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01.04.2019 | Herzinsuffizienz | Nachrichten

Kardiovaskulärer Nutzen von Dapagliflozin

SGLT2-Hemmer zeigt bei Diabetes-Patienten mit Herzinsuffizienz besonders starke Wirkung

Autor:
Peter Overbeck

Der SGLT2-Hemmer Dapagliflozin reduziert bei kardiovaskulären Risikopatienten mit Typ-2-Diabetes Klinikeinweisungen wegen Herzinsuffizienz und kardiovaskulär bedingte Todesfälle, hat die DECLARE-Studie gezeigt. Patienten mit bereits bestehender „systolischer“ Herzinsuffizienz scheinen davon besonders stark zu profitieren.

DECLARE-TIMI-58 ist bekanntlich die bislang größte kardiovaskuläre Outcome-Studie mit einem SGLT2-Hemmer bei Patienten mit Typ-2-Diabetes. Die Rate für kardiovaskuläre Todesfälle und Klinikeinweisungen wegen Herzinsuffizienz wurde den bereits publizierten Hauptergebnissen zufolge durch Dapagliflozin im Vergleich zu Placebo signifikant um relative 17% reduziert  (4,9% vs. 5,8%; Hazard Ratio 0,83; 95% Konfidenzintervall 0,73-0,95, p=0,005  für Überlegenheit).

Entscheidend dafür war eine signifikante Reduktion von Klinikeinweisungen wegen Herzinsuffizienz um 27% (HR 0,73; 95% CI 0,61-0,88), während sich die  Raten für kardiovaskuläre Todesfälle kaum unterschieden (HR 0,98; 95% CI, 0,82 – 1,17). Bei einem stärker auf atherothrombotische Ereignisse fokussierten „co-primären“ Endpunkt (kardiovaskulär bedingter Tod, Myokardinfarkt, Schlaganfall) wurde dagegen nur eine nicht signifikante Reduktion von 9,4% (Placebo) auf 8,8% (Dapagliflozin) erreicht.

Nach LVEF stratifizierte Subanalyse 

In einer von Dr. Eri T. Kato aktuell beim ACC-Kongress in New Orleans vorgestellten DECLARE-Substudie ist die klinische Wirkung von  Dapagliflozin nun in Abhängigkeit davon, ob die linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF) der  Studienteilnehmer erniedrigt (<45%) war oder nicht, analysiert worden. Maßgebliche klinische Endpunkte waren dabei kardiovaskulär bedingte Todesfälle und Klinikeinweisungen wegen Herzinsuffizienz.

Unter den insgesamt 17.160 Studienteilnehmern waren 5.202  mit dokumentierter LVEF. Von allen Teilnehmern hatten  671 (3,9%) eine Herzinsuffizienz mit erniedrigter Auswurffraktion (HFrEF: Heart Failure with reduced Ejection Fraction), während  weitere 1316  (7,7%) eine Herzinsuffizienz  aufwiesen, ohne dass eine erniedrigte  Auswurffraktion bekannt war ((808 mit dokumentierter LVEF≥45%,  508 ohne dokumentierte LVEF). Bei der großen Mehrheit – nämlich bei 15.173 (88.4%) Teilnehmern -  lagen zu Beginn keine Hinweise auf eine Herzinsuffizienz vor. 

Patienten mit HFrEF profitierten von Mortalitätssenkung 

Am relativ stärksten war die Wirkung von Dapagliflozin in der kleinen Subgruppe der Patienten mit HFrEF: Bei ihnen reduzierte der SGLT2-Hemmer die Rate an kardiovaskulären Todesfällen und Klinikeinweisungen wegen Herzinsuffizienz relativ um 38% im Vergleich zu Placebo (HR 0,62, 95% CI 0,45-0,86). In der großen Gruppe ohne HFrEF senkte Dapagliflozin die entsprechende Ereignisrate relativ um 12% (HR 0.88, 95% CI 0.76-1.02). 

Die Rate für Klinikeinweisungen infolge Herzinsuffizienz wurde durch Dapagliflozin sowohl bei Patienten mit HFrEF (HR 0,64, 95%CI 0,43-0,95) als auch ohne  HFrEF (HR 0,76, 95%CI 0,62-0,92) gesenkt. Anders verhält es sich bei der Rate für die kardiovaskuläre Mortalität: Sie wurde durch Dapagliflozin ausschließlich  bei Patienten mit  HFrEF (HR 0,55, 95% CI 0,34-0,90), nicht jedoch bei Patienten ohne HFrEF (HR 1,08, 95% CI 0.89-1.31, p-Wert für Interaktion 0,012) reduziert. Dies gilt auch bezüglich der Gesamtmortalität, die nur in der Subgruppe mit  HFrEF relativ um 41% verringert wurde (HR 0,59, 95% CI 0,40-0,88), nicht aber bei Patienten ohne HFrEF.

Ein Fazit

Nach diesen Ergebnissen reduzierte Dapagliflozin das Risiko für Hospitalisierungen wegen Herzinsuffizienz unabhängig von der LVEF bei Patienten mit und ohne HFrEF.  Die kardiovaskuläre Mortalität (Risikoreduktion: 45%) wie auch die Gesamtmortalität (Risikoreduktion: 41%) nahmen unter dem SGLT2-Hemmer dagegen ausschließlich in der Subgruppe mit HFrEF ab. Damit empfiehlt sich diese Therapie unter prognostischem Aspekt insbesondere bei Diabetes-Patienten mit Herzinsuffizienz und erniedrigter LVEF.

Literatur

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