Skip to main content
main-content

31.01.2018 | Herzinsuffizienz | Nachrichten

Unterschiedliche Prognose

Herzinsuffizienz: Bei erhaltener Auswurffraktion scheint das Sterberisiko niedriger zu sein

Autor:
Peter Overbeck

Bei Herzinsuffizienz kann die linksventrikuläre Auswurffraktion normal oder erniedrigt sein. Ist dieser Unterschied im Phänotyp von Bedeutung dafür, wie hoch das Sterberisiko ist? Ergebnisse einer neuen Studie legen nahe, dass die Mortalität in der Tat unterschiedlich  ist.

Lange Zeit ist zwischen „systolischer“ und „diastolischer“ Herzinsuffizienz unterschieden worden. Mittlerweile spricht man lieber von der Herzinsuffizienz mit reduzierter Auswurffraktion (Heart Failure with reduced Ejection Fraction oder HFrEF) und der Herzinsuffizienz mit erhaltener Auswurffraktion (Heart Failure with preserved Ejection Fraction oder HFpEF).  In den europäischen ESC-Leitlinien ist 2016 noch eine „Mittelklasse“ (Heart Failure with mid-range Ejection Fraction oder HFmrEF) hinzugekommen, die durch eine Auswurffraktion im Bereich zwischen 40% und 49% charakterisiert ist.

Widersprüchliche Studienergebnisse

Seit langem wird darüber debattiert, ob der jeweilige Subtyp der Herzschwäche von Bedeutung für die Prognose ist. Oft war zu hören, dass die Prognose bei HFpEF ähnlich schlecht sei wie bei HFrEF.  Einige epidemiologische Studien stützten n diese Einschätzung, während andere eher für eine niedrigere Mortalität im Fall einer HFpEF  sprachen. Eine 2012 publizierte  Metaanalyse (MAGGIC, Meta-analysis Global Group in Chronic Heart Failure) schien denjenigen, die eine HFpEF mit einem niedrigeren  Sterberisiko assoziiert sehen, Recht zu geben.

Endgültig geklärt war die Frage damit aber nicht. Eine Forschergruppe um Dr. Robert  N. Doughty von der University of Auckland in Neuseeland hat deshalb zur weiteren Klärung eine eigene Studie initiiert. Ihre Analyse stützt sich auf Daten aus zwei prospektiven multizentrischen Longitudinaltudien aus Neuseeland und Singapur, an denen insgesamt 2.039 Erwachsene mit manifester Herzinsuffizienz beteiligt waren. Als Subtyp war bei 28% eine HFpEF, bei 13% eine HFmrEF und bei 59% eine HFrEF echokardiografisch diagnostiziert worden.

Mortalität bei HFpEF  signifikant niedriger

Wie schon in früheren Studien zeigte sich einmal mehr, dass sich die klinischen Charakteristika der Patienten in Abhängigkeit vom Herzinsuffizienz-Subtyp unterscheiden. So waren Patienten mit HFpEF im Vergleich zu jenen mit HFrEF im Schnitt älter (72 vs. 62 Jahre); der Anteil der Frauen war bei ihnen höher (48% vs. 17%), zudem wiesen sie in ihrer Vorgeschichte häufiger eine Hypertonie auf (78% vs. 61%). Dagegen war eine ischämische Herzerkrankung als Ätiologie bei Patienten mit HFpEF im Vergleich zu jenen mit HFrEF seltener (41% vs. 55%).

De Dauer der Nachbeobachtung betrug zwei Jahre. In diesem Zeitraum starben 343 Patienten (17%). Wie eine für möglich Störfaktoren wie Alter, Geschlecht, Ätiologie  und  klinische Risikofaktoren adjustierte Analyse ergab, hatten Patienten mit HFpEF ein signifikant um 38 Prozent niedrigeres Sterberisiko als Patienten mit HFrEF (Hazard Ratio 0,62; p=0,003). Ähnlich wie Patienten mit  HFpEF schnitten auch Patienten mit HFmrEF bei diesem Vergleich bezüglich der Mortalität deutlich besser ab (HR 0,55; p=0,006).

Als ein starker Prädiktor für das Sterberisiko erwies sich der Plasmaspiegel des natriuretischen Peptids NT-proBNP – und zwar unabhängig vom Herzinsuffizienz-Subtyp. Bei gleich hohem  NT-proBNP-Wert war somit auch das Sterberisiko bei  Patienten mit HFpEF, HFmrEF  und  HFrEF jeweils  gleich hoch.

Literatur

Zurzeit meistgelesene Artikel

Highlights

17.09.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Highlights | Video

Schlaganfall bei Katheterablation: Was ist zu tun? Ein Fallbeispiel

Schlaganfälle gehören zu den schlimmsten Komplikationen bei Katheterablationen. Anhand eines Fallbeispiels erläutert PD. Dr. Charlotte Eitel, wie man vorgehen sollte, von der Diagnostik, dem Notfallmanagement bis zur Wiederaufnahme der Antikoagulation.

10.09.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Expertenvorträge | Video

S3-Leitlinie infarktbedingter kardiogener Schock: Die beste Revaskularisations-Strategie

Mehrgefäß- oder Einfach-PCI beim infarktbedingten kardiogenen Schock, welcher Stent und welcher Zugangsweg sind optimal? Prof. Malte Kelm erläutert, was dazu in der S3-Leitlinie steht. 

Aus der Kardiothek

17.09.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Highlights | Video

Schlaganfall bei Katheterablation: Was ist zu tun? Ein Fallbeispiel

Schlaganfälle gehören zu den schlimmsten Komplikationen bei Katheterablationen. Anhand eines Fallbeispiels erläutert PD. Dr. Charlotte Eitel, wie man vorgehen sollte, von der Diagnostik, dem Notfallmanagement bis zur Wiederaufnahme der Antikoagulation.

14.09.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Expertenvorträge | Video

Komplikation Perikardtamponade – was ist zu tun?

Eine typische Komplikation von Katheterablationen  sind Perikardtamponanden. Wie Sie diese erkennen und behandeln, erklärt PD. Dr. Andreas Metzner

13.09.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Expertenvorträge | Video

Notfall kardiogener Schock – Komplikationen erkennen und richtig behandeln

Mechanische Infarktkomplikationen sind oft tödlich. Prof. Uwe Janssens erläutert, welche Maßnahmen Sie in solch schwierigen Situationen ergreifen sollten, alles zum Komplikationsmanagement und Intensivmedizin.

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Komplizierte Mehrgefäß-KHK bei einem jungen Patienten

Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018

Mehrere komplexe Stenosen bei einem 46-jährigen Patienten erfordern ein strategisch sinnvolles Vorgehen. Wofür sich das Team um PD Dr. Hans-Jörg Hippe vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Klinik entschieden hat, erfahren Sie in diesem Livecase. 

Interventioneller Verschluss eines Atriumseptumdefekts

Vortrag Prof. Dr. Horst Sievert Jahrestagung DGK 2018

Bei einem 56-jährigen Patienten wird zufällig ein Atriumseptumdefekt festgestellt.  Prof. Horst Sievert und sein Team vom St. Katharinen-Krankenhaus in Frankfurt entscheiden sich für einen interventionellen Verschluss. Sie finden dabei ein weiteres Loch. Was ist zu tun? Für welches Device sich das Team entscheidet und wie sie genau vorgehen, erfahren Sie in diesem Video. 

Bildnachweise