Nachrichten 13.07.2020

Herzinsuffizienz: Verschlechtert Unterernährung die Prognose?

Eine unzureichende Kalorienaufnahme bei Patienten mit dekompensierter Herzinsuffizienz ist einer US-amerikanischen Studie zufolge mit einer reduzierten Lebensqualität nach der Entlassung und einer erhöhten Rehospitalisierungsrate assoziiert.

Bisherige Studien zeigen, dass Ernährungsinterventionen die Prognose von Herzinsuffizienz-Patienten  zu verbessern scheinen, jedoch ist über ihre Rolle bei akuter dekompensierter Herzinsuffizienz noch wenig bekannt. Häufig wurde versucht mithilfe von Natriumrestriktion das Herz dieser Patienten zu entlasten, die Studienlage dazu ist jedoch kontrovers.

Forscher um Dr. Feriha Bilgen von der Universität Michigan in Ann Arbor untersuchten jetzt den möglichen Zusammenhang zwischen der Kalorienaufnahme und der Prognose nach der Entlassung von Patienten mit Herzinsuffizienz. Da eine Natriumrestriktion den unerwünschten Nebeneffekt haben kann, dass Patienten zu wenige Kalorien aufnehmen, wollten sie herausfinden, ob sich Unterernährung negativ auf den Krankheitsverlauf auswirkt.

11% der Patienten nahmen zu wenige Kalorien auf

Dafür analysierten sie Daten der GOURMET-HF-Studie von 57 Patienten, die aufgrund von sich verschlechternder Herzinsuffizienz ins Krankenhaus eingeliefert wurden. Mithilfe von Fragebögen ermittelten sie deren durchschnittliche Kalorienaufnahme vor dem Klinikaufenthalt. Lag sie unter 90% des Stoffwechselbedarfs, wurde dies als Unterernährung definiert. Dann errechneten die Forscher, ob diese mit der Lebensqualität und dem Rehospitalisierungsrisiko assoziiert war.

Die durchschnittliche Kalorienaufnahme betrug 2.987 kcal/Tag. 11% der Patienten wurden als unterernährt eingestuft. Alle Personen, die weniger als 2000 mg Natrium pro Tag konsumierten, hatten eine unzureichende Kalorienaufnahme und häufiger einen Mangel an Mikronährstoffen und Proteinen. Innerhalb der drei Monate nach der Entlassung hatten sie schlechtere Werte auf dem KCCQ-CS-Score für Lebensqualität und ein gesteigertes Risiko für Rehospitalisierung (Odds Ratio 14,5). Ihr Risiko für einen längeren Krankenhausaufenthalt war ebenfalls erhöht (Incident Rate Ratio 31,3).

Rechtzeitige Ernährungsintervention könnte helfen

„Trotz einer hohen Prävalenz von Adipositas und vergleichsweise wenigen Fällen von Unterernährung ging eine unzureichende Kalorienaufnahme bei Herzinsuffizienzpatienten nach der Entlassung mit einer schlechteren Lebensqualität und einem erhöhten Rehospitalisierungsrisiko einher“, so Bilgen und Kollegen. Ein rechtzeitiges Beurteilen des Essverhaltens im Krankenhaus könnte die Risikostratifikation für Rehospitalisierung verbessern und Patienten identifizieren, bei denen eine Ernährungsintervention sinnvoll sei, schlagen sie vor.

„Die Studienautoren liefern neue Hinweise, die zukünftigen, randomisierten Studien dazu dienen können, die Auswirkungen unterschiedlicher Ernährungsinterventionen auf Patienten mit akuter dekompensierter Herzinsuffizienz  weiter zu erforschen. Es sollte auch untersucht werden, ob die beobachteten Effekte bei Herzinsuffizienz mit reduzierter und erhaltener Ejektionsfraktion gleichermaßen zutreffen“, fordern Dr. Kathleen Allen vom Dartmouth College in New Hampshire und Kollegen in einem Begleitkommentar.

