Nachrichten 24.09.2019

Dapagliflozin, die Zweite: Weitere Belege für klinischen Nutzen bei Herzinsuffizienz

Wenige Wochen nach der viel beachteten DAPA-HF-Studie liefert eine weitere randomisierte Studie Belege für den klinischen Nutzen des SGLT2-Hemmers Dapagliflozin bei Patienten mit Herzinsuffizienz – auch bei jenen ohne Diabetes.

Eine Therapie mit Dapagliflozin scheint relativ rasch den symptomatischen und funktionellen Gesundheitsstatus sowie die Lebensqualität von Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz  verbessern zu können. Dafür sprechen die Ergebnisse der DEFINE-HF-Studie. Dr. Mikhail Kosiborod  vom Saint Luke’s Mid America Heart Institute in Kansas City hat die Studie jüngst beim Kongress der Failure Society of America (HFSA) in Philadelphia vorgestellt, sie ist simultan im Fachblatt „Circulation“ publiziert worden.

DEFINE-HF ist nach der kurz zuvor beim Kardiologenkongress der European Society of Cardiology (ESC) vorgestellten DAPA-HF-Studie die zweite randomisierte Studie, in der Dapagliflozin bei an Herzinsuffizienz leidenden Patienten mit oder ohne Typ-2-Diabetes seine therapeutische Wirksamkeit bewiesen hat. In DAPA-HF konnte durch Dapagliflozin bekanntlich im Zeitraum von 18 Monaten das Risiko für den primären Studienendpunkt (klinische Verschlechterung der Herzinsuffizienz und kardiovaskuläre Mortalität) im Vergleich zu Placebo signifikant um 26% reduziert werden (Inzidenzraten: 16,3% vs. 21,2%).

Rund ein Drittel hatte keinen Diabetes

Anders als DAPA-HF (n=4.744) ist DEFINE-HF mit 263 Teilnehmern nicht dafür ausgelegt, Unterschiede bezüglich klinischer Ereignisse aufzudecken. „Co-primäre“ Endpunkte der Studie waren zum einen die Veränderung natriuretischer Peptide (NT-proBNP) nach sechs und 12 Wochen, zum anderen der Anteil an Patienten mit klinisch bedeutsamer Verbesserung des Herzinsuffizienz-spezifischen Gesundheitszustands (Anstieg des Kansas City Cardiomyopathy Questionnaire Overall Summary [KCCQ-OS]-Scores um 5 oder mehr Punkte oder NT-proBNP-Abfall um mindestens 20%).

Die Studienteilnehmer, die alle eine symptomatische Herzinsuffizienz (NYHA-Klasse II – III), eine linksventrikuläre Auswurffraktion ≤ 40%, eine eGRF ≥ 30 ml/min und erhöhte Werte für natriuretische Peptide (medianer initialer NT-proBNP-Wert:  1.136 pg/ml) aufwiesen, hatten nach Zufallszuteilung eine jeweils 12-wöchige Therapie mit Dapagliflozin oder Placebo additiv zu einer medikamentösen Standardtherapie erhalten. Ein Typ-2-Diabetes bestand bei 62% aller Teilnehmer.

Mehr Patienten mit klinisch bedeutsamen Verbesserungen

Mit Blick auf die NT-proBNP-Spiegel der Teilnehmer war nach sechs und 12 Wochen kein signifikanter Unterschied zwischen Dapagliflozin- und Placebo-Gruppe feststellbar (1133 pg/ml vs. 1191 pg/ml). Bei zweiten „co-primären“ Endpunkt sah es dagegen besser: Der Anteil an Patienten mit als klinisch bedeutsam erachteter Verbesserung von Symptomatik und Lebensqualität (gemessen an KCCQ-OS-Erhöhung oder NT-proBNP-Abfall) war nach 12 Wochen in der Dapagliflozin-Gruppe signifikant höher als in der Placebo-Gruppe (61,5% vs. 50,4%; p = 0,039).

