Nachrichten 24.07.2020

VIP-HF-Studie: Niedrige VT-Inzidenz bei HFpEF

Ventrikuläre Tachykardien sind bei Herzinsuffizienz mit erhaltener bzw. mittelgradig eingeschränkter Pumpfunktion selten. Das zeigt eine Zweijahresstudie mit implantierten Loop-Rekordern.

Ohne kontinuierliche EKG-Überwachung ist die Inzidenz von ventrikulären Tachykardien (VT) bei Herzinsuffizienzpatienten schwer zu ermitteln. Insbesondere bei Patienten mit Herzinsuffizienz und erhaltener Pumpfunktion (HFpEF) bzw. Herzinsuffizienz mit mittelgradig eingeschränkter Pumpfunktion (HFmrEF) gibt es bisher nur wenige harte Zahlen. Das wollte die niederländische Multicenter-Studie VIP-HF ändern, die ursprünglich 250 Patientinnen und Patienten mit HFpEF oder HFmrEF für zwei Jahre mit einem implantierbaren Loop-Rekorder ausstatten wollte.

Am Ende gestaltete sich die Rekrutierung schwieriger als gedacht, und es wurden nur 113 Patienten, über die jetzt im European Journal of Heart Failure berichtet wurde. Bei ihnen wurde im Schnitt für 657 Tage der Herzrhythmus überwacht. Die Patienten waren im Mittel 73 Jahre alt und allesamt entweder in NYHA-Klasse II oder III. Die mittlere linksventrikuläre Ejektionsfraktion betrug 54%, und bei drei von vier Patienten war die LVEF bei Einschluss in die Studie größer als 50%. Bei 18% bzw. 38% der Studienteilnehmer existierten bereits Vorbefunde aus Langzeit-EKGs, in denen nicht-anhaltende VT bzw. Episoden von Vorhofflimmern dokumentiert waren.

Nur ein Patient entwickelte anhaltende VT

Primärer Endpunkt der Studie war die Inzidenz anhaltender VT. Diese war extrem niedrig: Lediglich ein Patient entwickelte im Überwachungszeitraum eine anhaltende VT, was einer Rate von 0,6 pro 100 Personenjahre entspricht. Dies sei nur ein Zehntel dessen, was zu Studienbeginn angenommen worden sei, betonen die Autoren der VIP-HF-Publikation.

Bei dem einen Patienten mit anhaltender VT handelte es sich um einen KHK-Patienten mit multiplen Vorinterventionen und einer LVEF von 50%. Er erhielt im Gefolge einen ICD. Der sekundäre Endpunkt, nicht-anhaltende VTs, war mit einer Inzidenz von 11,5 pro 100 Personenjahre erwartungsgemäß häufiger. Anders ausgedrückt: Grob gerechnet entwickelte in der VIP-HF-Studie jeder zehnte HFpEF-/MFmrEF-Patient im Laufe eines Jahres eine nicht-anhaltende VT.

Bradyarrhythmien häufiger als erwartet

Häufiger als von den Studienleitern erwartet kam es zu klinisch relevanten Bradyarrhythmien. Die Inzidenz von Bradyarrhythmien jeglicher Art betrug 3,2 pro 100 Personenjahre. Im gesamten Studienzeitraum waren fünf Patienten betroffen, von denen die Ereignisse bei vieren als so relevant eingestuft wurden, dass ein Schrittmacher indiziert war.

Insgesamt verstarben 14 Patienten oder 12% der Studienpopulation. Als kardiovaskulär wurden zehn dieser Todesfälle gewertet, wobei es sich bei vier Patienten klinisch um einen plötzlichen Herztod handelte. Nur bei zwei dieser vier Patienten waren zuvor nicht-anhaltende VT dokumentiert worden. Statistisch gab es keinen Zusammenhang zwischen plötzlichen Herztod-Ereignissen und nicht-anhaltenden VT im Vorfeld. Einem der plötzlichen Herztodereignisse lag eine per Loop-Rekorder dokumentierte Bradyarrhythmie zugrunde. Bei den drei anderen waren die Loop-Rekorder-Daten der letzten Lebensminuten nicht auswertbar.

Literatur

Van Veldhuisen DJ et al. Ventricular Tachyarrhythmia Detection by Implantable Loop Recording in Patients with Heart Failure and Preserved Ejection Fraction: The VIP-HF study. Eur J Heart Fail 2020; 19. Juli 2020; doi: 10.1002/ejhf.1970

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