Skip to main content
main-content

05.12.2018 | Herzinsuffizienz | Nachrichten

5-Jahres-Number-Needed-to-Treat

Herzinsuffizienz: So viele Leben rettet Sacubitril/Valsartan

Autor:
Veronika Schlimpert

Sacubitril/Valsartan wurde 2015 als Herzinsuffizienz-Medikament zugelassen und als „Shooting Star“ gefeiert. Doch nützt die Substanz wirklich so viel wie erhofft?

Mit der zusätzlichen Gabe eines Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Inhibitors, kurz ARNI, kann  tatsächlich das Leben vieler Herzinsuffizienz-Patienten gerettet werden. Wie eine aktuelle Analyse zeigt, müssen über einen Zeitraum von 5 Jahren nur 14 Patienten zusätzlich mit ARNI behandelt werden, um einen kardiovaskulären bedingten Todesfall oder eine Krankenhauseinweisung wegen Verschlechterung der Herzinsuffizienz zu verhindern.

Um einen Todesfall zu verhindern, müssten 21 Patienten damit über einen solchen Zeitraum hinweg behandelt werden – und zwar davon ausgehend, dass all diese Patienten bereits eine Standardtherapie mit ACE-Hemmer erhalten.

„Ähnlich oder besser als andere Herzinsuffizienz-Medikamente“

 „Diese geschätzte 5-Jahres-Werte für die ‚Number Needed to Treat‘ sind ähnlich gut oder besser als die anderer gängiger Medikamente zur Therapie kardiovaskulärer Erkrankungen“, resümieren die Studienautoren um Dr. Pratyaksh Srivastava. Ihrer Ansicht nach bestätigt dies die aktuellen Leitlinienempfehlungen, in denen ARNI zur Therapie einer Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF) mit dem höchstem Empfehlungsgrad (Klasse I) empfohlen wird, wenn eine Dreifachkombination aus ACE-Hemmer, Betablocker und Mineralkortikoid-Rezeptorantagonist (MRA) keine ausreichende Symptomlinderung bewirkt.

Zum Vergleich: Im Falle von ACE-Inhibitoren müssten 18 Patienten über 5 Jahre hinweg behandelt werden, um einen Todesfall zu verhindern, bei Angiotensin-Rezeptorblocker 24,  bei Betablocker 8, bei MRA 15, bei implantierbaren Kardioverter-Defibrillatoren (ICD) 14 und im Falle einer kardialen Resychronisationstherapie ebenfalls 14 Patienten.

Die 5-Jahres-NNT-Werte in der kardiovaskulären Primärprävention liegen vergleichsweise höher, für Statine werden Zahlen zwischen 20 und 63 genannt, je nachdem auf welchen Endpunkt (Herzinfarkt, Schlaganfall oder Gesamtmortalität) sich diese beziehen.

Vergleicht man ARNI mit Placebo – also nicht wie von den Leitlinien vorgesehen und so auch in Studien untersucht mit der bestehenden Hintergrundtherapie – liegt die geschätzte 5-Jahres-NNT für die Gesamtmortalität bei 11.

Teils nur Hochrechnungen

Für die aktuelle Analyse wurden die Daten der zulassungsrelevanten PARADIGM HF-Studie herangezogen. In PARADIGM HF hatte Sacubitril/Valsartan bei Patienten mit reduzierter Auswurffraktion im Vergleich zu dem ACE-Hemmer Enalapril nach 27 Monaten eine relative 20%ige Risikoreduktion für den primären Endpunkt aus Tod und Hospitalisierung wegen Verschlechterung der Herzinsuffizienz bewirkt. Mangels Daten behalfen sich die Autoren bei der Errechnung der absoluten Risikoreduktion zwischen dem 4. und 5. Jahr mit einer Hochrechnung. Die aktuellen Zahlen basieren deshalb auf Schätzungen.  

Innerhalb diverser Subgruppen lagen die 5-Jahres-NNT für kardiovaskulären Tod und herzinsuffizienzbedingte Hospitalisierungen zwischen 12 und 19, für die Gesamtmortalität zwischen 16 und 31.

Literatur

Zurzeit meistgelesene Artikel

 

Highlights

Düsseldorfer Herz- und Gefäßtagung 2019

Expertenvorträge für Sie zusammengestellt: Auf der diesjährigen Düsseldorfer Herz- und Gefäßtagung haben renommierte Experten die neuesten Leitlinien, Studien und medizintechnischen Entwicklungen vorgestellt und die Kernaussagen kompakt für den Alltag in Klinik und Praxis zusammengefasst.

Expertenrückblick auf den ACC-Kongress – das Wichtigste im Überblick

Kann man ASS als Plättchenhemmer in Zukunft komplett weglassen? Muss jedem Patienten ab sofort eine TAVI angeboten werden? Und wo stehen wir in der kardialen Prävention? Eine Expertenrunde hat in Leipzig die neuesten Studien und viel diskutierte Themen des diesjährigen ACC-Kongresses kommentiert. Schauen Sie rein und bleiben Sie auf dem neuesten Stand.

Aus der Kardiothek

16.04.2019 | Quiz | Onlineartikel

Patientin mit Fieber und Tachykardie – die Ursache verrät das Röntgenbild

Röntgenaufnahme des Thorax im Stehen bei einem 43 jährigen Patienten mit Fieber und Tachykardie. Was ist zu sehen?

Düsseldorfer Herz- und Gefäßtagung 2019

Expertenvorträge für Sie zusammengestellt: Auf der diesjährigen Düsseldorfer Herz- und Gefäßtagung haben renommierte Experten die neuesten Leitlinien, Studien und medizintechnischen Entwicklungen vorgestellt und die Kernaussagen kompakt für den Alltag in Klinik und Praxis zusammengefasst.

Expertenrückblick auf den ACC-Kongress – das Wichtigste im Überblick

Kann man ASS als Plättchenhemmer in Zukunft komplett weglassen? Muss jedem Patienten ab sofort eine TAVI angeboten werden? Und wo stehen wir in der kardialen Prävention? Eine Expertenrunde hat in Leipzig die neuesten Studien und viel diskutierte Themen des diesjährigen ACC-Kongresses kommentiert. Schauen Sie rein und bleiben Sie auf dem neuesten Stand.

Kontroverser Fall: So kann man wiederkehrendes Vorhofflimmern auch behandeln

DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt

Ein Patient leidet an wiederkehrendem Vorhofflimmern. Das Team um Prof. Boris Schmidt entscheidet sich für eine ungewöhnliche Strategie: die Implantation eines endokardialen Watchmann-Okkluders, um den linken Vorhof zu isolieren. Das genaue Prozedere sehen Sie hier. 

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Komplizierte Mehrgefäß-KHK bei einem jungen Patienten

Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018

Mehrere komplexe Stenosen bei einem 46-jährigen Patienten erfordern ein strategisch sinnvolles Vorgehen. Wofür sich das Team um PD Dr. Hans-Jörg Hippe vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Klinik entschieden hat, erfahren Sie in diesem Livecase. 

Bildnachweise