Nachrichten 12.11.2020

Herzinsuffizienz-Sterberate erneut stark gesunken – doch der Erfolg ist gefährdet

Obwohl die Bevölkerung immer älter wird, ist die Sterblichkeit bei Herzinsuffizienz und Herzinfarkt weiter gesunken, wie der Deutsche Herzbericht 2019 zeigt. Die Sorge ist aber, dass sich der positive Trend im Jahr 2020 wegen der COVID-Pandemie womöglich nicht fortsetzen wird.

Diese Jahr gibt es ein Novum beim Herzbericht: Noch nie zuvor sind die Zahlen so spät im Jahr vorgestellt worden, erst am 12. November, erstmals bezieht sich die Statistik dafür allein auf einen Jahrgang, nämlich auf das Jahr 2018.

Von diesem Jahr berichtete die Deutsche Herzstiftung zusammen mit den kardiologischen Fachgesellschaften erneut über erfreuliche Entwicklungen in der Herzmedizin. Zugleich warnen die Beteiligten davor, dass einige der erzielten Erfolge durch die COVID-Pandemie gefährdet sein könnten.

7,1% Rückgang bei der Herzinsuffizienz-Mortalität

Zunächst die gute Nachricht: Die Herzinsuffizienz-Sterblichkeit ist wieder zurückgegangen, im Vergleich zum Jahr 2016 ist die Mortalität im Jahr 2018 um 7,1% gesunken – und das obwohl die Bevölkerung immer älter wird. Als Ursache für diese positive Entwicklung nannte Prof. Thomas Voigtländer, stellvertretender Vorstandsvorsitzende der Deutschen Herzstiftung, bei der Vorstellung des Herzberichtes die verbesserten Behandlungsmöglichkeiten.

Trotz dieser Fortschritte gibt es nach Ansicht von Prof. Andreas Zeiher, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), weiterhin viel zu tun. Der Kardiologe betonte, dass die Erkrankung nicht beseitigt sei, sondern sich immer weiter ins höhere Lebensalter verschiebe. „Fast jeder dritte Herzinsuffizienz-Patienten kommt 30 Tage nach der Diagnose erneut ins Krankenhaus“, berichtete Zeiher. Die stationäre Erkrankungshäufigkeit sei mit einer Inzidenz von 547,2 Fällen pro 100.000 Einwohner sehr hoch.

Auch Herzinfarkt-Sterblichkeit nimmt weiter ab

Eine weitere positive Entwicklung ist bei der Herzinfarkt-Sterblichkeit zu erkennen: Im Jahr 2017 sind 46.966 Menschen an einem akuten Myokardinfarkt gestorben, 2018 waren es 46.207. Wie Voigtländer berichtete, ist ein Rückgang in nahezu allen Bundesländern (bis auf Berlin und Thüringen) registriert worden.

Zeiher führt diese Entwicklung unter anderem auf eine frühzeitigere Diagnostik zurück. Durch nicht-invasive Bildgebungsmethoden wie der Koronar-CT-Angiografie sei es möglich, Risikopatienten deutlich früher zu identifizieren, noch bevor diese einen Herzinfarkt erleiden. Darüber hinaus sind die Präventions- und Therapiemöglichkeiten stetig besser geworden.

Im Vergleich zum Jahr 2016 ist die Mortalität bei den Herzklappenerkrankungen und Herzrhythmusstörungen deutlich angestiegen, mit einem Plus von 13,8% und 12,9%. Einen Zuwachs gab es auch bei den stationären Behandlungen von Herzrhythmusstörungen. Dieser ist laut Zeiher aber eher positiv zu bewerten. Denn zurückzuführen ist dies auf eine Zunahme von Katheterablationen, die ja bekanntlich stationär vorgenommen werden, die katheterbasierten Behandlungsmöglichkeiten bei Vorhofflimmern werden also immer häufiger genutzt.

Corona-Pandemie könnte den positiven Trend gefährden

Thema bei der Vorstellung des Herzberichtes 2019 war auch die Corona-Pandemie, obwohl sich diese auf die Statistik von 2018 natürlich noch nicht ausgewirkt hat. Eine Auswertung von AOK-Versichertendaten bereitet Voigtlänger allerdings Sorgen: Während des ersten Corona-Lockdown im März/April sind demnach 31% weniger Patienten wegen eines ST-Hebungsinfarktes oder Nicht-ST-Hebungsinfarktes stationär versorgt worden als im selben Zeitraum des Vorjahres. Berücksichtigt man noch weitere dringliche ischämische Herzerkrankungen wie Hauptstammstenose, dekompensierte Herzschwäche und Angina pectoris, gab es insgesamt 42% weniger stationäre Behandlungen. Die Experten vermuten, dass viele Menschen womöglich aus Sorge vor einer Ansteckung mit dem SARS-CoV-2-Virus die Krankenhäuser gemieden haben.

