Nachrichten 09.05.2022

App erkennt Frühform von Herzinsuffizienz

Eine Apple-Watch kann 1-Kanal-EKGs erstellen, etwa zur Detektion von Vorhofflimmern. Für die Diagnose komplexerer Herzerkrankungen reichte das bislang nicht. Jetzt gibt es eine Möglichkeit, mit der Uhr eine linksventrikuläre Dysfunktion zu entdecken.

Eine linksventrikuläre Dysfunktion verläuft oft asymptomatisch und kann unbehandelt zu unerwünschten Ereignissen führen. Ein Forscherteam hat jetzt eine App für die Apple Watch entwickelt, die es Patienten ermöglicht, EKGs an ein medizinisches Zentrum zu übermitteln, das diese mit künstlicher Intelligenz analysiert, sodass eine linksventrikuläre Dysfunktion erkannt werden kann. Das könnte die routinemäßige Überwachung von Patienten zu Hause erleichtern.

An der Studie beteiligten sich rund 2.500 Patientinnen und Patienten der Mayo Kliniken aus elf Ländern, die eine Apple Watch besaßen. Sie luden die Studien-App herunter und schickten über fünf Monate EKGs an die Forscher. Diesen war es gelungen, einen Algorithmus, der normalerweise 12-Kanal-EKGs analysiert, so anzupassen, dass er mit Einkanal-EKGs funktioniert. Die App suchte also in den 1-Kanal-EKGs nach Anzeichen für eine linksventrikuläre Dysfunktion – mit Erfolg.

App erkennt 13 von 16 Erkrankungen

Von 421 Patienten, bei denen aktuelle, klinisch indizierte EKGs zum Vergleich vorlagen, hatten 16 eine Ejektionsfraktion ≤ 40%. Die App erkannte 13 davon, was einer Vorhersagegenauigkeit von fast 88% entspricht. Die Sensitivität und Spezifität lagen jeweils bei rund 81%. Die Aufzeichnungen wurden zudem automatisch in die elektronischen Patientenakten integriert, um das Überprüfen durch Ärzte zu erleichtern. Die Teilnehmenden nutzten die App im Schnitt zweimal pro Monat. Sie waren median 53 Jahre alt, 56% waren Frauen.

„Künstliche Intelligenz hat EKGs zu einem Werkzeug revolutioniert, das hilft, unentdeckte kardiovaskuläre Erkrankungen zu identifizieren. Wir haben enormes Potenzial gesehen, dies mithilfe tragbarer Geräte auch außerhalb der Arztpraxis anzuwenden“, erläuterte Dr. Zachi Attia von der Mayo-Klinik in Rochester, der die Ergebnisse beim Kongress der Heart Rhythm Society (HRS) in San Francisco vorstellte. Ihm und seinem Team sei wichtig gewesen, mit der App genaue Messwerte zu liefern und durch einfache Handhabung von zu Hause aus eine enge Patientenbindung zu schaffen.

Technik könnte Früherkennung verbessern

Die Ergebnisse zeigen den Forschern zufolge, dass mit der App eine effektive Überwachung auf linksventrikuläre Dysfunktion möglich ist. Sie könnte bei der Früherkennung unterstützen oder die Versorgung in abgelegenen Regionen verbessern. Noch bemühen sich Attia und Kollegen um eine FDA-Zulassung der neuen Technologie. Sie plädieren für weitere Studien, in denen zusätzliche von ihnen entwickelte Algorithmen getestet werden. Ihr Ziel ist, damit weitere häufige kardiovaskuläre Erkrankungen zu entdecken.

Literatur

Attia Z. Late Breaking Clinical Trials: Artificial Intelligence To Identify Left Ventricular Dysfunction From An Apple Watch ECG: A Prospective, Decentralized International Pragmatic Study. Kongress der Heart Rhythm Society (HRS), 29. April bis 1. Mai 2022, San Francisco

HRS-Pressemitteilung: New App for Apple Watch Uses Artificial Intelligence to Detect Left-Ventricular Dysfunction. 01.05.2022.

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