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08.07.2019 | Herzinsuffizienz | Nachrichten

Kardiale Amyloidose

Karpaltunnelsyndrom: Wenn das Handgelenk vor der Herzinsuffizienz warnt

Autor:
Philipp Grätzel

Patienten mit Karpaltunnelsyndrom haben ein erhöhtes Risiko für eine Herzinsuffizienz. Diesen aus kleineren Studien schon postulierten Zusammenhang bestätigen jetzt dänische Registerdaten.

Die Transthyretin-Amyloidose (ATTR) hat sich in den letzten Jahren als eine bisher nicht ausreichend gewürdigte Ursache von Herzinsuffizienz herauskristallisiert. Da derzeit mehrere Therapieansätze für die ATTR in der klinischen Entwicklung bzw. bereits zugelassen sind, die potenziell auch für Patienten mit kardialer Manifestationsform dieser Erkrankung in Frage kommen, stellt sich die Frage, wie sich diese Erkrankung früher als bisher diagnostizieren lässt.

Eine Patientengruppe, bei der es Sinn machen könnte, nach einer ATTR-Kardiomyopathie aktiv zu suchen, sind Patienten mit Karpaltunnelsyndrom. Wenn diese Patienten operiert werden, lässt sich in 10 bis 15 Prozent der Fälle TTR-Amyloid nachweisen. Das konnte mittlerweile in mehreren, kleineren Studien gezeigt werden. Im Rahmen einer nationalen Auswertung dänischer Versorgungsregister wurde jetzt analysiert, inwieweit es einen Zusammenhang zwischen Karpaltunnelsyndrom und der Häufigkeit von Herzinsuffizienz gibt.

Patienten mit Karpaltunnelsyndrom hatten um die Hälfte erhöhtes Risiko für Herzinsuffizienz

Für den Zeitraum 1996 bis 2012 fanden sich in den Registern Daten zu 56032 Patienten, die wegen eines Karpaltunnelsyndroms in Dänemark operiert wurden. Diese Patienten wurden nach Alter und Geschlecht gesunden Kontrollprobanden zugeordnet. Erwartungsgemäß war das Karpaltunnelsyndrom mit einem deutlich, nämlich zwölfmal höheren Risiko einer künftigen Amyloidosediagnose assoziiert. Die Diagnose wurde im Median drei Jahre nach der Operation gestellt, wobei die absolute Häufigkeit der Amyloidose mit 0,1 Prozent in der Gruppe mit Operation wegen Karpaltunnelsyndrom sehr gering war.

Die Dänen konnten zusätzlich zeigen, dass Patienten mit Karpaltunnelsyndrom ein etwa um die Hälfte erhöhtes Risiko aufwiesen, eine Herzinsuffizienz zu entwickeln, und die ist dann auch absolut deutlich häufiger. Nach zehn Jahren hatten in der Kontrollgruppe 3,2 Prozent der Patienten eine Herzinsuffizienz, in der Gruppe mit Operation wegen Karpaltunnelsyndrom waren es 5,3 Prozent. Auch hier vergingen im Median rund drei Jahre bis zur Diagnose. Statistisch war dieser Zusammenhang signifikant. (HR 1,54; 95%-KI 1,45-1,64)

Autoren raten Karpaltunnelsyndrom als Warnzeichen für Amyloidose ernst zu nehmen

In einem begleitenden Editorial betonen Van-Khue Ton und Kollegen von der Universität Maryland, dass das Karpaltunnelsyndrom als Warnzeichen für ein künftige Amyloidoise bzw. Amyloidose-assoziierte Kardiomyopathie ernst genommen werden sollte. Sie weisen allerdings auch darauf hin, dass es bisher keine unaufwändige Möglichkeit für eine frühe Diagnose gibt. Insbesondere Echokardiographie und Kardio-MRT seien wahrscheinlich nicht sensitiv genug, und der Goldstandard, die Diagnose per Endomyokardbiopsie, ist sehr invasiv. Derzeit sind verschiedene nuklearmedizinische Methoden für eine frühe Diagnose in klinischen Studien.

Literatur

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