Für Voigtländer ist dies ein „beängstigender Rückgang“. Der Kardiologe befürchtet, dass die damit einhergehenden Verzögerungen bei der Versorgung von Herzpatienten zu einem Anstieg der kardiovaskulären Sterblichkeit geführt haben. Verlässliche Daten gibt es dazu bisher aber noch nicht. Diese könnten nach Einschätzung von Zeiher bis Ende des Jahres vorliegen. Was Zeiher aber jetzt schon sagen kann, ist: „Die Patienten, die ins Krankenhaus gekommen sind, hatten keine höhere Mortalität als sonst“. Sprich, die Behandlungsqualität hat in Deutschland offenbar nicht unter der Pandemie gelitten.

Literatur

Online Pressekonferenz: Vorstellung des Deutschen Herzberichts 2019
Wie gut sind Herzkranke in Deutschland medizinisch versorgt?, 12.11.2020

31. Deutscher Herzbericht 2019 der Deutschen Herzstiftung e.V., Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart 2020

Highlights

Neuer Podcast: Kardiovaskuläre Prävention – zwischen Mythen und Fakten

Neuer Podcast auf Kardiologie.org! In der zweiten Ausgabe mit Prof. Ulrich Laufs geht es um gängige Irrtümer in der kardiovaskulären Prävention, um immer neue Empfehlungen zu Eiern und um die Frage: Statine – ja oder nein?

Herzkongress mit wöchentlichen Vorträgen

Der DGK.Online-Kongress 2022 geht weiter: Jede Woche erwarten Sie wieder spannende Live-Vorträge aus der Herz-Kreislauf-Medizin, viele davon CME-zertifiziert. Nehmen Sie teil und sammeln Sie live CME-Punkte!

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Myokarditis nach COVID-19-Impfung: Viel bessere Prognose als nach Virusmyokarditis

Myokarditis ist nicht gleich Myokarditis – das zeigen neue Daten aus Hongkong: Das Sterberisiko nach impfassoziierten Myokarditiden war nämlich um ein vielfaches geringer als nach viralbedingten Herzmuskelentzündungen. Das ist beruhigend, wenngleich sich über die Vergleichsgruppe streiten lässt.

Metaanalyse: ADHS-Medikamente bergen keine Gefahr für das Herz

Der Verdacht steht im Raum, dass Medikamente zur ADHS-Therapie das kardiovaskuläre Risiko erhöhen könnten. Die Ergebnisse einer Metaanalyse mit knapp 4 Millionen Teilnehmern sorgen nun für Beruhigung, wenngleich die Autoren nicht alle Unsicherheiten klären konnten. 

Neue TAVI-Aortenklappe mit gutem Leistungsprofil in der Praxis

Ein neues und technisch verbessertes Klappensystem für die Transkatheter-Aortenklappenimplantation (TAVI) hat im Hinblick auf Sicherheit und Effektivität in einer Registeranalyse gute Leistungsmerkmale gezeigt.

Aus der Kardiothek

Influenzaimpfung in der kardiologischen Praxis: Tipps zur Umsetzung und Abrechnung

Auch in der kardiologischen Praxis können Patienten/Patientinnen gegen Influenza geimpft werden. Prof. Jörg Schelling erläutert, was Sie bei der Umsetzung beachten sollten und gibt Tipps zur Abrechnung.

Update Amyloidose: Red Flags, Diagnose und Therapie

Die Dunkelziffer bei der ATTR-Amyloidose ist groß. Umso wichtiger ist es, dass Kardiologen/Kardiologinnen die typischen Beschwerden kennen und erkennen. Prof. Wilhelm Haverkamp gibt Tipps zur Diagnosestellung und Behandlung und klärt wichtige Fragen zur Erstattung.

Hätten Sie es erkannt?

Intravaskuläre koronare Bildgebung mittels optischer Kohärenztomografie eines 46-jährigen Patienten nach extrahospitaler Reanimation bei Kammerflimmern. Was ist zu sehen?

Podcast-Logo
DGK.Online 2022/© DGK
kardiologie @ home/© BNK | Kardiologie.org
Kardio-Quiz Oktober 2022/© PD Dr. Daniel Bittner, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen