Onlineartikel 13.10.2016

Mit dem Parachute zum Aneurysma-Verschluss

Ein Vorwandaneurysma eines Herzinsuffizienz-Patienten soll mit einem neuen Verfahren – dem Parachute – „ausgeschalten“ werden, um dadurch das geschädigte Gewebe vom noch teilweise funktionsfähigen Myokard abzugrenzen. Dabei setzen die Ärzte im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf eine Art Schirmchen in der Herzspitze des Patienten ein. Was dabei zu beachten ist, erfahren Sie in den folgenden Videomitschnitten.


1.) Patient mit symptomatischer Herzinsuffizienz und Infarkt in der Vorgeschichte


Bei einem 74-jährigen Patienten, der in letzter Zeit zunehmend über Dyspnoe (NYHA-Stadium III) klagt, ist im CT ein ausgedehntes Vorderwandaneurysma im linken Ventrikel-Apex zu sehen. Der Patient leidet an einer ischämischen Kardiomyopathie (EF: 20–25%) mit apikaler Akinesie, hatte bereits zwei Herzinfarkte und eine Bypass-Operation sowie eine prophylaktische ICD/CRT-Implantation. Daraus errechnet sich ein logistischer EuroScore I von 35,6%. Das Team um den Kardiologen PD Dr. Ulrich Schäfer vom Uniklinikum Hamburg-Eppendorf und dem Chirurgen Prof. Hendrik Treede hat sich deshalb entschieden, bei diesem Patienten eine Parachute-Device zu implantieren. Mit diesem schirmartigen Implantat soll das Aneurysma im Bereich der Herzspitze vom restlichen Gewebe getrennt und dadurch die Pumpleistung des Herzens wieder verbessert werden.

2.) Echo zeigt Vorwandaneurysma in der Herzspitze



In der Echokardiografie ist ein großes Aneurysma im Apex zu erkennen, in den basalen Myokard-Abschnitten ist die Kontraktilität teilweise noch erhalten. Der Patient hat eine Mitralklappeninsuffizienz Grad I, die Aortenklappe ist nicht beeinträchtigt.
Die Koronarangiografie zeigt 15 Jahre nach der Bypass-OP eine gute Bypass-Versorgung der Arteria thoracica interna sowie der rechten Koronararterie. 

3.) Suche nach der perfekten Device-Position



Der Eingriff beginnt mit der Punktion der Leistenarterie, mit anschließender Einführung zweier Pigtail-Katheter. Es folgt die Device-Vorbereitung, wofür das zusammengefaltete Implantat in den Ladetrichter gezogen und mit der Einführhilfe verbunden wird. Das Device wird nun über einen Führungskatheter in die linke Herzkammer vorgebracht. Wichtig ist hier die optimale Positionierung des Implantats zu finden. Eine Orientierung gibt die Lage des Fußes des Parachutes in der Koronarangiografie und in der 3D-Echokardiografie. Nachdem die geeignete Position gefunden wurde, wird der Ballon befüllt und das Schirmchen in der Ventrikelwand verankert. Es folgt die Entleerung des Ballons, mit anschließender vorsichtiger Ablösung der Kappe des Einführsystems und Rückzug des Katheters.

4.) Ergebnis: Deutliche Verbesserung der Hämodynamik



In der hämodynamische Messung ergibt sich eine 80%iger Zugewinn des Herzzeitminutenvolumens (HZV) von anfangs 3,8 L/Minute auf nun 6,1 L/Minute, was eine deutliche Verbesserung der Hämodynamik darstellt.

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Bildnachweise
Digitaler ACC-Kongress 2020/© Sergey Nivens / stock.adobe.com
Coronavirus/© Naeblys / Getty images / iStock
International Stroke Conference 2020, Los Angeles/© Beboy / Fotolia
Transthorakale Echokardiografie/© Monique Tröbs (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg)
CT-Befund (mit Kontrastmittelgabe)/© S. Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (2)
Live-Case AGIK/© DGK 2019
DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt
Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018/© DGK 2018