Nachrichten 10.04.2017

Empagliflozin: Klinischer Nutzen bei Herzinsuffizienz im Fokus neuer Studien

Mit dem Ziel, das therapeutische Potenzial des  SGLT2-Hemmers Empagliflozin  speziell bei Menschen mit chronischer Herzinsuffizienz auszuloten, sind zwei neue Studien mit insgesamt rund 7.000 Teilnehmern konzipiert worden.  Für dieses Forschungsprojekt ist  erstmals auch eine Teilnahme von Menschen ohne Typ-2-Diabetes vorgesehen. 

Wie die Unternehmen Boehringer Ingelheim und Lilly in einer Pressemitteilung informieren, ist das klinische Studienprogramm EMPEROR HF gestartet worden. EMPEROR HF (EMPagliflozin outcomE tRial in patients with chrOnic heaRt failure) besteht aus zwei randomisierten placebokontrollierten Phase-III-Studien, in denen der mögliche therapeutische Nutzen von Empagliflozin gezielt bei Menschen mit chronischer Herzinsuffizienz untersuchen wird. In diese Studien sollen nicht nur an Herzinsuffizienz erkrankte Patienten mit Typ-2-Diabetes, sondern auch solche ohne Diabetes-Erkrankung aufgenommen werden. 

Den Anstoß für das neue Studienprogramm gaben die Ergebnisse der EMPA-REG OUTCOME-Studie.  Sie hat bekanntlich ergeben, dass eine Behandlung mit Empagliflozin bei Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes und kardiovaskulären Vorerkrankungen das Risiko für den  primären kombinierten Endpunkt  (kardiovaskulär bedingter Tod, nicht-tödlicher Myokardinfarkt oder nicht-tödlicher Schlaganfall) im Vergleich zu Placebo signifikant um 14 Prozent verringerte. Ausschlaggebend war eine  signifikante relative Reduktion der kardiovaskulären Mortalität um 38 Prozent. Zudem wurde die Rate für  Krankenhauseinweisungen wegen Herzinsuffizienz um 35 Prozent verringert. Diese Risikoreduktionen waren unabhängig von der Blutzuckersenkung.

In den beiden  EMPEROR HF-Studien steht nun die klinische  Wirkung von Empagliflozin bei Patienten mit Herzinsuffizienz im Blickpunkt. Der Fokus ist dabei sowohl auf Patienten mit sogenannter diastolischer Herzinsuffizienz (Heart Failure with preserved Ejection Fraction, HFpEF) als auch auf Patienten mit  systolischen Herzinsuffizienz (Heart Failure with reduced Ejection Fraction, HFrEF) gerichtet. Anders als bei systolischer Herzinsuffizienz ist es bei diastolischer Herzinsuffizienz trotz vieler Versuche bislang nicht gelungen, eine Therapie mit prognoseverbessernder Wirkung zu etablieren. 

Primärer Endpunkt der EMPEROR HF-Studien ist die Zeit bis zum ersten Auftreten der Ereignisse kardiovaskulärer Tod und Krankenhauseinweisung wegen Herzinsuffizienz. Geplant ist eine Rekrutierung von insgesamt rund 7.000 Studienteilnehmern. Beide Studien werden voraussichtlich im Jahr 2020 abgeschlossen sein. 

Die Studie EMPEROR HF-Preserved untersucht Sicherheit und Wirksamkeit von Empagliflozin speziell bei Patienten mit  Herzinsuffizienz und noch weitgehend normaler linksventrikulärer Auswurffraktion (HFpEF).  Erwartet wird eine Zahl von rund 4.100  Studienteilnehmern. Die Studie EMPEROR HF-Reduced mit rund 2.800  erwarteten Teilnehmern prüft Sicherheit und Wirksamkeit des SGLT2-Hemmers bei Patienten mit Herzinsuffizienz und reduzierter linksventrikulärer Auswurffraktion (HFrEF).

Literatur

Pressemitteilung der Unternehmen Boehringer Ingelheim und Lilly: „Erste auf chronische Herzinsuffizienz ausgerichtete Outcome-Studien mit Empagliflozin gestartet“, 4. April 2017

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Bildnachweise
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Webinar Prof. Martin Möckel/© Springer Medizin Verlag GmbH