Nachrichten 18.12.2018

Herzinsuffizienz: Subklinische Hypothyreose scheint Prognose zu verschlechtern

Bei Patienten mit einer Herzinsuffizienz ging eine subklinische Schilddrüsenunterfunktion ging in einer Beobachtungsstudie mit einer ungünstigen Prognose einher. Ob solche Befunde eine praktische Konsequenz mit sich ziehen sollten, bleibt abzuwarten.

Bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz geht einer aktuellen Studie zufolge eine subklinische Hypothyreose ab TSH-Werten von ≥7 mlU/L mit einer deutlich schlechteren Prognose einher. Im Vergleich zu TSH-Werten im Referenzbereich (0,45–4,5 mlU/L) ist das Risiko für den kombinierten Endpunkt aus Tod, der Notwendigkeit der Implantation eines Herzunterstützungssystems oder einer Herztransplantation bei diesen Patienten um mehr als das Dreifache erhöht (HR: 3,25; 95%-KI: 1,96–5,39; p<0,001).

Dass sich die Schilddrüsenfunktion auf die Herzfunktion auswirken kann, ist kein neuer Befund. Sowohl eine klinische Hyperthyreose wie auch eine klinische Hypothyreose  waren in Studien mit einem erhöhten Herzinsuffizienz-Risiko assoziiert.

Mehr als dreifach erhöhtes Risiko für kombinierten Endpunkt

Ein Forscherteam um Dr. Lakshmi Kannan ging nun der Frage nach, inwiefern sich abweichende Schilddrüsenwerte auf die Progression einer bereits bestehenden Herzinsuffizienz auswirken können. Für ihre Analyse setzen sie die Schilddrüsenwerte  von 1.365 Patienten, die an einer chronischen Herzinsuffizienz litten, mit deren Prognose in Beziehung. Das Follow-up betrug im Mittel 4,2 Jahre.

In der multivariaten Analyse war eine subklinische Hypothyreose – definiert als TSH zwischen 4,51–19,99 mlU/L, aber normalen Werten von freiem Thyroxin (FT4) – mit einem erhöhten Risiko für den kombinierten Endpunkt assoziiert  (HR: 1,82; 95%-KI:1,27–2,61; p=0,001). Für TSH-Werte zwischen 4,51 und 6,99 mlU/L zeigte sich allerdings keine entsprechend signifikante Assoziation (HR: 1,26; 95%-KI: 0,78–2,06; p=0,34). Sprich, nur ab TSH-Werten von 7 mlU/L scheint sich eine subklinische Hypothyreose bei Herzinsuffizienz-Patienten negativ auf den Erkrankungsverlauf auszuwirken.

Bei Low T3-Syndrom ist Prognose schlechter

Ebenfalls eine deutlich schlechtere Prognose hatten Patienten, deren Konzentrationen von Triiodothyronine (T3) zu niedrig waren, die TSH- und FT4-Werte aber im Normbereich lagen (HR: 2,12; 95%-KI:1,65–2,72; p<0,001). Ein solches Low-T3-Syndrom findet sich häufig bei Herzinsuffizienz-Patienten. In der aktuellen Studie lag die Prävalenz bei 14%, in anderen Studien bei 20% bis 30%. Bereits in früheren Untersuchungen hatte sich ein Zusammenhang zwischen isolierten niedrigen T3-Werten und einer erhöhten Sterblichkeit gezeigt.

Die neuen Daten würden die Rolle des Low-T3-Syndroms für die Herzinsuffizienz-Prognose unterstützen, resümieren die Studienautoren. Die US-amerikanischen Ärzte könnten sich vorstellen, dass eine therapeutische Zufuhr des Hormons die Prognose positiv beeinflussen könnte. Bisher sei der potenzielle Nutzen einer solchen Therapie aber zu wenig untersucht worden, kritisieren sie, obwohl sich bei Ratten gezeigt habe, dass eine intravenöse Injektion von T3 die Herzkontraktilität verbessere und sich eine kurzfristige Gabe bei hospitalisierten Patienten mit Herzinsuffizienz  als sicher erwiesen habe, ebenso wie eine länger andauernde Supplementierung bei Patienten mit milder Einschränkung der Pumpfunktion.

In einer Analyse, in der die TSH-Werte im Verlauf berücksichtigt worden sind, ergab sich ebenfalls eine signifikante Assoziation zwischen erhöhtem TSH, erhöhten FT4 sowie der Gesamtkonzentration von T3 und der Prognose der Patienten (TSH: HR: 1,03 für jede Zunahme von 1 mlU/L; FT4: HR: 1,12 für jede Zunahme von 0,1 ng/dl und T3-Gesamtwert: HR: 0,85 für jede Zunahme von 10 ng/dl).

Und die Konsequenzen für die Praxis?

Des Weiteren bleibt zu klären, inwieweit eine Levothyroxin-Therapie bei Herzinsuffizienz-Patienten mit subklinischer Hypothyreose nützlich sein könnte. Die bisherigen Studien hierzu hätten diskrepante Ergebnisse geliefert, berichten die Studienautoren. „Unsere Daten deuten darauf hin, dass entsprechende Studien auf Patienten mit TSH-Werten ≥ 7,0 mlU/L beschränkt werden könnten.“ Ihrer Ansicht nach könnte es ebenfalls sinnvoll sein, bei Herzinsuffizienz-Patienten, die mit Levothyroxin behandelt werden, auch die Höhe von FT4 regelmäßig zu kontrollieren, da FT4 selbst innerhalb des Referenzbereichs mit einer schlechteren Prognose assoziiert gewesen sei.   

Aufgrund des beobachtenden Designs sind solche Rückschlüsse auf die Praxis allerdings kaum zulässig. So weisen auch die Studienautoren darauf hin, dass man anhand dieser Daten nicht definitiv sagen kann, ob abweichende Schilddrüsenwerten nur ein Marker für eine schlechte Herzinsuffizienz-Prognose sind oder tatsächlich kausal an der Verschlechterung des Erkrankungsstatus beteiligt sind. Viele Patienten in der Studie nahmen beispielsweise Medikamente wie Amiodaron, Levothyroxin und Betablocker ein, die die Höhe der Schilddrüsenhormon-Konzentrationen beeinflussen können und sich somit auch auf das Studienergebnis ausgewirkt haben könnten.   

Literatur

Kannan L, Shaw P, Morley M et al. Thyroid Dysfunction in Heart Failure and Cardiovascular Outcomes; https://doi.org/10.1161/CIRCHEARTFAILURE.118.005266Circulation: Heart Failure. 2018;11:e005266

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