Nachrichten 19.07.2019

Kardiovaskuläre Risikofaktoren in der Jugend bleiben nicht ohne Folgen

Bluthochdruck oder ein erhöhter Cholesterinspiegel bei jungen Erwachsenen waren in einer aktuellen Studie mit einer Herzerkrankung im späteren Leben assoziiert. Die Autoren betonen die Notwendigkeit, sich rechtzeitig um die kardiovaskuläre Gesundheit zu kümmern.

Erwachsene unter 40 Jahren, deren Blutdruck oder LDL-Cholesterinspiegel erhöht sind, haben ein größeres Risiko im späteren Leben Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu bekommen. Darauf weist eine Analyse gepoolter Daten aus sechs großen Kohortenstudien hin, die auch ein späteres Auftreten von Risikofaktoren berücksichtigen.

Etwa war ein LDL-Cholesterinspiegel von 100mg/dl oder mehr in jungen Jahren mit einem signifikanten Anstieg des Risikos für Koronare Herzerkrankung (KHK) assoziiert. Zudem war ein erhöhter Blutdruck bei jungen Erwachsenen mit einem höheren Langzeitrisiko für Herzinsuffizienz assoziiert. Eine entscheidende Erkenntnis der Autoren war, dass diese Zusammenhänge unabhängig von Risikofaktoren im späteren Leben bestanden.

Denn in anderen Studien, die Risikofaktoren im jungen Alter mit Herzerkrankungen im späteren Leben in Verbindung brachten, wurde nach Ansicht der Autoren nicht klar zwischen frühem und spätem Vorliegen von Risikofaktoren unterschieden. Die Ergebnisse der aktuellen Untersuchung könnten sich auf den Zeitpunkt der Primärprävention auswirken, die normalerweise eher im späteren Erwachsenenalter stattfindet.

Studie mit mehr als 36.000 Teilnehmern

Die Forscher um Dr. Andrew Moran von der Columbia University in New York erfassten für ihre Studie den Blutdruck und den LDL-Cholesterinspiegel von mehr als 36.000 Personen, die an sechs großen, prospektiven US-Kohortenstudien teilgenommen hatten. Dabei wurde deren Exposition gegenüber Risikofaktoren im Laufe des Lebens erfasst. Die durchschnittliche Nachbeobachtungszeit aller Kohorten betrug 17 Jahre.

Die Forscher verwendeten einen LDL-Cholesterinspiegel von 100 mg/dl als Bezugspunkt. War er bei jungen Menschen leicht erhöht (100 bis 129 mg/dl) hatten diese ein um 62% größeres Risiko im späteren Leben eine Koronare Herzerkrankung (KHK) zu entwickeln. Bei Werten zwischen 130 und 159 mg/dl stieg das Risiko um 89%, und bei Werten über 160 mg/dl sogar um 103%.

Ein erhöhter systolischer Blutdruck in jungen Jahren war mit einem erhöhten relativen Risiko für Herzinsuffizienz im späteren Leben assoziiert. Die Forscher nutzten einen systolischen Blutdruck von 120 mmHg als Referenzwert. Bei jungen Erwachsenen, die einen systolischen Blutdruck von 130 mmHg oder mehr hatten, stieg das Risiko, später an Herzinsuffizienz zu erkranken, um 37%. Ein diastolischer Blutdruck von ≥ 80 mmHg im jungen Alter war mit einem um 21% höheren Risiko für Herzinsuffizienz assoziiert im Vergleich zu Werten unter 80 mmHg.

Junge Erwachsene mit hohem Blutdruck hatten kein erhöhtes Schlaganfallrisiko

Interessanterweise war das Vorliegen von Risikofaktoren wie ein erhöhter Blutdruck im späteren Erwachsenenalter mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko assoziiert, im jüngeren Alter war das dagegen nicht der Fall.

Die Prävention bei jungen Erwachsenen voranzutreiben, könne allerdings eine Herausforderung für Ärzte sein, da diese Patienten ihr kardiovaskuläres Risiko oft für gering halten oder für etwas, worum man sich später im Leben kümmern könne, so Studienautor Moran. Den Vorsatz, später gesünder zu leben, werde dann jedoch oft nicht umgesetzt. Die Studie zeige, dass eine späte Änderung des Lebensstils die ungesunden Entscheidungen von früher nicht rückgängig machen könne und es daher wichtig sei, rechtzeitig gegenzusteuern.

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Bildnachweise
DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt
Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018/© DGK 2018
Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018/© DGK