Nachrichten 11.02.2021

Neue Hinweise: Schützt Kaffee vor Herzinsuffizienz?

Das Trinken von mindestens einer koffeinhaltigen Tasse Kaffee täglich geht mit einem verringerten Risiko für Herzinsuffizienz einher. Darauf weist eine Analyse dreier großer epidemiologischer Studien hin.

Während einige Risikofaktoren für koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz und Schlaganfall bekannt sind, gibt es weiterhin unbekannte Risikofaktoren, deren Entdeckung die Prävention erleichtern könnte. Deshalb analysierte ein US-amerikanisches Forscherteam drei bekannte Studien auf mögliche Zusammenhänge zwischen Lebensstil und kardiovaskulären Erkrankungen.

Mithilfe von Künstlicher Intelligenz werteten Dr. Laura Stevens und ihr Team Daten aus der Framingham Heart Study, der Cardiovascular Heart Study und der Atherosclerosis Risk in Communities Study aus. Die Studien lieferten Informationen zu mehr als 21.000 Personen, die mindestens zehn Jahre nachbeobachtet worden waren. Um mögliche Effekte koffeinhaltigen Kaffees zu untersuchen, unterschieden die Forscher zwischen keiner, einer, zwei oder drei Tassen pro Tag. Der Konsum beruhte auf Eigenangaben.

Bis zu 30% niedrigeres Risiko beobachtet

In allen drei Studien war das Trinken von mindestens einer Tasse Kaffee täglich mit einem verringerten Risiko für spätere Herzinsuffizienz assoziiert. Eine Auswertung der Framingham und der Cardiovascular Heart Study ergab, dass das Herzinsuffizienzrisiko um 5% bis 12% pro Tasse Kaffee am Tag abnahm verglichen mit gar keinem Kaffeekonsum. In der Studie zum Atheroskleroserisiko schien der Konsum von null bis einer Tasse Kaffee pro Tag keinen Effekt zu haben, während das Risiko für Herzinsuffizienz bei denjenigen, die mindestens zwei Tassen täglich tranken, etwa 30% niedriger war.

Beim Trinken von koffeinfreiem Kaffee wurde kein solcher Effekt beobachtet. Die Forscher vermuten deshalb, dass Koffein zumindest ein Teil der Ursache für die positiven Auswirkungen des Kaffeekonsums ist. Da in den ursprünglichen Studien nur Assoziationen mit Kaffee untersucht wurden, gelten die Ergebnisse aber möglicherweise nicht für andere koffeinhaltige Getränke. „Es ist zudem nicht ausgeschlossen, dass der Kaffeekonsum nur ein Marker für ein anderes Verhalten ist, das eigentlich für das verringerte Risiko verantwortlich ist“, geben die Forscher zu bedenken.

Hinweise, aber noch keine Empfehlung

Drei bis fünf Tassen Kaffee täglich können den US-amerikanischen Ernährungsleitlinien zufolge Teil einer gesunden Ernährung sein, solange auf Zusätze wie Zucker oder Sahne verzichtet wird. Gleichzeitig weisen Studien auf gefährliche Effekte von Koffein hin, wenn es übermäßig konsumiert wird. Kinder sollten nach wie vor koffeinhaltige Getränke meiden.

Es gebe noch nicht genug eindeutige Beweise, um einen höheren Kaffeekonsum zur Reduktion des kardiovaskulären Risikos zu empfehlen, betonen Stevens und Kollegen. Die Beobachtungen in der aktuellen Studie seien nicht mit den Effekten eines Rauchstopps, Gewichtsverlusts oder regelmäßigem Sport vergleichbar. Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, konnte keine Kausalität nachgewiesen werden.

„Wenn die positiven Effekte von Koffein aber zutreffen, birgt die weltweite Verbreitung von Kaffee großes Potenzial, um das kardiovaskuläre Risiko durch Ernährungsinterventionen zu senken. Das unterstreicht die Notwendigkeit weiterer Studien, um die Beobachtungen zu validieren“, schließen die Forscher um Stevens.

Literatur

Stevens L et al. Association Between Coffee Intake and Incident Heart Failure Risk. A Machine Learning Analysis of the FHS, the ARIC Study, and the CHS. Circulation 2021. https://doi.org/10.1161/CIRCHEARTFAILURE.119.006799

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