Literatur

Bilgen F et al. Insufficient Calorie Intake Worsens Post Discharge Quality of Life and Increases Readmission Burden in Heart Failure. JACC Heart Failure 2020. https://doi.org/10.1016/j.jchf.2020.04.004

Allen K et al. Nutrition, Heart Failure, and Quality of Life. Beyond Dietary Sodium. JACC Heart Failure 2020. https://doi.org/10.1016/j.jchf.2020.04.006

Live-Quiz EKG – melden Sie sich jetzt kostenlos an

Wie gut kennen Sie sich mit dem EKG aus? Und was machen Sie, wenn Sie einen auffälligen Befund vor sich haben? Testen Sie Ihr Wissen in unserem interaktiven Live-Quiz EKG am Mittwoch, 09.12.2020, um 17:00 Uhr auf Kardiologie.org. 
Dr. Martin Neef vom Universitätsklinikum Leipzig stellt Ihnen verschiedene EKG-Befunde vor. Stimmen Sie live für die richtige Antwort ab oder stellen Sie Ihre Fragen im Chat – alles natürlich anonym. Melden Sie sich jetzt kostenlos an, die Plätze sind begrenzt!

Highlights

AHA-Kongress 2020 *virtuell*

Ein virtueller Kongress ist mittlerweile schon fast nichts ungewöhnliches mehr. Von der diesjährigen Tagung der American Heart Association (AHA) gibt es aber trotz allem einiges Ungewöhnliches und Spannendes zu berichten. 

Corona, COVID-19 & Co.

Die Ausbreitung des Coronavirus hat einschneidende Folgen auch für die Herzmedizin. Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Spezielles Training hilft bei pulmonaler Hypertonie

Lebensqualität, Gehstrecke, maximale Sauerstoffaufnahme – all das kann sich durch ein neues standardisiertes Trainingsprogramm für Patienten mit pulmonaler oder chronisch thromboembolischer pulmonaler Hypertonie verbessern, zeigt eine europäische Studie.

Herzinsuffizienz des HFpEF-Typs: Licht am Ende des Tunnels?

Die Suche nach prognoseverbessernden Therapien für Patienten mit Herzinsuffizienz bei erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF) verlief bislang äußerst enttäuschend. Jetzt gibt es zumindest einen Hoffnungsschimmer.

Vorhofflimmern: Ablation statt Antiarrhythmika als First-Line-Therapie?

Besser gleich Ablation statt erst noch ein Versuch mit Antiarrhythmika? Zwei Studien, die der Kryoballon-Ablation eine deutlich höhere antiarrhythmische Effizienz bescheinigen, legen nahe, die Praxis der First-Line-Therapie bei paroxysmalem Vorhofflimmern zu ändern.

Aus der Kardiothek

Neue Vorhofflimmern-Leitlinie und ihre Implikationen für die Praxis

Erst kürzlich sind die ESC-Leitlinien zum Management von Vorhofflimmern aktualisiert worden. Prof. Christian Meyer vom Evangelisches Krankenhaus Düsseldorf gibt in diesem Webinar einen kurzen Überblick über die wichtigsten Aspekte.

Zepter und Krone – oder was sehen Sie auf dem Bild?

Kardiale Computertomographie, 3-dimensionale Rekonstruktion im „Metallfenster“. Was ist zu sehen?

Kardio-MRT bei 70-Jährigem – was hat der Patient?

Kardio-MRT bei 70-jährigem Patienten mit Darstellung einer kurzen Achse im mittventrikulären Bereich. Was ist zu sehen?

Bildnachweise
EKG-Quiz/© [M] Syda Productions / stock.adobe.com
AHA-Kongress 2020
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Webinar Prof. Christian Meyer/© Springer Medizin Verlag GmbH
Kardiale Computertomographie/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
Kardio-MRT (CMR, Late Gadolinium Enhancement PSIR)/© Mohamed Marwan, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen