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02.11.2018 | Herzinsuffizienz | Nachrichten

Beruhigende Daten einer US-Studie

Prostatahyperplasie: Wie sicher sind Alpha-Blocker bei gleichzeitiger Herzinsuffizienz?

Autor:
Peter Overbeck

Eine Behandlung mit Alpha-Rezeptorblockern wie Doxazosin gilt im Fall einer Herzinsuffizienz als problematisch. Eine neue Studie relativiert jedoch diese Einschätzung: Ihre Ergebnisse lassen Alpha-Blocker bei dieser Indikation nicht nur als sicher, sondern sogar als potenziell vorteilhaft erscheinen.

Alpha-Blocker konnten in der Behandlung von Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen nicht überzeugen. Der Doxazosin-Arm der berühmten ALLHAT-Studie (Antihypertensive and Lipid Lowering Treatment to Prevent Heart Attack Trial) ist bekanntlich vorzeitig gestoppt worden. Grund war, dass eine antihypertensive Therapie mit diesem Alpha-Blocker das Risiko für die Entwicklung einer Herzinsuffizienz im Vergleich zu Chlorthalidon nahezu verdoppelt hatte. Prazosin hatte in der V-HeFT- 1-Studie (Veterans Affairs Vasodilator Heart Failure Trial) bei Patienten mit Herzinsuffizienz keinen Effekt auf Mortalität oder Herzfunktion, ging  aber auch nicht mit einer Risikozunahme einher.

In der kardiovaskulären Therapie sind Alpha-Blocker  inzwischen  kaum noch von Bedeutung. Sie werden heute vor allem zur Behandlung  bei benigner Prostatahyperplasie genutzt. Wegen dieser Prostataerkrankung dürften nicht wenige Patienten Alpha-Blocker erhalten, bei denen gleichzeitig eine kardiovaskuläre Erkrankung wie eine manifeste Herzinsuffizienz besteht. Ist auch in diesem Fall  die in ALLHAT bei Patienten mit Hypertonie beobachtete Risikozunahme ein Problem?

Dieser Frage ist eine Gruppe von US-Untersuchern um Dr. Cynthia Jackevicius  von der Western University of Health Sciences in Pomona, Kalifornien, in einer Studie nachgegangen. Dazu nutzen die Forscher die Datenbank einer Veterans-Affairs (VA)-Klinik in den USA. Anhand der gespeicherten Daten machten sie insgesamt 169.911 Patienten ausfindig, die in der Zeit zwischen Januar 2002 und September 2015 wegen Herzinsuffizienz stationär behandelt worden waren. 

Terazosin und Tamsulosin am häufigsten verordnet 

Darunter waren 47.638 Patienten (28%), bei denen zum Zeitpunkt der Entlassung die Verordnung eines Alpha-Blockers dokumentiert war. Am häufigsten waren Terazosin (n = 24,764) und Tamsulosin (n =17,182) verordnet worden, weniger häufig Doxazosin (n = 3.468), Prazosin (n = 2058) und Alfuzosin (n = 166). 

Um weitgehend merkmalsgleiche Gruppen zu schaffen, nutzten Jackevicius und ihre Kollegen die statistische Propensity-Score-Methode, mit deren Hilfe 35.713 „gematchte“ Vergleichspaare mit und ohne Alpha-Blocker-Verordnung generiert wurden. Beide Gruppen wurden dann im Hinblick auf erneuet Klinikeinweisungen wegen Herzinsuffizienz und Mortalität über zwei Jahre verglichen. 

Mit Alpha-Blockern weniger Klinikeinweisungen und Todesfälle

Etwas überraschend zeigte sich, dass eine Alpha-Blocker-Verordnung nach zwei Jahren nicht etwa mit einer höheren, sondern mit einer signifikant niedrigeren Rate an Rehospitalisierungen infolge Herzinsuffizienz (39,8% vs. 41,7% ; Hazard Ratio: 0.95; 95% Konfidenzintervall [CI] 0,92 - 0.97; p < 0,0001) und einer ebenfalls signifikant niedrigeren Mortalität  (42,8% vs. 46,5%; HR 0,93; 95% CI: 0,91 - 0.94; p < 0,0001) assoziiert war.

Eine niedrigere Sterberate wurde allerdings nur bei Patienten beobachtet, die vasoaktiv wirksame Alpha-Blocker (Prazosin, Doxazosin, Terazosin) erhalten hatten, nicht aber bei mit rezeptorselektiven Blockern (Tamsulosin, Alfuzosin) behandelten Patienten. Auch waren Alpha-Blocker in höherer Dosierung im Vergleich zu niedriger dosierten Blockern mit einer signifikant niedrigeren Mortalität assoziiert. Die Assoziation mit einem niedrigeren Sterberisiko war im Übrigen unabhängig davon, ob die Patienten zusätzlich einen Betablocker eingenommen hatten oder nicht. 

Eine sichere Therapie

Patienten mit Herzinsuffizienz, bei denen aus anderen Gründen ein Alpha-Blocker indiziert ist, lassen sich damit sicher behandeln, schlussfolgern Jackevicius und ihre Mitautoren aus den Ergebnissen. Die beobachtete Assoziation mit einer moderat niedrigeren Morbidität und Mortalität ist es nach ihrer Ansicht wert, in weiteren Studien überprüft zu werden.

Literatur

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