Nachrichten 17.11.2020

Herzinsuffizienz: SGLT2-Hemmer verbessert Prognose - auch nach Dekompensation

Ein SGLT2-Hemmer hat erstmals bewiesen, dass damit auch in der kritischen Phase nach akuter Dekompensation einer Herzinsuffizienz die Prognose von Patienten mit Typ-2-Diabetes und Herzschwäche rasch und deutlich verbessert werden kann.

Die ursprünglich als Antidiabetika entwickelten SGLT2-Hemmern entpuppen sich immer mehr als hochwirksame Herzinsuffizienz-Medikamente mit antidiabetischer Zusatzwirkung. Nach Dapagliflozin (DAPA-HF-Studie) und Empagliflozin (EMPEROR-Reduced-Studie) hat nun auch Sotagliflozin Belege für einen klinischen Nutzen bei - in diesem Fall zuvor klinisch instabilen - Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz erbracht.

In der randomisierten doppelblinden SOLOIST-WHF-Studie konnte mit Sotagliflozin die Inzidenz von kardiovaskulären Todesfällen und Klinikeinweisungen im Vergleich zu Placebo signifikant reduziert werden – und zwar bei Patienten mit Herzinsuffizienz, die nach akuter Dekompensation in der Klinik gerade erst wieder stabilisiert worden waren.

Follow-up-Dauer kürzer als geplant

Anders als in den beiden Herzinsuffizienz-Studien mit Dapagliflozin und Empagliflozin, an denen auch viele Patienten ohne Diabetes beteiligt waren, blieb die Teilnahme an der SOLOIST-WHF-Studie ausschließlich Patienten mit Typ-2-Diabetes und Herzinsuffizienz vorbehalten. Studienleiter Dr. Deepak Bhatt vom Brigham and Women’s Hospital, Boston, hat die simultan im „New England Journal of Medicine“ publizierte Studie beim virtuellen Kongress der American Heart Association (AHA) vorgestellt.

In der Studie waren 1222 Patienten (medianes Alter: 70 Jahre), die wegen dekompensierter Herzinsuffizienz stationär mittels intravenöser Diuretika-Therapie stabilisiert werden mussten, einer Behandlung mit Sotagliflozin (400 mg/Tag, n=608) oder Placebo (n=614) zugeteilt worden. Mit der Behandlung wurde entweder schon vor der Klinikentlassung (bei 48,8% der Teilnehmer) oder kurz danach (bei 51,2%) begonnen. Rund 80% aller Teilnehmer wiesen eine linksventrikuläre Ejektionsfraktion <50% auf (mediane LVEF: 35%).

Primärer Endpunkt war die Gesamtzahl aller kardiovaskulär verursachten Todesfälle und Klinikeinweisungen (Erst- und Folgeereignisse) und aufgrund von Herzinsuffizienz-Problemen dringlichen Betreuungen (urgent visits). Die Follow-up-Dauer war mit nur neun Monaten aufgrund von durch die Corona-Pandemie verursachten Problemen kürzer als geplant.

Signifikante relative Risikoreduktion um 33%

In dieser Zeit waren insgesamt 600 dem primären Endpunkt zuzurechnende Ereignisse zu verzeichnen, von denen 245 in der Sotagliflozin-Gruppe und 355 in der Placebo-Gruppe beobachtet wurden. Die Zahl der pro 100 Patientenjahre registrierten Ereignisse in der Sotagliflozin- und Placebo-Gruppe betrug 51,0 vs. 76,3; (Hazard Ratio [HR] 0,67; 95% Konfidenzintervall [KI]: 0,52 – 0,85; p<0.001). Der Unterschied entspricht damit einer signifikanten relativen Risikoreduktion für den primären Endpunkt um 33% durch Sotagliflozin. Der Vorteil dieser Therapie war schon nach einem Monat klar erkennbar.

Im Hinblick auf sekundäre Endpunkte hatte die Studie folgende Ergebnisse:

  • Die Rate am Klinikeinweisungen und „urgent visits“ wegen Herzinsuffizienz (Ereignisse pro 100 Patientenjahre) war in der Sotagliflozin-Gruppe signifikant niedriger (40,4 vs. 63,9, HR: 0,64; 95% KI: 0,49 – 0,83, p<0.001).
  • Die Raten an kardiovaskulären Todesfällen unter Sotagliflozin und Placebo betrugen 10,6 versus 12,5 (HR: 0.84; 95% KI: 0,58 – 1,22).
  • Für die Gesamtmortalität ergaben sich entsprechende Raten von 13,5 versus 16,3 (HR: 0,82; 95% KI: 0,59 – 1,14).

Dass die Unterschiede bei den sekundären Endpunkten kardiovaskuläre Mortalität und Gesamtsterblichkeit keine statistische Signifikanz erreicht haben, sei möglicherweise auf die kürzer als geplante Behandlungsdauer und den damit einhergehenden Verlust an statistischer Teststärke (power) zurückzuführen, so die Studienautoren.

Diarrhoen und Hypoglykämien häufiger unter Sotagliflozin

Die relativ früh nach Stabilisierung der Patienten initiierte Sotagliflozin-Therapie erwies sich als relativ sicher. Die Raten für Therapieabbrüche wegen schwerer Nebenwirkungen betrugen 3,0% (Sotagliflozin) und 2,8% (Placebo). Häufigste unerwünschte Effekte unter Sotagliflozin und Placebo waren Diarrhoen (6,1% vs. 3,4%), Hypotension (6,0% vs. 4,6%) und Harntrakt-Infektionen (4,8% vs. 5,1%). Schwere Hypoglykämien (1,5% vs. 0,3%) traten unter Sotagliflozin häufiger auf, nicht aber akute Nierenschädigungen (4,1% vs. 4,4%).

Die Initiatoren der SOLOIST-WHF-Studie hatten eigentlich geplant, auch etwas über den möglichen Nutzen der SGLT2-Hemmung bei Patienten mit Herzinsuffizienz und erhaltener Auswurffraktion (HFpEF) in Erfahrung bringen zu können. Zwar ergab eine Subgruppenanalyse konsistente Effekte von Sotagliflozin bei Patienten mit einer LVEF <50% und ≥50%. Allerdings sind die Patientenzahlen aufgrund des vorzeitigen Stopps der Studie zu niedrig, um hier zuverlässige Schlussfolgerungen ziehen zu können.

Erfolg auch in der SCORED-Studie

In der von Dr. Deepak Bhatt ebenfalls beim AHA-Kongress 2020 präsentierten SCORED-Studie ist die klinische Wirksamkeit von Sotagliflozin bei mehr als 10.000 Patienten mit Typ-2-Diabetes und chronischen Nierenerkrankungen geprüft worden. Mit Blick auf den primären Studienendpunkt, der mit dem der SOLOIST-WHF identisch ist, ging die Behandlung mit einer signifikanten relativen Risikoreduktion um 26% im Vergleich zu Placebo einher.

Literatur

Bhatt D.: SOLOIST-WHF: Sotagliflozin in Diabetes Patients with Recent Worsening Heart Failure. Vorgestellt in der Sitzung “Late-breaking Science VII” beim virtuellen  Kongress der American Heart Association (AHA) 2020 (13. – 17. November 2020).

Bhatt D. et al.: Sotagliflozin in Patients with Diabetes and Recent Worsening Heart Failure. N Engl J Med. 2020, online 16. November.

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Bildnachweise
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