Skip to main content
main-content

30.06.2016 | Herzinsuffizienz | Nachrichten

MOOD-HF-Studie publiziert

Depression bei Herzinsuffizienz: Kein Effekt von SSRI

Autor:
Philipp Grätzel

Der selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) Escitalopram führt bei chronisch herzinsuffizienten Patienten mit Depression weder zu einer Verbesserung der Stimmung noch zu längerem Überleben. Das zeigen die Ergebnisse der MOOD-HF-Studie.

Die MOOD-HF-Studie war eine doppelblinde, placebokontrollierte Studie unter Leitung des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz in Würzburg. Die Ergebnisse waren bereits beim ACC 2015 in San Diego vorgestellt worden und sind jetzt im „Journal der American Medical Association“ auch nachzulesen.

An der Studie nahmen 372 Herzinsuffizienz-Patienten aus 16 großen kardiologischen Zentren in Deutschland teil. Alle mussten symptomatisch sein und eine linksventrikuläre Auswurffraktion von unter 45 % aufweisen, außerdem mussten sie depressiv sein, festgemacht zunächst an dem Screening-Tool Patient Health Questionnaire und dann an einem klinischen Interview unter Berücksichtigung der DSM-IV-Kriterien. Behandelt wurde mit Escitalopram 10 bis 20 mg pro Tag oder Placebo zusätzlich zu einer leitliniengemäßen Herzinsuffizienz-Therapie.

Studienabbruch wegen ausbleibender Wirkung

Die mittlere Beobachtungsdauer betrug 18,5 Monate. Danach wurde die Studie wegen ausbleibender Effekte vorzeitig abgebrochen. Beim primären Endpunkt „Tod oder Krankenhauseinweisung jeglicher Ursache“ gab es keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen den Gruppen: 63 % der Patienten in der Verum-Gruppe und 64 % in der Placebo-Gruppe hatten mindestens ein Endpunktereignis.

Die Depressivität, quantifiziert mit der Montgomery-Asberg Depression Rating Scale (MADRS), sank in der Verum-Gruppe zwar von 20,2 auf 11,2 Punkte. Das war aber nicht mehr als in der Placebo-Gruppe, wo der Score von 21,4 auf 12,5 Punkte nach unten ging.

Jetzt drei enttäuschende Studien

Mit der MOOD-HF-Studie gibt es damit insgesamt drei randomisierte Studien, die keinen Effekt einer antidepressiven Therapie auf kardiovaskuläre Endpunkte, Tod oder Krankenhauseinweisungen bei Herzpatienten gezeigt haben.

In der 2003 publizierten ENRICHD-Studie verbesserte kognitive Verhaltenstherapie und ggf. SSRI bei Patienten nach Herzinfarkt zwar die Stimmung, nicht dagegen andere Endpunkte. Und in der 2010 publizierten SADHART-CHF-Studie verbesserte Sertralin weder die Stimmung noch andere Endpunkte bei Herzinsuffizienz-Patienten.

Literatur

Zurzeit meistgelesene Artikel

 

Highlights

Düsseldorfer Herz- und Gefäßtagung 2019

Expertenvorträge für Sie zusammengestellt: Auf der diesjährigen Düsseldorfer Herz- und Gefäßtagung haben renommierte Experten die neuesten Leitlinien, Studien und medizintechnischen Entwicklungen vorgestellt und die Kernaussagen kompakt für den Alltag in Klinik und Praxis zusammengefasst.

Expertenrückblick auf den ACC-Kongress – das Wichtigste im Überblick

Kann man ASS als Plättchenhemmer in Zukunft komplett weglassen? Muss jedem Patienten ab sofort eine TAVI angeboten werden? Und wo stehen wir in der kardialen Prävention? Eine Expertenrunde hat in Leipzig die neuesten Studien und viel diskutierte Themen des diesjährigen ACC-Kongresses kommentiert. Schauen Sie rein und bleiben Sie auf dem neuesten Stand.

Aus der Kardiothek

16.04.2019 | Quiz | Onlineartikel

Patientin mit Fieber und Tachykardie – die Ursache verrät das Röntgenbild

Röntgenaufnahme des Thorax im Stehen bei einem 43 jährigen Patienten mit Fieber und Tachykardie. Was ist zu sehen?

Düsseldorfer Herz- und Gefäßtagung 2019

Expertenvorträge für Sie zusammengestellt: Auf der diesjährigen Düsseldorfer Herz- und Gefäßtagung haben renommierte Experten die neuesten Leitlinien, Studien und medizintechnischen Entwicklungen vorgestellt und die Kernaussagen kompakt für den Alltag in Klinik und Praxis zusammengefasst.

Expertenrückblick auf den ACC-Kongress – das Wichtigste im Überblick

Kann man ASS als Plättchenhemmer in Zukunft komplett weglassen? Muss jedem Patienten ab sofort eine TAVI angeboten werden? Und wo stehen wir in der kardialen Prävention? Eine Expertenrunde hat in Leipzig die neuesten Studien und viel diskutierte Themen des diesjährigen ACC-Kongresses kommentiert. Schauen Sie rein und bleiben Sie auf dem neuesten Stand.

Kontroverser Fall: So kann man wiederkehrendes Vorhofflimmern auch behandeln

DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt

Ein Patient leidet an wiederkehrendem Vorhofflimmern. Das Team um Prof. Boris Schmidt entscheidet sich für eine ungewöhnliche Strategie: die Implantation eines endokardialen Watchmann-Okkluders, um den linken Vorhof zu isolieren. Das genaue Prozedere sehen Sie hier. 

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Komplizierte Mehrgefäß-KHK bei einem jungen Patienten

Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018

Mehrere komplexe Stenosen bei einem 46-jährigen Patienten erfordern ein strategisch sinnvolles Vorgehen. Wofür sich das Team um PD Dr. Hans-Jörg Hippe vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Klinik entschieden hat, erfahren Sie in diesem Livecase. 

Bildnachweise