Nachrichten 02.07.2021

Eisensubstitution verbessert kontraktile Funktion bei Herzinsuffizienz

Bei Patienten mit Herzinsuffizienz und Eisenmangel, die trotz Resynchronisationstherapie eine anhaltende linksventrikuläre Dysfunktion aufweisen, kann eine Eisensubstitution mit Eisencarboxymaltose Funktion und Struktur des Herzens verbessern, zeigt die IRON-CRT-Studie.

Bei Patienten mit Herzinsuffizienz des HFrEF-Typs (mit erniedrigter Auswurffraktion), bei denen eine Kardiale Resynchronisationstherapie (CRT) indiziert ist, hat eine solche Behandlung zumeist günstige strukturelle und funktionelle Veränderungen des Myokards (cardiac reverse remodeling) zur Folge, so etwa eine Reduktion der linksventrikulären Volumina und eine Verbesserung der linksventrikulären Ejektionsfraktion (LVEF).

Bei bestehendem Eisenmangel können solche positiven Remodeling-Effekte einer CRT jedoch eingeschränkt sein. Würde eine Eisensubstitution in diesem Fall von Vorteil sein? Ja, wie Ergebnisse der aktuell beim Kongress Heart Failure 2021 der europäischen Kardiologengesellschaft ESC vorgestellten IRON-CRT-Studie belegen.

Signifikanter Anstieg der Auswurffraktion

In dieser Studie konnte durch Eisensubstitution mit Eisencarboxymaltose bei Herzinsuffizienz-Patienten mit Eisenmangel, die auch sechs Monate nach Implantation eines CRT-Device noch erniedrigte LVEF-Werte (<45%) aufwiesen, im Vergleich zur Kontrollgruppe mit Standardtherapie plus Placebo eine deutliche Zunahme der LVEF erzielt werden (+4,22% versus −0,23%). Die nach drei Monaten beobachtete LVEF-Veränderung um rund 4% zugunsten der mit Eisencarboxymaltose behandelten Gruppe erwies sich als signifikant (p < 0,001).

Auch das linksventrikuläre endsystolische Volumen (LVESD) nahm bei Patienten mit Eisensupplementierung signifikant stärker ab als bei standardmäßig behandelten Patienten (−9,72 ml vs. −1.83 ml; p = 0,001). Bezüglich des linksventrikulären enddiastolischen Volumens (LVEDV) bestand dagegen kein signifikanter Unterschied zwischen beiden Gruppen (p = 0,748).

Auch kontraktile Performance des Myokards wurde verbessert

Die Studienautoren um Studienleiter Dr. Pieter Martens vom Ziekenhuis Oost-Limburg in Genk, Belgien, wollten auch herausfinden, ob eine Eisensubstitution bei Herzinsuffizienz mit Eisenmangel die kardiale Kontraktilität in vivo verbessern würde.  Dafür nutzten sie Messungen des so genannten Bowditch- oder auch Treppeneffekts, der die Beziehung zwischen Kraft und Frequenz am Herzmuskel beschreibt: Mit Steigerung der Herzfrequenz kommt es dabei zu einer Zunahme der myokardialen Kontraktionskraft. Möglich waren solche Messungen aufgrund der Tatsache, dass alle Studienteilnehmer Träger eines CRT-Device waren – was in der Studie abgestufte Pacing-Protokolle mit genauer Messung der Kraft-Frequenz-Beziehung ermöglichte.

Zu Beginn stellten die Untersucher bei allen Studienteilnehmer eine negative Kraft-Frequenz-Beziehung fest: Mit höheren Herzfrequenzen nahm bei ihnen die kardiale Kontraktilität ab.

Nur bei den mit Eisencarboxymaltose behandelten Patienten änderte sich dies im Studienverlauf: Bei ihnen war nach drei Monaten eine positive Kraft-Frequenz-Beziehung nachweisbar, nicht aber bei den Patienten der Kontrollgruppe mit Placebo-Therapie, berichtete Martens. Demnach scheint eine Auffüllung der Eisenspeicher bei Herzinsuffizienz und Eisenmangel die eingeschränkte kardiale Kontraktilität zumindest partiell wieder instand setzen zu können.

Positive Effekte auf funktionellen Status und Belastungskapazität

Auch der mittels Fragebogen (Kansas City Cardiomyopathy Questionnaire, KCCQ) erfasste funktionelle Status der Patienten sowie die maximale Belastungskapazität (peak VO2) wurden durch die Eisensupplementierung verbessert.

An der randomisierten Doppelblind-Studie IRON-CRT waren 75 Patienten mit symptomatischer Herzinsuffizienz und Eisenmangel (Ferritin < 100 μg/l unabhängig von der Transferrin-Sättigung oder Ferritin-Werte zwischen 100 und 300 μg/l bei Transferrin-Sättigung <20%) beteiligt. Die Studienteilnehmer waren per Randomisierung einer Behandlung mit Eisencarboxymaltose (n = 37) oder einer Standardbehandlung (Standard of Care, SOC, n = 38) plus Placebo (Kochsalzlösung) zugeteilt worden. Trotz vorangegangener optimaler medikamentöser Therapie und mindestens sechs Monate zurückliegender Implantation eines CRT-Device war bei ihnen die LVEF zu Studienbeginn noch immer erniedrigt (LVEF im Schnitt 34% versus 33%).

Literatur

Vorgestellt beim Kongress Heart Failure 2021 der ESC, 29. 6. - 1. 7. 2021

Martens P. et al.: The effect of intravenous ferric carboxymaltose on cardiac reverse remodelling following cardiac resynchronization therapy—the IRON-CRT trial. Eur Heart j 2021, ehab411. Online 29. Juni

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