Nachrichten 23.03.2017

Akute Herzinsuffizienz: Auch Serelaxin enttäuscht Erwartungen

Die  Hoffnung auf bessere Therapiemöglichkeiten bei akuter Herzinsuffizienz (AHF) ist erneut enttäuscht worden: Wie das Unternehmen Novartis informiert,  hat  die globale Phase-III-Studie RELAX-AHF-2  den Nachweis eines klinischen Nutzens des Wirkstoffs RLX030 (Serelaxin) nicht erbracht.

Die RELAX-AHF-2-Studie hat ihr Ziel mit Blick auf zwei primäre  Endpunkte nicht erreicht, teilt Novartis in einer Presseinformation mit. Das bedeutet,  dass weder die kardiovaskuläre Mortalität in den ersten 180 Tagen noch  erneute Verschlechterungen bei initial stabilisierten Patienten im Krankenhaus in den ersten fünf Tagen nach der ersten Herzinsuffizienz-Episode durch Serelaxin reduziert werden konnten.  

Studie bei 6.600 Patienten

RELAX-AHF-2 ist eine randomisierte Placebo-kontrollierte Phase-III-Studie zur Evaluierung der Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit von Serelaxin. Insgesamt rund  6.600 wegen dekompensierter Herzinsuffizienz  in Kliniken eingewiesene Patienten waren daran beteiligt. Sie waren additiv zur Standardtherapie entweder mit Serelaxin oder Placebo behandelt worden.

Im Gegensatz zur  chronischer Herzinsuffizienz, wo in den vergangenen Jahrzehnten beachtliche Fortschritte in der auf Prognoseverbesserung zielenden Therapie erreicht wurden,  sieht es diesbezüglich bei akuter Herzinsuffizienz noch immer trübe aus.  Zwar gab es immer wieder  zunächst vielversprechend erscheinende  Therapieansätze, die dann aber in größeren Studien wegen Unwirksamkeit oder nicht tolerabler Risiken allesamt enttäuscht haben.

Rekombinantes vasoaktives Peptidhormon

Serelaxin schien hier endlich einen Durchbruch ermöglichen zu können. Bei diesem Wirkstoff handelt es sich um das rekombinant hergestellte vasoaktive Peptidhormon Relaxin-2, das Herz, Nieren und Gefäße werdender Mütter dabei unterstützt, den erhöhten körperlichen Anforderungen während der Schwangerschaft gerecht zu werden. In der Schwangerschaft nimmt - unter entscheidender Mitwirkung von Relaxin - der systemische periphere Widerstand ab, bei zugleich geringer Zunahme des Herzzeitvolumens sowie deutlichem Anstieg des renalen Plasmaflusses und der glomerulären Filtrationsrate. Solche Veränderungen erscheinen gerade bei Herzinsuffizienz therapeutisch wünschenswert.

Und die 2013 publizierten Ergebnisse der RELAX-AHF-Studie schienen zu bestätigen, dass man auf den richtigen Weg war. In dieser Phase-III-Studie, an der 1161 Patienten mit akuter Herzinsuffizienz beteiligt waren, wurden durch Serelaxin (intravenöse Infusion über 48 Stunden) die Dyspnoe-Beschwerden in den ersten fünf Tagen (einer der primären Endpunkte) signifikant gebessert. Auch wurden die Dauer des Klinikaufenthalts sowie die Liegezeit auf der Intensivstation verkürzt.

Eine Sicherheitsanalyse ergab in der Zeit bis Tag 180 zudem eine signifikante Reduktion der Mortalität nach Behandlung mit Serelaxin.  Letzteres Ergebnis, das Hoffnungen beflügelt hat,  wird nun  durch die  RELAX-HF-2-Studie  relativiert. Trotz ihres enttäuschenden Ausgangs ist aus wissenschaftlicher Sicht mit dieser Studie somit zumindest ein Erfolg zu verbuchen: Zum wiederholten Mal wird die Fachwelt darüber belehrt, dass den noch so schönen Ergebnissen von zu klein dimensionierten Studien nicht zu trauen ist und nur solche Studien, die eine adäquate statistische Teststärke (power) besitzen,  zuverlässige Antworten auf klinische Fragen geben können.

Literatur

Novartis-Pressemitteilung vom 22. März 2017: Update für Phase-III-Studie bei akuter Herzinsuffizienz mit RLX030

Teerlink J.R. et al.: Serelaxin, recombinant human relaxin-2, for treatment of acute heart failure (RELAX-AHF): a randomised, placebo-controlled trial, The Lancet 2013, DOI: http://dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(12)61855-8

Highlights

DGK-Kongress to go

DGK.Online 2020 – der Online-Kongress der DGK: Damit Sie auch in Zeiten eingeschränkter Versammlungs- und Reiseaktivitäten immer auf dem aktuellen Stand sind. Sehen Sie Vorträge zu aktuellen Themen von führenden Experten - wann und wo immer Sie wollen.  

Aktuelles zum Coronavirus

Die Ausbreitung des Coronavirus hat einschneidende Folgen auch für die Herzmedizin. Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit Covid-19 finden Sie in diesem Dossier.

Das könnte Sie auch interessieren

Sollte man sehr alte NSTEMI-Patienten invasiv behandeln?

Bei über 80-jährigen Patienten mit einem Nicht-ST-Hebungsinfarkt (NSTEMI) ist der Nutzen einer Revaskularisation bisher wenig erforscht. Eine randomisierte Studie sollte diese Evidenzlücke schließen. Das Ergebnis lässt allerdings Raum für Interpretation.

Welche Vorteile eine verlängerte VTE-Prophylaxe mit Rivaroxaban bietet

Eine verlängerte Prophylaxe mit Rivaroxaban senkt bei wegen internistischen Akuterkrankungen hospitalisierten Patienten signifikant das Risiko sowohl für venöse als auch arterielle thrombotische Ereignisse, ergab eine neue Analyse der MARINER-Studie. 

Schmerzen von Herzinfarkt-Patienten besser mit Paracetamol behandeln?

Patienten mit akutem Koronarsyndrom erhalten häufig Opioide gegen ihre Schmerzen. Doch diese Analgetika können mit der Antiplättchentherapie interagieren. Wissenschaftler haben nun die Eignung eines alternativen Schmerzmittels geprüft.  

Aus der Kardiothek

Was sehen Sie im Kardio-MRT?

Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement) mit Darstellung eines Kurzachsenschnitts im mittventrikulären Bereich. Was ist zu sehen?

BNK-Webinar "Von den Toten lernen für das Leben"

Alle verstorbenen COVID-19-Patienten werden in Hamburg obduziert und häufig auch im CT  betrachtet. Rechtsmediziner Prof. Klaus Püschel gewährt einen Einblick in seine Arbeit und erläutert die Todesursachen der Patienten – mit speziellem Fokus auf das Herz.

Kardiologische Implikationen und Komplikationen von COVID-19

Sind kardiovaskulär vorerkrankte Patienten besonders gefährdet, welchen Einfluss haben ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Rezeptor-Blocker nun wirklich und was passiert mit dem Herz-Kreislaufsystem im Rahmen eines schweren COVID-19-Verlaufs? Dies und mehr beantwortet Prof. Martin Möckel, Internist, Kardiologe und Notfallmediziner von der Berliner Charité in diesem Webinar.

Bildnachweise
DGK.Online 2020/© DGK
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement)/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
BNK-Webinar/© BNK | Kardiologie.org
Webinar Prof. Martin Möckel/© Springer Medizin Verlag GmbH