Nachrichten 31.07.2019

Herzinsuffizienz vom HFpEF-Typ: Auch ARNI-Therapie enttäuscht in großer Studie

Der Versuch, endlich eine evidenzbasierte Therapie bei Herzinsuffizienz mit erhaltener kardialer Pumpfunktion zu etablieren, ist erneut gescheitert. Auch eine ARNI-Therapie mit Sacubitril/Valsartan konnte die Erwartungen in einer großen Studie nicht erfüllen

Bei Patienten mit klinischen Zeichen einer Herzinsuffizienz  und – gemessen an der Auswurffraktion - noch relativ gut erhaltener kardialer Pumpfunktion liegt der Verdacht auf eine sogenannte HFpEF (Heart Failure with preserved Ejection Fraction,  synonym: diastolische Herzinsuffizienz) nahe. Anders als bei Herzinsuffizienz mit reduzierter systolischer Funktion (HFrEF, Heart Failure with reduced  Ejection Fraction) gibt es bei HFpEF derzeit keine Therapieoptionen, mit denen der Krankheitsverlauf entscheidend beeinflusst werden kann.

An Versuchen, daran etwas zu ändern, hat es nicht gefehlt. Doch eine Studie nach anderen, in denen diverse, zunächst vielversprechend erscheinende Wirkstoffe ihre klinische  Wirksamkeit bei  HFpEF unter Beweis stellen sollten, endete mit einer Enttäuschung.

Umso größere Erwartungen richteten sich nun auf die Behandlung mit Sacubitril/Valsartan. Die als Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Inhibitor (ARNI) firmierende Wirkstoffkombination – besser bekannt unter dem Warenzeichen Entresto -  hat sich bei Patienten mit systolischer Herzinsuffizienz (HFrEF) als sehr wirksame Therapie erweisen. Dass sich damit bei dieser Indikation kardiovaskuläre Mortalität und Klinikeinweisungen im Vergleich zum ACE-Hemmer Enalapril deutlich stärker reduzieren lassen, ist bekanntlich in der PARADIGM-HF-Studie unter Beweis gestellt worden.

Statistische Signifikanz „knapp verfehlt“

Die Hoffnung war, dass sich diese prognostisch günstige Wirkung In der PARAGON-HF-Studie bei Patienten mit HFpEF reproduzieren lassen und damit erstmals eine evidenzbasierte Therapie bei dieser Indikation verfügbar sein würde. Danach sieht es aber nicht aus.

Leider sei die statistische Signifikanz für den primären Studienendpunkt „knapp verfehlt“ worden, so das in einer aktuellen Pressemitteilung des Studiensponsors Novartis ohne Nennung von Zahlen verkündete „Top-Line“-Ergebnis der Studie. Will heißen: Das Ziel, eine substanzielle Reduktion von kardiovaskulärer Sterblichkeit und Klinikeinweisungen infolge Herzinsuffizienz (primärer kombinierter Endpunkt) durch Sacubitril/Valsartan im Vergleich zur alleinigen RAS-Hemmung mit Valsartan nachzuweisen, ist verfehlt worden.

Allerdings enthält die PARAGON-HF-Pressemitteilung auch eine positiv klingende Andeutung: Die „Gesamtheit der Evidenz“ dieser Studie lege nahe, dass Sacubitril/Valsartan klinisch bedeutsame Vorteile (clinical important benefits) bei HFpEF haben könnte. Was das bedeutet, bleibt abzuwarten.

Komplette Ergebnisse beim ESC-Kongress im September

Die vollständigen PARAGON-HF-Ergebnisse sollen am 1. September 2019 in einer „Hot Line“-Sitzung beim diesjährigen Kongress der europäischen Kardiologen-Gesellschaft ESC in Paris vorgestellt werden.

PARAGON-HF ist eine randomisierte Doppelblind-Studie, an der 4.822 Patienten mit symptomatischer HFpEF (linksventrikuläre Auswurffraktion ≥45%, NYHA-Klasse II-IV) beteiligt waren. Sie sind entweder mit Sacubitril/Valsartan  oder nur mit Valsartan behandelt worden. Der Randomisierung vorgeschaltet war eine Run-in-Phase zur Prüfung der Verträglichkeit der Studienmedikation.

Literatur

Pressemitteilung des Unternehmens Novartis vom 29. Juli 2019: Novartis provides update on Phase III PARAGON-HF trial in heart failure patients with preserved ejection fraction (HFpEF).

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Kardiale Computertomographie/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen