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26.07.2016 | Herzinsuffizienz | Nachrichten

Norwegische Studie

Höheres Herzinsuffizienzrisiko für weniger gebildete Infarktpatienten

Autor:
Dr. Ulrike Fortmüller

Infarktpatienten mit einem niedrigeren Bildungsniveau scheinen eher eine Herzinsuffizienz zu entwickeln als die besser gebildeten. Doch liegt das wirklich am Bildungsstatus? 

Eine retrospektive norwegische Observationsstudie fand bei über 70.000 Infarktpatienten einen Zusammenhang zwischen dem Risiko für eine nachfolgende Herzinsuffizienz und dem Bildungsstatus der Betroffenen.
Die Studie differenzierte zwischen „early-onset“ Herzinsuffizienzen (HI), die während des Krankenhausaufenthaltes auftraten und „late-onset“ HI, die nach der Entlassung im Follow-up-Zeitraum von im Schnitt 3,4 Jahre erfasst wurden. In beiden Fällen war das Bildungsniveau der Patienten umgekehrt korreliert mit dem Herzinsuffizienzrisiko: Von den 70.506 Patienten, die mit einem akutem Myokardinfarkt ins Krankenhaus kamen, alle ohne HI-Vorgeschichte, erhielten 17,7% die frühe HI-Diagnose. Bei 11,8% der 54.095 Patienten, die das Krankenhaus ohne HI und lebend verließen, wurde erst später eine HI festgestellt.

Das Risiko für frühe Herzinsuffizienzen war bei Patienten, die einen akuten Infarkt erlitten hatten, mit sekundärer und tertiärer Bildung um 9 bzw. 20% niedriger, als bei denjenigen, die einen primären Bildungstand hatten; bei den späteren Herzinsuffizienzen war das Risiko mit Sekundär- und Tertiärbildung sogar um 14 und 27% geringer. Zwischen Männern und Frauen zeigten sich diesbezüglich keine Unterschiede.

Definition des Bildungsstatus

Definiert waren die unterschiedlichen Bildungslevels als Teilnahme an der zehnjährigen Pflichtschulzeit (primär), anschließender Besuch der Oberstufe (High School) oder einer Berufsoberschule (sekundär) und College- oder Universitätsabschluss (tertiär). Die Daten stammten aus dem „Norwegian National Education Register“. Die Studienpopulation rekrutierten sich aus dem „Cardiovascular Disease in Norway“ -Projekt (CVDNOR), ein Register, das seit 1994 die Daten aller Patienten erfasst, die mit einer kardiovaskulären Diagnose in ein Krankenhaus eingewiesen wurden.

Zahlreiche Einflussfaktoren

Die Studienautoren räumen ein, dass die Entwicklung einer HI nach einem akuten Infarkt ein multifaktorielles Geschehen ist. Bei frühen, zeitnah zum Infarkt entstehenden Herzinsuffizienzen spielen Alter, individuelle Risikofaktoren und Komorbiditäten sowie das Ausmaß des Infarkts, frühe ischämische Komplikationen und die Zeit bis zu einer Revaskularisierungsmaßnahme eine wichtige Rolle. Bei später auftretenden HI beeinflussen zudem der Myozytenverlust und ein ungünstiges ventrikuläres Remodeling das Herzsiuffizenzrisiko negativ.


Die unterschiedlichen Bildungshintergründe spiegeln also keinen direkten Einflussfaktor wider, sondern sind vielmehr ein Surrogatparameter für viele verschiedene Ursachen. Patienten mit niedrigerem Bildungsstand können Symptome oft nicht richtig interpretieren, warten länger, bis sie einen Arzt aufsuchen und kommen später zum Spezialisten. Auch ungesunder Lebensstil und mehr Komorbiditäten wie Diabetes erhöhen bei diesen Patienten das Risiko. Darüber hinaus kann mangelnde Compliance bei Medikation und Sekundärprävention das Herzinsuffizienzrisiko der weniger gebildeten AMI-Patienten weiter erhöhen. Das sind die möglichen Erklärungen für diese Studienergebnisse.

Mehr und rechtzeitige Aufklärung

Allerdings liefert die Studie hierzu keine validen Daten, die elektronischen Patientenakten enthielten keine Informationen zu Lifestyle-Faktoren wie Rauchen, Übergewicht, sportliche Aktivität und Alkoholkonsum oder eine Klassifizierung des Infarkt-Schweregrads. Auch zur Medikation nach Klinikentlassung gab es keine Angaben.

Wünschenswert sei es, mit einer guten Aufklärung über Symptome und Risikofaktoren kardiovaskulärer Erkrankungen sowie einer besseren Implementierung der Primär- und Sekundärprävention auch bildungsfernere Bevölkerungsgruppen zu erreichen, um das erhöhte Herzinsuffizienz- und Mortalitätsrisiko dieser Patientenklientel zu senken, so das Fazit der Autoren.

Literatur

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