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24.11.2016 | Herzinsuffizienz | Nachrichten

AHA 2016. IRONOUT-Studie

Eisensubstitution bei Herzinsuffizienz – entscheidend ist die Darreichungsform

Autor:
PD Dr. Stefan Perings

Die beim AHA-Kongress vorgestellte Studie IRONOUT zur oralen Eisen-Substitution bei Herzinsuffizienz ist trotz Nichterreichens der gesteckten Ziele von klinischer Bedeutung. Warum, das erklärt unser Experte PD Dr. Stefan Perings.

Bei 50 % aller Patienten mit Herzinsuffizienz ist ein Eisenmangel nachweisbar. Dieser Eisenmangel ist ein unabhängiger Sterblichkeitsprädiktor bei Patienten mit einer Herzinsuffizienz und eingeschränkter Ejektionsfraktion. Die FAIR-HF- und die CONFIRM-HF-Studien konnten unter einer intravenös applizierten Eisensubstitution eine Verbesserung der 6-Minuten-Gehstrecke und der Lebensqualität sowie eine Reduktion von durch Herzinsuffizienz bedingten Hospitalisierungen nachweisen.

Leider ist eine flächendeckende intravenöse Therapie mit Eisen aufwendig und teuer und somit nicht alltagsfreundlich. Es lag daher auf der Hand zu untersuchen, ob eine orale Eisensubstitution ähnlich positive Effekte bei Herzinsuffizienz erzielen könnte.

Hierfür wurden in der Studie IRONOUT 225 Patienten mit Herzinsuffizienz (NYHA II–IV, LVEF < 40 %) und reduzierten Eisenwerten randomisiert. Die Verumgruppe erhielt über 16 Wochen 2× 150 mg/Tag Eisen-Polysaccharid und die Kontrollgruppe entsprechend ein Placebo.

Der primäre Endpunkt war die Änderung der maximalen Sauerstoffaufnahme nach Ablauf der 16-wöchigen Therapiephase im Vergleich zum Ausgangswert. Sekundäre Endpunkte waren: 6-Minuten-Gehtest, NT-proBNP-Spiegel und Änderung der Lebensqualität. Das Patientenkollektiv war mit einer durchschnittlichen LVEF von 25 % und durchschnittlichen maximalen Sauerstoffaufnahme von ca. 13 ml/kg/min durchaus als relevant herzinsuffizient zu bezeichnen.

Unter der oralen Eisensubstitution konnten weder eine Verbesserung der maximalen Sauerstoffaufnahme noch irgendeines sekundären Endpunktes gezeigt werden. Allerdings wurden auch keine gehäuften Nebenwirkungen in der Therapiegruppe beobachtet. Somit konnten die positiven Effekte einer intravenösen Eisensubstitution für die orale Gabe nicht reproduziert werden.

Den entscheidenden Grund für das Scheitern der Studie lieferten die Autoren gleich mit. Die vor Therapiebeginn und am Ende der Therapiephase gemessenen Laborparameter zur Beurteilung des Eisenhaushaltes Ferritin- und Transferrin-Sättigung wiesen beide keinerlei Unterschiede nach 16 Wochen Eisensubstitution auf. Im Gegensatz dazu konnte unter der intravenösen Eisensubstitution in der FAIR-HF-Studie ein deutlicher Anstieg beider Parameter gezeigt werden.

Insgesamt zeigt die Studie auf eindrucksvolle Art und Weise, welch großen Einfluss die Darreichungsform eines Medikamentes haben kann. Der klinische Stellenwert ist damit sehr hoch, denn bislang bekamen viele Herzinsuffizienz-Patienten im besten Glauben Eisen per os verschrieben, weil wir eben nicht wussten, dass dieses nichts nützt. Jetzt sind wir dank IRONOUT schlauer. 


Der Autor, PD Dr. Stefan Perings, ist geschäftsführender Herausgeber von „kardiologie.org". Er arbeitet als niedergelassener Kardiologe und Partner im CardioCentrum Düsseldorf sowie in der Klinik für Kardiologie, Pneumologie und Angiologie des Universitätsklinikums Düsseldorf. Seit 2012 ist er stellvertretender Bundesvorsitzender des Bundesverbandes Niedergelassener Kardiologen (BNK) und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie.

Literatur

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