Nachrichten 24.11.2020

Neue Herzinsuffizienz-Therapie: Entwickler Amgen steigt aus

Erst kürzlich wurden positive Phase-III-Daten zur Wirksamkeit von Omecamtiv Mecarbil bei Herzinsuffizienz veröffentlicht. Für den Projektpartner Amgen sind sie nicht positiv genug.

Der Biotechkonzern Amgen zieht sich aus der Entwicklung des kardialen Myosin-Aktivators Omecamtiv Mecarbil für die Therapie bei Herzinsuffizienz zurück. Wie das Unternehmen am 23. November 2020 mitteilte, seien die Kooperationspartner Cytokinetics und Servier bereits darüber informiert worden, dass Amgen seine Rechte abzugeben gedenke. Gemeinsam wolle man nun einen reibungslosen Übergang organisieren. Offiziell soll die Allianz Mitte Mai 2021 enden.

Omecamtiv Mecarbil befindet sich bereits in der späten klinischen Phase-III-Entwicklung. Erst kürzlich waren beim virtuellen Kongress der American Heart Association (AHA) Daten einer großen Patientenstudie (GALACTIC-HF) mit über 8000 Teilnehmern bekanntgegeben worden. Demnach war für den primären Endpunkt, eine Kombination von kardiovaskulären Todesfällen und Herzinsuffizienz-Ereignissen (Hospitalisierungen oder andere dringende Behandlungen wegen Herzinsuffizienz etwa in Notfallambulanzen), eine relative Risikoreduktion um 8% durch Omecamtiv Mecarbil gegenüber Placebo ermittelt worden.

Keine Reduktion der kardiovaskulären Mortalität erreicht

Hinsichtlich des sekundären Endpunkts kardiovaskuläre Mortalität ließen die Studiendaten jedoch keine Vorteile erkennen. Amgen sind diese Resultate unterm Strich offenbar nicht substanziell genug. Wörtlich heißt es in der Konzernmitteilung, GALACTIC-HF genüge der Messlatte nicht, die man an das Programm angelegt habe.

Omecamtiv Mecarbil stammt aus der Pipeline des in San Francisco ansässigen Arzneimittelentwicklers Cytokinetics. 2006 stieg Amgen in das Projekt ein, 2013 erwarb Servier von Amgen die europäischen Vertriebsrechte.

Cytokinetics will nun die nächsten Schritte angehen

Der kalifornische Originator Cytokinetics kündigte unterdessen an, jetzt zügig die nächsten Schritte für seinen Produktkandidaten angehen und Gespräche mit Zulassungsbehörden aufnehmen zu wollen. Außerdem sei geplant, Marktforschung bei Ärzten und Kostenträgern zu betreiben, um die Zulassungsstrategie zu schärfen.

Die US-Oberbehörde FDA hatte Omecamtiv Mercarbil Anfang Mai dieses Jahres ein beschleunigtes Begutachtungsverfahren („Fast Track designation“) zugestanden.

Literatur

Pressemitteilung des Unternehmens Amgen vom 23. November 2020: Amgen To Transition Development And Commercial Rights For Omecamtiv Mecarbil And AMG 594 To Cytokinetics.


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