Nachrichten 24.04.2017

Herzinsuffizienz: Kein Kostenvorteil durch Telemonitoring

Ein TV-basiertes Telemonitoring-System konnte in der randomisierten CardioBBEAT-Studie gesundheitsökonomisch nicht überzeugen. Dafür war die Lebensqualität der überwachten Patienten deutlich besser.

Die CardioBBEAT-Studie war eine vom Bundesforschungsministerium geförderte, randomisierte Multicenterstudie zum Herzinsuffizienz-Telemonitoring, die von 2010 bis 2013 lief. Prof. Dr. Heinz Völler, Rehabilitationswissenschaftler an der Universität Potsdam, stellte die Ergebnisse bei der DGK-Tagung in Mannheim vor. Insgesamt 621 Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz nahmen teil, rund ein Drittel davon in den NYHA-Stadien III oder IV.

Ökonomische Auswertung auf Basis realer Krankenkassendaten

Die Studie hatte zwei Besonderheiten. Zum einen kam das MOTIVA-System zum Einsatz, ein Telemonitoring-System von Philips und der Deutschen Telekom, das mit dem Wohnzimmer-Fernseher als technischer Schnittstelle arbeitet. Bei diesem System werden nicht nur Vitaldaten – Blutdruck, Herzfrequenz, Körpergewicht – übertragen. Es wird über den Fernseher auch Coaching-Material eingespielt, das auf eine Optimierung des Lebensstils der Herzinsuffizienzpatienten zielt.

Die zweite Besonderheit war, dass sowohl klinische als auch gesundheitsökonomische Endpunkte untersucht wurden, und zwar nicht auf Basis hochgerechneter DRGs, sondern auf Basis realer Kostendaten der beteiligten Krankenkassen.

Primärer Endpunkt war die inkrementelle Kosten-Effektivitäts-Ratio (ICER), ein häufig genutzter gesundheitsökonomischer Endpunkt, der etwas darüber aussagt, wie viel mehr oder weniger den jeweiligen Kostenträger ein Tag außerhalb des Krankenhauses kostet. 38 von 55 beteiligten Krankenkassen haben entsprechende Kostendaten geliefert, sodass sich diese Auswertung auf 492 der 621 Patienten bezieht. Sekundär wurden bei allen Patienten unter anderem Lebensqualität und Gesamtüberleben untersucht.

Lebensqualität ist deutlich besser

Das Ergebnis ist durchwachsen. Hinsichtlich des gesundheitsökonomischen Endpunkts sei das Ergebnis neutral, sagte Völler in Mannheim. Der ICER betrug bei einem allerdings sehr breiten Konfidenzintervall – 171,30 Euro. „Wenn man so will, kostet ein Tag mit Home-Monitoring in Freiheit also rund 170 Euro mehr“, so Völler. Die Kosten für die Technik sind dabei noch nicht berücksichtigt, denn die wurden in der Studie von den Unternehmen übernommen.

Der Unterschied sei vor allem dadurch zustande gekommen, dass die Patienten in der Home-Monitoring-Gruppe in dem einen Jahr der Studie im Mittel fünf Tage länger stationär behandelt wurden.

Das geht konträr zu anderen Telemonitoring-Studien, in denen die Zahl der Krankenhaustage zumindest teilweise reduziert werden konnte. Ein besseres Ergebnis könne wahrscheinlich mit klarer definierten Algorithmen für das Management der Patienten erreicht werden, sagte Völler.

Medizinisch war die Fernbetreuung zumindest ein Teilerfolg: Zwar unterschied sich die Sterblichkeit in den Gruppen nicht. Die Lebensqualität war in der Gruppe mit Fernüberwachung aber signifikant besser. Dies habe für praktisch alle erhobenen Parameter der Lebensqualität gegolten, betonte Völler. 

Literatur

Völler H et al. Remote Telemonitoring in Chronic Heart Failure does not Reduce Healthcare Cost but Improves Quality of Life – Endpoints of the CardioBBEAT Trial; Sitzung: Epidemiologie und Telemedizin. 83. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), 19. bis 22. April 2017, Mannheim

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