 0,9 (p ˂ 0,001) führte. Ungeplante Krankenhauseinweisungen waren in dieser Patientengruppe nach Ablation ebenfalls signifikant reduziert.

Eine wesentliche Erkenntnis dieser Untersuchung war die Tatsache, dass bei knapp 43 % der Patienten 12 Monate nach Ablation echokardiografisch keine diastolische Dysfunktion mehr nachgewiesen und die Diagnose HFpEF fallengelassen werden konnte. Anders als bei HFrEF- oder HFmrEF-Patienten konnte der klinische Benefit aber überwiegend nur bei Patienten erreicht werden, bei denen im weiteren klinischen Verlauf kein VHF-Rezidiv auftrat.
 

Fazit für die Praxis

Unsere Daten weisen darauf hin, dass eine alleinige PVI mittels Kryoballon in herzinsuffizienten VHF-Patienten sicher und effektiv ist und wesentliche klinische Marker, sowohl der systolischen als auch der diastolischen Herzinsuffizienz positiv beeinflussen kann.

Moderne Therapiestrategien für HFrEF- und HFpEF-Patienten sollten daher bei gleichzeitig bestehendem VHF die Möglichkeit einer Ablation einbeziehen.

Literatur

Pott A, Rattka M et al. Europace 2020 und ESC Heart Failure 2020

Live-Quiz EKG – melden Sie sich jetzt kostenlos an

Wie gut kennen Sie sich mit dem EKG aus? Und was machen Sie, wenn Sie einen auffälligen Befund vor sich haben? Testen Sie Ihr Wissen in unserem interaktiven Live-Quiz EKG am Mittwoch, 09.12.2020, um 17:00 Uhr auf Kardiologie.org. 
Dr. Martin Neef vom Universitätsklinikum Leipzig stellt Ihnen verschiedene EKG-Befunde vor. Stimmen Sie live für die richtige Antwort ab oder stellen Sie Ihre Fragen im Chat – alles natürlich anonym. Melden Sie sich jetzt kostenlos an, die Plätze sind begrenzt!

Highlights

AHA-Kongress 2020 *virtuell*

Ein virtueller Kongress ist mittlerweile schon fast nichts ungewöhnliches mehr. Von der diesjährigen Tagung der American Heart Association (AHA) gibt es aber trotz allem einiges Ungewöhnliches und Spannendes zu berichten. 

Corona, COVID-19 & Co.

Die Ausbreitung des Coronavirus hat einschneidende Folgen auch für die Herzmedizin. Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Spezielles Training hilft bei pulmonaler Hypertonie

Lebensqualität, Gehstrecke, maximale Sauerstoffaufnahme – all das kann sich durch ein neues standardisiertes Trainingsprogramm für Patienten mit pulmonaler oder chronisch thromboembolischer pulmonaler Hypertonie verbessern, zeigt eine europäische Studie.

Herzinsuffizienz des HFpEF-Typs: Licht am Ende des Tunnels?

Die Suche nach prognoseverbessernden Therapien für Patienten mit Herzinsuffizienz bei erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF) verlief bislang äußerst enttäuschend. Jetzt gibt es zumindest einen Hoffnungsschimmer.

Vorhofflimmern: Ablation statt Antiarrhythmika als First-Line-Therapie?

Besser gleich Ablation statt erst noch ein Versuch mit Antiarrhythmika? Zwei Studien, die der Kryoballon-Ablation eine deutlich höhere antiarrhythmische Effizienz bescheinigen, legen nahe, die Praxis der First-Line-Therapie bei paroxysmalem Vorhofflimmern zu ändern.

Aus der Kardiothek

Neue Vorhofflimmern-Leitlinie und ihre Implikationen für die Praxis

Erst kürzlich sind die ESC-Leitlinien zum Management von Vorhofflimmern aktualisiert worden. Prof. Christian Meyer vom Evangelisches Krankenhaus Düsseldorf gibt in diesem Webinar einen kurzen Überblick über die wichtigsten Aspekte.

Zepter und Krone – oder was sehen Sie auf dem Bild?

Kardiale Computertomographie, 3-dimensionale Rekonstruktion im „Metallfenster“. Was ist zu sehen?

Kardio-MRT bei 70-Jährigem – was hat der Patient?

Kardio-MRT bei 70-jährigem Patienten mit Darstellung einer kurzen Achse im mittventrikulären Bereich. Was ist zu sehen?

Bildnachweise
EKG-Quiz/© [M] Syda Productions / stock.adobe.com
AHA-Kongress 2020
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Webinar Prof. Christian Meyer/© Springer Medizin Verlag GmbH
Kardiale Computertomographie/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
Kardio-MRT (CMR, Late Gadolinium Enhancement PSIR)/© Mohamed Marwan, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen