Nachrichten 05.07.2022

Benefit von Empagliflozin bei HFpEF keine Frage des Alters

Für den klinischen Nutzen des SGLT2-Hemmers Empafliflozin bei Herzinsuffizienz mit erhaltener Auswurffraktion ist das Alter der Patienten kein zu berücksichtigender Faktor, zeigt eine neue Subanalyse der Studie EMPEROR-Preserved.

Die EMPEROR-Preserved-Studie markiert bekanntlich einen Durchbruch in der medikamentösen Therapie bei Herzinsuffizienz des HFpEF-Phänotyps (Heart Failure with preserved Ejection Fraction). Für die große Gruppe der Patientinnen und Patienten mit HFpEF gab es bis zu dieser Studie keine wissenschaftlich gesicherten Therapieoptionen, um Ereignissen wie Tod oder Krankenhausaufenthalte wirksam vorzubeugen.

EMPEROR-Preserved hat gezeigt, dass eine Behandlung mit Empagliflozin bei Patienten mit Herzinsuffizienz und linksventrikulärer Ejektionsfraktion (LVEF) >40% im Studienzeitraum (im Median 26,2 Monate) das Risiko für kardiovaskuläre Todesfälle und Klinikaufenthalte wegen sich verschlechternder Herzinsuffizienz (primärer kombinierter Endpunkt) signifikant um 21% im Vergleich zu Placebo verringerte (Inzidenz: 13,8% vs. 17,1%; Hazard Ratio [HR]: 0,79; 95% Konfidenzintervall [KI]: 0,69 – 0,90; p<0,001).

In der neuen Subanalyse ist eine EMPEROR-Autorengruppe um Prof. Michael Böhm vom Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg/Saar, nun der Frage nachgegangen, ob das Alter der Studienteilnehmer (im Mittel 71 Jahre; 55% Männer, 45% Frauen) Einfluss auf die mit Empagliflozin erzielten Behandlungsergebnisse gehabt haben könnte. Dazu sind die insgesamt 5.988 an der Studie beteiligten Patientinnen und Patienten je nach Alter bei Studieneintritt in vier Altersgruppen (<65 Jahre [n = 1.199], 65-74 Jahre [n = 2.214], 75-79 Jahre [n = 1.276], ≥80 Jahre [n = 1.299]) eingeteilt worden.

Eine Analyse von Daten der Placebo-Gruppe bestätigte einmal mehr die Korrelation von Lebensalter und Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse. So betrug die Inzidenzrate für den primären kombinierten Endpunkt mit zunehmendem Alter in den vier Altersgruppen 6,96, 7,80, 9,51 und 11,00 pro 100 Patientenjahre (p-Wert für Trend = 0,02).

Wirksamkeit in allen Altersgruppen gezeigt

Die klinische Wirkung von Empagliflozin erwies sich dagegen als unabhängig vom Alter der Patienten. So reduzierte der SGLT2-Hemmer die Inzidenz von Ereignissen des primären Studienendpunktes (kardiovaskulärer Tod und Klinikaufenthalte wegen sich verschlechternder Herzinsuffizienz) in allen analysierten Altersgruppen (p-Wert für Trend = 0,33). Auch bezüglich der Reduktion von wegen Herzinsuffizienz erfolgten Hospitalisierungen bestand keine relevante Interaktion mit dem Alter, sowohl was Erstereignisse (p-Wert für Trend = 0,22) als auch alle Ereignisse (Erst- und Folgeereignisse, p-Wert für Trend = 0,11) betrifft.

Empagliflozin führte in der EMPEROR-Reduced-Studie im Vergleich zu Placebo zudem zu einer Verbesserung der Lebensqualität (gemessen an der Veränderung beim Kansas City Cardiomyopathy Questionnaire–Clinical Summary Score) sowie zu günstigen Effekten auf die Nierenfunktion (verzögerte Abnahme der glomerulären Filtrationsrate). Auch im Hinblick auf diese Wirkungen war keine Interaktion mit dem Alter nachweisbar ((p = 0,48, respektive p = 0,32).

Keine altersabhängige Zunahme von Nebenwirkungen

Bezüglich der Zahl der Patienten, bei denen die Studienmedikation wegen unerwünschter Effekte abgesetzt werden musste, gab es keinen wesentlichen Unterschied zwischen Empagliflozin- und Placebo-Gruppe. Eine mit dem Alter korrelierte Zunahme von Therapieabbrüchen wurde ebenso wenig beobachtet wie eine altersabhängige Zunahme von schweren Nebenwirkungen.

Die mögliche Sorge, dass die therapeutische Wirksamkeit eines SGLT2-Hemmers wie Empagliflozin bei Herzinsuffizienz des HFpEF-Typs mit fortschreitendem Alter der Patienten abnehmen und die Inzidenz von Nebenwirkungen zunehmen könnte, scheint nach diesen Studienergebnissen somit unbegründet zu sein.

Literatur

Böhm M. et al.: Empagliflozin Improves Outcomes in Patients With Heart Failure and Preserved Ejection Fraction Irrespective of Age. J Am Coll Cardiol. 2022, 80 (1) 1–18.

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