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13.11.2017 | Herzinsuffizienz | Nachrichten

Herzinsuffizienz

Neuer Vorstoß für ein invasives Telemonitoring von EKG und Vorhofdruck

Autor:
Philipp Grätzel

Das invasive Monitoring von EKG und Vorhofdruck gilt als vielversprechender Ansatz für die Überwachung von Patienten mit Herzinsuffizienz. Ein neues Implantat könnte das künftig ermöglichen.

Studien zum Telemonitoring bei Herzinsuffizienz konnten bisher bekanntlich nicht durchweg überzeugen. Viele Studien endeten ohne Nachweis eines Zusatznutzens für die überwachten Patienten. Relativ günstig ist die Datenlage für die invasive Überwachung. So konnte für das über einen Pulmonalarterienkatheter einzuführende CardioMEMS-Implantat, das den Druck in der Pulmonalarterie misst, in der CHAMPION-Studie gezeigt werden, dass Klinikeinweisungen wegen sich verschlechternder Herzinsuffizienz deutlich reduziert werden. Und in der IN-TIME-Studie gab es bei einem Multiparametermonitoring auf Basis eines ICD -Systems sogar Hinweise auf eine Mortalitätssenkung.

Trotz LAPTOP-HF-Studie: Monitoring von Vorhofdruck plus EKG bleibt spannend

„In der IN-TIME-Studie war es vor allem die Rhythmusanalyse, die den Vorteil brachte“, betonte Professor Friedrich Köhler vom Zentrum für kardiovaskuläre Telemedizin der Charité Berlin bei der Tagung eCardiology 2017 in Berlin. Die Entdeckung von Vorhofflimmern sei der Hauptfaktor gewesen, der dazu beitrug, Krankenhauseinweisungen zu vermeiden. Vor diesem Hintergrund sei es naheliegend, zu versuchen, die invasiven Druckmessungen und das invasive EKG-Monitoring zu kombinieren, so der Berliner Kardiologe.

Versucht worden war das in der LAPTOP-HF-Studie, bei der ein linksatrialer Drucksensor namens HeartPOD zum Einsatz kam, der auch Daten zum EKG liefern konnte. Diese Studie wurde allerdings 2014 nach etwas mehr als der Hälfte der Patienten abgebrochen, weil es bei der transseptalen Platzierung des Implantats zu häufig zu Komplikationen kam. Köhler präsentierte in Berlin die exploratorische Analyse der in LAPTOP-HF letztlich eingeschlossenen Patienten. Immerhin: Es zeigt sich eine Risikoreduktion bei Klinikeinweisungen wegen Herzinsuffizienz um 43 Prozent.

Köhler ist deswegen überzeugt, dass die parallele Messung von Vorhofdruck und EKG als Telemonitoring-Option weiterhin hoch interessant bleibt. Mit einem neuen Implantat des israelischen Startup-Unternehmens Vectorius namens V-LAP könnte in absehbarer Zukunft vielleicht ein neuer Anlauf mit einer weiteren klinischen Studie unternommen werden.

First-in-Man-Studie im Jahr 2018?

V-LAP ist ein Implantat, das in Design und Intervention dem Amplatzer-Implantat ähnelt, mit dem Kardiologen Vorhofseptumdefekte verschließen. Es arbeitet vollständig drahtlos, die Energieversorgung läuft über eine externe Batterie. Im Vergleich zum Amplatzer sei V-LAP wesentlich kleiner, nur in etwa so groß wie ein 1-Cent-Stück, so Köhler. Das reduziere nicht nur das Komplikationsrisiko, sondern lasse auch genug Platz für transseptale Kathetereingriffe aus anderen Gründen.

Das System wurde bisher in Tiermodellen evaluiert. Es zeigt eine gute Druckkurve und gestattet in erster Annäherung eine Abgrenzung von Sinusrhythmus und Vorhofflimmern. Das muss jetzt freilich noch genauer evaluiert werden. Köhler zeigte sich optimistisch, dass Anfang 2018 eine First-in-Man-Studie starten könnte, mit der die Sicherheit überprüft wird. Letztlich brauche es dann irgendwann eine große klinische Studie nach dem Vorbild von CHAMPION-Studie oder LAPTOP-HF-Studie.

Literatur