Skip to main content
main-content

27.06.2017 | Herzinsuffizienz | Nachrichten

EVITA-Studie

Herzinsuffizienz: Vitamin-D-Supplementierung ohne Wirkung auf die Mortalität

Autor:
Peter Overbeck

Relativ niedrige Vitamin-D-Spiegel sind bei Herzinsuffizienz  ein Indikator für ein erhöhtes Sterberisiko.  Vitamin-D-Supplementierung kann die Vitamin-D-Konzentration im Blut  zwar erhöhen – eine Reduktion der Mortalität resultiert daraus aber nicht, wie aus der deutschen EVITA-Studie hervorgeht.

Bei Patienten mit Herzinsuffizienz sind 25-Hydroxyvitamin-D-Plasmaspiegel im Bereich < 75 nmol/l keine Seltenheit. Vitamin-D-Spiegel unterhalb dieser Schwelle  waren in Studien mit einer erhöhten Mortalität assoziiert. Dies könnte bedeuten, dass sich -  eine kausale Beziehung vorausgesetzt - durch Vitamin-D-Supplementierung das Sterberisiko  bei Herzinsuffizienz senken lässt.

Um dies zu testen, hat eine Arbeitsgruppe um Professor Armin Zittermann, Leiter der Studienzentrale der Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie am Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen in Bad Oeynhausen, schon vor Jahren die randomisierte placebokontrollierte EVITA-Studie (Effect of Vitamin D on All-cause Mortality) initiiert.

Studie war kleiner als geplant

Aufgrund von Problemen bei der Rekrutierung konnten allerdings nur 400 statt der geplanten knapp 1000 Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz und 25-Hydroxyvitamin-D-Plasmaspiegel < 75 nmol/l in die Studie aufgenommen werden – was natürlich die statistische Teststärke (power) der Studie geschmälert hat. Die Teilnehmer sind randomisiert zwei Gruppen zugeteilt worden, die im Schnitt drei Jahre lang zur Supplementierung entweder ein Vitamin-D-Präparat (4000 IU Vitamin D3 pro Tag) oder Placebo erhielten.

Die gute Nachricht: Während die   25-Hydroxyvitamin-D-Plasmaspiegel unter Placebo mit im Schnitt 40 nmol/l unverändert niedrig blieben,  war in der Gruppe mit Supplementierung ein dauerhafter Anstieg auf einen Wert von rund 100 nmol/l zu verzeichnen. Die schlechte Nachricht: Dieser Unterschied blieb ohne jede Auswirkung auf die Mortalität. Die Mortalitätsraten waren am Ende mit 19,6% (Supplementierung) und 17,9% (Placebo) nicht signifikant unterschiedlich.

Hat Supplementierung sogar ungünstige Effekte?

Dagegen war Anteil an Patienten, bei denen eine Device-Implantation zur mechanischen Kreislaufunterstützung als erforderlich erachtet wurde, in der Gruppe mit Vitamin-D-Gabe signifikant größer als in der Placebo-Gruppe (15,4% vs. 9,0%; p = 0,031).  Zittermann und seine Kollegen sehen darin einen Hinweis auf mögliche ungünstige klinische Effekte der Supplementierung von Vitamin D in der gewählten Dosierung und raten zur Vorsicht bei einer längerfristigen Vitamin-D-Behandlung.

In einem Begleitkommentar bezweifeln allerdings niederländische Kardiologen um Dr. Dirk J. van Veldhuizen aus Groningen die klinische Relevanz dieses Ergebnissen. Nach ihrer Einschätzung erlauben die relativ  niedrige Zahl von Device-Implantationen und die eingeschränkte  statistische „power“ der Studie diesbezüglich noch keine definitiven Schlussfolgerungen. 

Literatur

Zurzeit meistgelesene Artikel

 

Highlights

Düsseldorfer Herz- und Gefäßtagung 2019

Expertenvorträge für Sie zusammengestellt: Auf der diesjährigen Düsseldorfer Herz- und Gefäßtagung haben renommierte Experten die neuesten Leitlinien, Studien und medizintechnischen Entwicklungen vorgestellt und die Kernaussagen kompakt für den Alltag in Klinik und Praxis zusammengefasst.

Expertenrückblick auf den ACC-Kongress – das Wichtigste im Überblick

Kann man ASS als Plättchenhemmer in Zukunft komplett weglassen? Muss jedem Patienten ab sofort eine TAVI angeboten werden? Und wo stehen wir in der kardialen Prävention? Eine Expertenrunde hat in Leipzig die neuesten Studien und viel diskutierte Themen des diesjährigen ACC-Kongresses kommentiert. Schauen Sie rein und bleiben Sie auf dem neuesten Stand.

Aus der Kardiothek

16.04.2019 | Quiz | Onlineartikel

Patientin mit Fieber und Tachykardie – die Ursache verrät das Röntgenbild

Röntgenaufnahme des Thorax im Stehen bei einem 43 jährigen Patienten mit Fieber und Tachykardie. Was ist zu sehen?

Düsseldorfer Herz- und Gefäßtagung 2019

Expertenvorträge für Sie zusammengestellt: Auf der diesjährigen Düsseldorfer Herz- und Gefäßtagung haben renommierte Experten die neuesten Leitlinien, Studien und medizintechnischen Entwicklungen vorgestellt und die Kernaussagen kompakt für den Alltag in Klinik und Praxis zusammengefasst.

Expertenrückblick auf den ACC-Kongress – das Wichtigste im Überblick

Kann man ASS als Plättchenhemmer in Zukunft komplett weglassen? Muss jedem Patienten ab sofort eine TAVI angeboten werden? Und wo stehen wir in der kardialen Prävention? Eine Expertenrunde hat in Leipzig die neuesten Studien und viel diskutierte Themen des diesjährigen ACC-Kongresses kommentiert. Schauen Sie rein und bleiben Sie auf dem neuesten Stand.

Kontroverser Fall: So kann man wiederkehrendes Vorhofflimmern auch behandeln

DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt

Ein Patient leidet an wiederkehrendem Vorhofflimmern. Das Team um Prof. Boris Schmidt entscheidet sich für eine ungewöhnliche Strategie: die Implantation eines endokardialen Watchmann-Okkluders, um den linken Vorhof zu isolieren. Das genaue Prozedere sehen Sie hier. 

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Komplizierte Mehrgefäß-KHK bei einem jungen Patienten

Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018

Mehrere komplexe Stenosen bei einem 46-jährigen Patienten erfordern ein strategisch sinnvolles Vorgehen. Wofür sich das Team um PD Dr. Hans-Jörg Hippe vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Klinik entschieden hat, erfahren Sie in diesem Livecase. 

Bildnachweise