Nachrichten 05.07.2017

Körperliche Bewegung auch bei Herzinsuffizienz mit erhaltener EF von Vorteil

Körperliche Bewegung reduziert kardiovaskuläre Ereignisse bei Gesunden, bei KHK-Patienten und bei Patienten mit systolischer Herzinsuffizienz. In der TOPCAT-Studie schienen davon auch Patienten mit Herzinsuffizienz und erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF) profitiert zu haben.

In der im Jahr 2014 publizierten TOPCAT-Studie hatte der Mineralokortikoidrezeptor-Antagonist Spironolacton bei insgesamt 3.445 Patienten mit HFpEF über einen Zeitraum von 3,3 Jahren keinen statistisch signifikanten Effekt auf den primären, kombinierten kardiovaskulären Endpunkt gehabt. In der TOPCAT-Studie wurden aber auch einige andere Daten erhoben, die weitere Analysen der noch immer nicht gut charakterisierten Gruppe der HFpEF-Patienten erlauben.

Mehr Bewegung, weniger Ereignisse

Die aktuell im Fachblatt „Circulation“ publizierte Auswertung basiert auf einer Subgruppe von 1.751 Patienten, die zu Studienbeginn einen Fragebogen zur körperlichen Aktivität ausgefüllt hatten. Aufgrund der Selbstangaben wurden inaktive, mäßig aktive und aktive Patienten voneinander abgegrenzt, und die sportliche Aktivität dann – nach Berücksichtigung von Störgrößen – in einer multivariaten Analyse mit dem primären Endpunkt (kardiovaskulärer Tod, Krankenhauseinweisung wegen Herzinsuffizienz oder überlebter Herzstillstand) korreliert.

Dabei zeigte sich, dass sowohl die aktiven als auch die mäßig aktiven Patienten über einen mittleren Follow-up-Zeitraum von zwei Jahren signifikant weniger Endpunkteereignisse aufwiesen, und zwar jeweils rund die Hälfte. Auch wenn Krankenhauseinweisungen wegen Herzinsuffizienz und kardiovaskuläre Mortalität getrennt analysiert wurden, gab es statistisch signifikante Vorteile für die aktiveren Gruppen. Und die aktivsten Patienten hatten auch einen Vorteil bei der Gesamtmortalität.

Nun sind solche Auswertungen natürlich immer etwas fehlerbehaftet. Trotz multivariater Analyse kann es sein, dass die „gesünderen“ Patienten bei derartigen Studiendesigns selektiert werden. Allerdings gab es bereits vor sechs Jahren eine kleine, prospektive deutsche Studie zum Effekt körperlicher Aktivität bei HFpEF-Patienten.

An der Ex-DHF-Pilotstudie nahmen 64 Patienten teil, die entweder zu Ausdauertraining oder zu Standardversorgung randomisiert wurden. Nach drei Monaten hatten die trainierten Patienten nicht nur eine bessere Lebensqualität und eine höhere Belastbarkeit. Es gab auch Hinweise darauf, dass auf Vorhofebene günstige Remodelling-Prozesse abliefen, und dass die linksventrikuläre diastolische Funktion sich verbesserte.

Literatur

Hegde S et al. Physical Activity and Prognosis in the Treatment of Preserved Cardiac Function Heart Failure with an Aldosterone Antagonist (TOPCAT) Trial. Circulation. 21. Juni 2017; doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.117.028002

Edelmann F et al. Exercise training improves exercise capacity and diastolic function in patients with heart failure with preserved ejection fraction: results of the Ex-DHF (Exercise training in Diastolic Heart Failure) pilot study. J Am Coll Cardiol. 2011; 58(17):1780-91

Zurzeit meistgelesene Artikel

Highlights

STEMI – mein Alptraum – aus Fehlern lernen

Prof. Dr. Christoph Liebetrau, UK Heidelberg

Erstes Antidot gegen Faktor-Xa-Hemmer jetzt in Deutschland verfügbar

Andexanet-alfa, das erste in der EU zugelassene Faktor-Xa-Inhibitor-Antidot zur Behandlung lebensbedrohlicher Blutungen bei Antikoagulation mit  Rivaroxaban oder Apixaban, ist seit dem 1. September verfügbar, teilt die Portola Deutschland GmbH mit

Neuartiger Lipidsenker besteht Test in erster Phase-III-Studie

Über positive „Top Line“-Ergebnisse  der ersten Phase-III-Studie zur Wirksamkeit und Sicherheit des innovativen Cholesterinsenkers Inclisiran  informiert aktuell der Hersteller. Im Detail wird die Studie in Kürze beim europäischen Kardiologenkongress vorgestellt.

Aus der Kardiothek

Auffälliges MRT bei 33-Jähriger – wie lautet Ihre Diagnose?

Ausgeprägtes „Late Gadolinium Enhancement“ (LGE) im MRT bei einer 33-jährigen Patientin, die mit ventrikulärer Tachykardie und eingeschränkter linksventrikulärer Ejektionsfraktion (LVEF) aufgenommen wurde. Wie lautet Ihre Diagnose?

Risikoadjustierter Vergleich zwischen transapikaler TAVI und chirurgischem Aortenklappenersatz

PD Dr. Peter Stachon, UK Freiburg – Sprecher
vs. 
Prof. Rüdiger Autschbach, UK Aachen – Diskutant

Live Cases

Kontroverser Fall: So kann man wiederkehrendes Vorhofflimmern auch behandeln

Ein Patient leidet an wiederkehrendem Vorhofflimmern. Das Team um Prof. Boris Schmidt entscheidet sich für eine ungewöhnliche Strategie: die Implantation eines endokardialen Watchmann-Okkluders, um den linken Vorhof zu isolieren. Das genaue Prozedere sehen Sie hier. 

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Komplizierte Mehrgefäß-KHK bei einem jungen Patienten

Mehrere komplexe Stenosen bei einem 46-jährigen Patienten erfordern ein strategisch sinnvolles Vorgehen. Wofür sich das Team um PD Dr. Hans-Jörg Hippe vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Klinik entschieden hat, erfahren Sie in diesem Livecase. 

Bildnachweise
Vortrag von Ch. Liebetrau/© DGK 2019
Vortrag von M. Kreußer/© DGK 2019
Late Gadolineum Enhancement im MRT/© S. Achenbach (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg)
Diskussion P. Stachon vs. R. Autschbach/© DGK 2019
Vortrag von T. Schmidt/© DGK 2019
DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt
Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018/© DGK 2018
Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018/© DGK