Nachrichten 05.07.2016

Herzinsuffizienz: Anämie und Eisendefizit sind prognostische Faktoren

Etwa jeder dritte Patient mit bestätigter Herzinsuffizienz ist anämisch, und bis zu zwei Drittel dieser Patienten haben ein Eisendefizit. Im Vergleich zu Patienten ohne Auffälligkeiten im roten Blutbild ist die Sterblichkeit bei anämischen und auch bei nur eisendefizienten Patienten erhöht.

Für die jetzt in JAMA Cardiology publizierte Untersuchung wurden unter der Leitung von Prof. John Cleland, Universität Hull/England, zwischen Januar 2001 und Dezember 2010 über 4.400 Patienten prospektiv rekrutiert, die in der Herzinsuffizienzambulanz der Klinik vorstellig wurden. Neben den üblichen kardiologischen Untersuchungen erfolgte eine standardisierte venöse Blutentnahme, bei der neben dem Blutbild auch übliche Serumparameter des Eisenstoffwechsels (Serum-Eisen, Transferrin-Sättigung, Ferritin) gemessen wurden.

Anhand der WHO-Anämie-Grenzwerte (Männer: 13 g/dl, Frauen 12 g/dl) wurden die Patienten hinsichtlich ihres roten Blutbilds klassifiziert. Wer mehr als 2 g/dl unter der WHO-Norm lag, war stark anämisch. Wer zwischen 1 und 2 g/dl unter der Norm lag, war moderat anämisch bzw. bei weniger als 1 g/dl unter der Norm mild anämisch. Wer maximal 1 g/dl oberhalb der WHO-Norm lag, wurde als grenzwertig anämisch klassifiziert.

Wurden diese Definitionen zugrunde gelegt, hatten 33,3 % der Herzinsuffizienz-Patienten eine Anämie, und zwar sowohl Patienten mit linksventrikuläre Dysfunktion als auch Patienten mit Herzinsuffizienz und erhaltener Ejektionsfraktion. Erwartungsgemäß stieg der Anteil der anämischen Patienten mit dem Alter an.

Eisenmangel und Anämie: Voneinander unabhängige Prognosefaktoren?

Eisenmangel scheint an der Genese der Herzinsuffizienzanämien wesentlich beteiligt zu sein. Zumindest gab es in der englischen Kohorte einen klaren Zusammenhang zwischen dem Anteil der Patienten mit Eisenmangel und dem Ausmaß der Anämie. Während grenzwertig anämische Patienten zu unter 5 % ein Serumeisen von unter 45 µg/dl aufwiesen, waren es bei moderat bis schwer anämischen Patienten 45 %.

Auch niedrige Serum-Ferritin-Spiegel waren häufig. 10,7 % aller Patienten hatten Ferritin-Spiegel unter 30 ng/ml, und 43,8 % lagen unter 100 ng/ml. Anders als beim niedrigen Serum-Eisen gab es bei niedrigen Serum-Ferritin-Spiegeln aber keine gute Korrelation zur Anämie. Allerdings korrelierte sowohl die Anämie als auch der am Ferritin festgemachte Eisenmangel mit der Gesamtsterblichkeit der Patienten, was vor allem auf eine höhere kardiovaskuläre Sterblichkeit zurückging.

Dabei wurde die Korrelation von Eisenmangel und Sterblichkeit stärker, wenn die Anämie aus dem multivariaten Modell herausgerechnet wurde, und umgekehrt wurde die Korrelation zwischen Anämie und Sterblichkeit stärker, wenn der Eisenmangel herausgerechnet wurde. Dies deute darauf hin, dass Anämie und Eisenmangel voneinander unabhängige prognostische Faktoren bei Herzinsuffizienz sein könnten, so die Autoren.

Literatur

Cleland JGF et al. Prevalence and Outcomes of Anemia and Hematinic Deficiences in Patients with Chronic Heart Failure. JAMA Cardiol. 2016 Jun 29; doi: 10.1001/jamacardio.2016.1161

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