Nachrichten 10.12.2021

Herzinsuffizienz: Metaanalyse stützt Therapie mit SGLT2-Hemmern bei HFpEF

Eine auf Daten von fast 10.000 Patienten basierende Metaanalyse gibt Aufschluss über den klinischen Nutzen von SGLT2-Hemmern bei Herzinsuffizienz mit weitgehend normaler (erhaltener) Auswurffraktion.

Die Suche nach evidenzbasierten Therapien zur Reduktion von Morbidität und Mortalität bei Herzinsuffizienz mit erhaltener Auswurffraktion (HFpEF: Heart Failure with preserved Ejection Fraction) verlief lange Zeit enttäuschend. Das änderte sich mit der beim diesjährigen Kongress der europäischen Kardiologen-Gesellschaft (ESC 2021) präsentierten EMPEROR-Preserved-Studie.

Sie lieferte bekanntlich der erfreulichen Nachweis, dass eine Behandlung mit dem SGLT2-Hemmer Empagliflozin bei Patienten mit Herzinsuffizienz und linksventrikulärer Ejektionsfraktion (LVEF) >40% im Verlauf von rund zwei Jahren die Inzidenz von kardiovaskulären Todesfällen und Klinikaufenthalten wegen sich verschlechternder Herzinsuffizienz (primärer kombinierter Endpunkt) signifikant um 21% im Vergleich zu Placebo verringerte (13,8% vs. 17,1%; Hazard Ratio [HR]: 0,79; 95% Konfidenzintervall [KI]: 0,69 – 0,90; p<0,001). Den Unterschied machte dabei die signifikante Reduktion von Hospitalisierungen wegen Herzinsuffizienz um 29% durch den SGLT2-Hemmer aus (8,6% vs. 11,8%; HR: 0,71; 95% KI: 0,60 – 0,83), während die kardiovaskuläre Mortalität nicht wesentlich verringert wurde.

Metaanalyse von Daten aus fünf randomisierten Studien

Eine Gruppe von Autoren um Dr. Vassilios S. Vassiliou von der University of East Anglia in Norwich hat sich beeilt, die neuen Daten der EMPEROR-Reduced-Studie gleich in eine erweiterte Metaanalyse einfließen zu lassen. Für diese Analyse haben Vassiliou und sein Team fünf randomisierte Studien mit insgesamt 9726 daran beteiligten Herzinsuffizienz-Patienten ausgewertet, von denen 5046 mit einem SGLT2-Hemmer und 4680 mit Placebo behandelt worden waren. Außer der EMPEROR-Reduced-Studie, die mit ihren knapp 6000 Teilnehmern das größte Gewicht (67%) in dieser Analyse hatte, zählten dazu noch die kleineren Studien VERTIS-CV (mit Ertugliflozin), DECLARE-TIMI-58 (mit Dapagliflozin) sowie SOLOIST-WHF und SCORED(jeweils mit Sotagliflozin).

Bei den Teilnehmern der VERTIS-CV- und DECLARE-TIMI-58-Studie betrug die LVEF >45%, bei den SOLOIST-WHF- und SCORED-Teilnehmern lag sie im Bereich >50%. EMPEROR-Reduced war die einzige unter den fünf Studien, an der auch Herzinsuffizienz-Patienten ohne Typ-2-Diabetes beteiligt waren.

Relative Risikoreduktion um 22% für den primären Endpunkt

Auf Basis der fünf Studien mit vier SGLT2-Hemmern gelangten Vassiliou und seine Mitautoren zu dem Ergebnis, dass durch SGLT2-Hemmung das Risiko für kardiovaskuläre Todesfälle und Klinikaufenthalte wegen Herzinsuffizienz-Problemen bei Patienten mit einer LVEF im Bereich >40% relativ um 22% verringert worden war (HR: 0,78; 95% KI: 0,69-0,87).

Ausschlaggebend dafür war wieder die deutliche Reduktion von Hospitalisierungen wegen Herzinsuffizienz um 29% (HR: 0,71; 95% KI: 0,61-0,84). Bezüglich der Raten für die kardiovaskuläre Mortalität (HR: 1,01; 95% KI: 0,80-1,28) und für die Gesamtmortalität (HR: 1,01; 95% KI: 0,89-1,14) bestanden keine relevanten Unterschiede.

Unter den Studienteilnehmern waren allerdings nicht wenige, bei denen die LVEF im Bereich zwischen 41% und 49% lag. Damit entsprach die Herzinsuffizienz bei diesen Patienten gemäß den neuen ESC-Leitlinien einem HFmrEF-Phänotyp (heart failure with mildly reduced ejection fraction), nicht aber einem HFpEF-Typ. Die Gruppe um Vassiliou hat deshalb in einer separaten Subanalyse die Daten aller Patienten (n = 5,928) mit „echter“ HFpEF, also mit einer LVEF > 50%, ausgewertet. Ergebnis war, dass in dieser Gruppe das Risiko für kardiovaskuläre Todesfälle und Klinikaufenthalte wegen Herzinsuffizienz durch SGLT2-Hemmung relativ um 23% verringert worden war (HR: 0,77; 95% KI: 0,66-0,91). Eine ähnliche Analyse haben auch die Autoren der EMPEROR-Reduced-Studie jüngst publiziert.

Bedarf an weiteren großen Studien

Die Follow-up-Dauer in den analysierten Studien war mit rund zwei Jahren relativ kurz. Ob aus einer längerfristigen Behandlung mit SGLT2-Hemmern auch ein günstiger Effekt auf die Mortalität resultieren würde, ist derzeit unklar. Um diesbezüglich „robuste“ Schlussfolgerungen ziehen zu können, bedürfe es weiterer großer klinischer Studien, so die Autoren der Metaanalyse.

Im Blickpunkt steht dabei die derzeit laufende internationale DELIVER-Studie (Dapagliflozin Evaluation to Improve the LIVEs of Patients With PReserved Ejection Fraction Heart Failure). In dieser Studie haben 6263 Herzinsuffizienz-Patienten mit LVEF >40% nach Zufallszuteilung eine Behandlung mit Dapagliflozin oder Placebo erhalten. Wieder geht es primär um den Einfluss dieser beiden Behandlungen auf den kombinierten Endpunkt aus kardiovaskulären Todesfällen und Hospitalisierungen wegen Herzinsuffizienz-Problemen.

Literatur

Tsampasian V. et al.: Sodium glucose co-transporter 2 inhibitors in heart failure with preserved ejection fraction: a systematic review and meta-analysis. European Journal of Preventive Cardiology, zwab189, https://doi.org/10.1093/eurjpc/zwab189

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