Nachrichten 22.01.2018

Herzinsuffizienz-Subtypen: Noch fehlen starke Biomarker für eine spezifische Risikoabschätzung

Herzinsuffizienz kann mit einer normalen oder erniedrigten linksventrikulären Auswurffraktion einhergehen. Es wäre hilfreich, wenn sich anhand von  Biomarkern das Risiko für die künftige Entwicklung des einen oder anderen Subtyps der Herzschwäche besser abschätzen ließe. Doch das scheint in der Praxis nicht so einfach zu sein.

Bei Herzinsuffizienz wird zwischen Herzinsuffizienz mit reduzierter Auswurffraktion (Heart Failure with reduced Ejection Fraction, kurz: HFrEF) und Herzinsuffizienz mit erhaltener Auswurffraktion (Heart Failure with preserved Ejection Fraction, HFrEF) differenziert. Beide Subtypen unterscheiden sich unter anderem in ihrer Pathogenese.

Methoden, mit deren Hilfe sich das Risiko für die künftige Entwicklung beider Formen der Herzinsuffizienz differenziert bestimmen ließe, könnten dabei helfen, frühzeitig vorbeugend intervenieren zu können. Hilfreich dafür  könnte etwa die Bestimmung  von Biomarkern sein, die mit der künftigen Entwicklung von HFrEF und HFpEF in spezifischer Form assoziiert sind. Gibt es solche Biomarker?

Daten aus vier Kohortenstudien herangezogen 

Dieser Frage ist ein internationales Forscherteam um Dr. Jennifer E. Ho vom Cardiovascular Research Center des Massachusetts General Hospital  in Boston nun in einer Studie nachgegangen. Dazu hat die Gruppe Datensätze der vier epidemiologischen Kohortenstudien Cardiovascular Health Study, Framingham Heart Study, Multi-Ethnic Study of Atherosclerosis (MESA) und Prevention of Renal and Vascular End-stage Disease Study (PREVEND) zusammengetragen und analysiert. 

An diesen Studien waren insgesamt 22.756 Personen beteiligt, die über einen Zeitraum von im Schnitt 12 Jahren nachbeobachtet worden waren. In dieser Zeit war bei  633 Teilnehmern eine neu aufgetretene Herzinsuffizienz des  HFpEF-Subtyps und bei 841 Teilnehmern eine Herzinsuffizienz des HFrEF-Subtyps festgestellt worden. 

Für insgesamt 12 Biomarker analysierten die Untersucher dann die Assoziation mit der Inzidenz der beiden unterschiedlichen Herzinsuffizienz-Formen. Zu den gewählten Biomarkern zählten neben den  natriuretischen Peptiden NT-pro-BNP und BNP auch die hochsensitiven Troponine T und I, Entzündungsparameter wie  CRP und Interleukin-6 sowie renale Parameter wie das Albumin-Kreatinin-Verhältnis im Urin (UACR)  und Cystatin C. 

Zwei Biomarker mit HFpEF assoziiert 

In Modellen, in denen für klinische Risikofaktoren wie Alter, Geschlecht, Blutdruck, BMI, Diabetes und Rauchen adjustiert wurde, kristallisierten sich zwei Biomarker heraus, die signifikant mit der Inzidenz einer Herzinsuffizienz des HFpEF-Subtyps assoziiert waren, nämlich das Albumin-Kreatinin-Verhältnis im Urin (UACR) als renaler Parameter (Hazard Ratio 1,33;  p < 0,001)  und die natriuretischen Peptide (HR, 1,27; p < 0,001).  Als nur „angedeutet“ (suggestive) bewerten die Studienautoren die Assoziation der Biomarker hochsensitives Tropopin, PAI (Plasminogen-Aktivator-Inhibitor) und Fibrinogen mit der HFpEF-Inzidenz. 

Allerdings stellte sich heraus, dass die beiden signifikant mit der HFpEF-Inzidenz assoziierten Biomarker – nämlich UACR und natriuretische Peptide – zugleich auch zu den Biomarkern gehörten, für die eine signifikante Assoziation mit der HFrEF-Inzidenz bestand. Das mindert natürlich ihres spezifische Aussagekraft für die Prädiktion einer künftigen Herzinsuffizienz mit erhaltener Auswurffraktion. 

Stärkerer Bezug von Biomarkern zur HFrEF-Inzidenz 

Im Fall der klassischen kardiovaskulären Biomarker war die  Assoziation mit der HFrEF-Inzidenz deutlich stärker ausgeprägt als die mit der HFpEF-Inzidenz. Für sechs Biomarker wurde ein signifikanter Zusammenhang mit dem Auftreten einer Herzinsuffizienz mit reduzierter Auswurffraktion nachgewiesen: Außer für natriuretische Peptide UACR (HR 1,54; p < 0,.001) und  UACR (HR 1,21; p < 0,001) auch für  hochsensitive Troponine (HR 1,37;  p < 0,001), Cystatin C (HR, 1,19; p < 0,001) und , D-dimer (HR 1,22; p < 0,001) und CRP (HR, 1,19; p < 0,001). 

Dass natriuretischen Peptide und hochsensitive Troponine zur künftigen HFrEF-Entwickung einen stärkeren Bezug als zur HFpEF-Inzidenz aufweisen, könnten nach Ansicht der Studienautoren auf unterschiedliche Entstehungsmechanismen hindeuten. Demnach scheint etwa der in den Troponinen sich widerspiegelnde Untergang von Myozyten bei HFrEF von größerer Bedeutung zu sein als bei HFpEF. 

Das Fazit der Studienautoren: Weitere Studien sind nötig, um neue Biomarker ausfindig zu machen, die künftig eine bessere Abschätzung des Risikos speziell für die zu erwartende Entwicklung einer Herzinsuffizienz mit erhaltener Auswurffraktion ermöglichen. 

Literatur

de Boer R. A. et al.: Association of Cardiovascular Biomarkers With Incident Heart Failure With Preserved and Reduced Ejection Fraction. JAMA Cardiology 2018, doi:10.1001/jamacardio.2017.4987

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