Zu diesem Unterschied hatte sowohl ein höherer Anteil an Patienten mit KCCQ-OS-Verbesserung um ≥ fünf Score-Punkte (42,9% vs. 32,5%, p=0,03) als auch ein höherer Anteil an Patienten mit NT-proBNP-Abfall um ≥ 20% (44,0% vs. 29,4%, p=0,02) nach 12 Wochen beigetragen. Zum Zeitpunkt nach sechs Wochen hatte sich der Unterschied bezüglich NT-proBNP-Veränderung  noch als nicht signifikant erwiesen (34,4% vs. 33,3%; p = 0,74). Die Ergebnisse waren bei Patienten mit und ohne Typ-2-Diabetes wie auch in diversen anderen Subgruppen konsistent.

Dass beim ersten „co-primären“ Studienendpunkt (NT-pro-BNP-Veränderung) im 12-wöchigen Follow-up kein signifikanter Unterschied nachgewiesen werden konnte, hat möglicherweise methodische Gründe. So war die Variabilität der NT-pro-BNP-Werte (beobachtete Standardabweichung: rund 2.300 pg/ml) wesentlich höher, als bei der Studienplanung erwartet worden war (geschätzte Standardabweichung: 1250 pg/ml). Dadurch könnte die statistische Power der Studie für die Aufdeckung von Unterschieden negativ beeinflusst worden sein.

Literatur

Vorgestellt bei der Jahrestagung der Heart Failure Society of America (HFSA), 13. – 16. September 2019, Philadelphia

Nassif M.E., et al. Dapagliflozin effects on biomarkers, symptoms, and functional status in patients with heart failure with reduced ejection fraction: the DEFINE-HF trial. Circulation 2019.

Highlights

Reisen mit Herzinsuffizienz

Mobilität bei Herzinsuffizienz ist erstrebenswert – was aber, wenn der Patient gleich eine Fernreise plant? 

Corona, COVID-19 & Co.

Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Synkopen: Wie hoch ist das Unfallrisiko wirklich?

Fahrverbote bei Synkopen können Unfälle verhindern, sind aber auch belastend für die Betroffenen. In einer Studie wurde jetzt das Risiko von Personen mit Synkopen und das von anderen Patienten und Patientinnen der Notaufnahme verglichen.

Starke Zunahme von Herzerkrankungen in den USA erwartet

In den kommenden Jahrzehnten werde in den USA das Ausmaß an kardiovaskulären Risikofaktoren und Erkrankungen in der Bevölkerung erheblich zunehmen, prognostizieren US-Forscher. Dieser Trend wird nach ihrer Schätzung aber nicht alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen betreffen.

Nach Vorhofflimmern-Ablation: Blanking-Periode sollte kürzer sein

Unmittelbar nach Katheterablationen auftretende Vorhofflimmern-Episoden werden oft als vorübergehendes harmloses Phänomen betrachtet. Solche Frührezidive werden in der sog. „Blanking-Periode“, die in der Regel drei Monate umfasst, deshalb nicht als „echte“ Rezidive gezählt. Kardiologen halten die bisher propagierte Zeitspanne aber für zu lang.  

Aus der Kardiothek

Herzinsuffizienz: Optimal-Medikamentöse-Therapie (OMT), und ... was noch?

Medikamente sind die Eckpfeiler einer adäquaten Herzinsuffizienztherapie. Darüber hinaus gibt es zusätzliche Optionen, die für manche Patienten eine Lösung darstellen können. Anhand von Fallbeispielen erläutert Dr. med. Andreas Rieth welche das sind.

Digitale Kardiologie anno 2022 – von Zukunftsvisionen bis sinnvollem Einsatz im Alltag

Die digitale Kardiologie ist nicht nur ein Trend, sie eröffnet eine realistische Chance, die Versorgung von Patientinnen und Patienten zu verbessern. Dr. med. Philipp Breitbart gibt Tipps für den Einsatz solcher Devices im Alltag.

Muss eine moderne Herzinsuffizienztherapie geschlechtsspezifisch sein?

Medikamente wirken bei Frauen oft anders als bei Männern. Dr. med. Jana Boer erläutert, wie sich diese Unterschiede auf die pharmakologische Herzinsuffizienztherapie auswirken, und was Sie dabei beachten sollten.

Urlaub/© Nastco / Getty Images / iStock
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
kardiologie @ home/© BNK | Kardiologie.org