Nachrichten 09.12.2019

Zähneputzen schützt das Herz

Eine gute Mundhygiene durch häufiges Zähneputzen und professionelle Zahnreinigungen scheint mit einem geringeren Risiko für Vorhofflimmern und Herzinsuffizienz einherzugehen. Das legt eine südkoreanische Studie nahe.

Auch die bisherige Forschung weist darauf hin, dass eine schlechte Mundhygiene dazu führt, dass Bakterien ins Blut gelangen und Entzündungen im Körper verursachen. Diese durch Biomarker messbaren Entzündungsprozesse erhöhen das Risiko für Vorhofflimmern und Herzinsuffizienz. Koreanische Forscher untersuchten in einer aktuellen Studie, wie sehr dieses Risiko mit der individuellen Mundhygiene assoziiert ist.

Für die retrospektive Studie analysierten die Forscher um Dr. Yoonkyung Chang von der Ewha Womans University in Korea die Krankenversicherungsdaten von mehr als 161.000 Personen zwischen 40 und 79 Jahren, die vor Studienbeginn keine Herzprobleme gehabt hatten. Die Teilnehmer wurden zwischen 2003 und 2004 medizinisch untersucht, unter anderem bezüglich Krankheiten, Lebensstil, Mundgesundheit und Mundhygieneverhalten. Im Nachbeobachtungzeitraum von etwa 10 Jahren entwickelten 4.911 (3%) Teilnehmer Vorhofflimmern und 7.971 (5%) Herzinsuffizienz.

Häufiges Zähneputzen mit 12% niedrigerem Herzinsuffizienz-Risiko assoziiert

Die Teilnehmer, die dreimal am Tag oder häufiger ihre Zähne putzten, hatte während des Beobachtungszeitraums ein um 10% geringeres Risiko für Vorhofflimmern und ein um 12% geringeres Risiko für Herzinsuffizienz als die Personen, die seltener Zähneputzten. Teilnehmer mit fehlenden Zähnen hatten ein um 31% erhöhtes Risiko für Herzschwäche.

Faktoren wie Alter, Geschlecht, sozioökonomischer Status, Bewegungspensum, Alkoholkonsum, Body-Mass-Index, Tabakkonsum und Komorbiditäten wurden herausgerechnet. Die individuelle Mundhygiene wurde anhand von Paradontitis, Häufigkeit von Zähneputzen und professionellen Zahnreinigungen, Zahnarztbesuchen und der Anzahl fehlender Zähne beurteilt.

Mögliche Ursache: Weniger Bakterien gelangen in den Blutkreislauf

Auch wenn die Ursachen für die gefundenen Assoziationen noch unklar sind, könnte es sein, dass häufiges Zähneputzen die Bakterien, die sich in den Taschen zwischen Zähnen und Zahnfleisch ansiedeln, reduziert. Sind weniger Bakterien in diesem sogenannten subgingivalen Biofilm vorhanden, gelangen auch weniger Bakterien in den Blutkreislauf, was die Ergebnisse erklären könnte.

Einschränkungen der Studie waren, dass sie sich nur auf asiatische Probanden beschränkte und ihr retrospektives Design. Andererseits wurde eine große Kohorte über einen langen Zeitraum untersucht. Die Autoren des Begleitkommentars weisen darauf hin, dass die Kausalität der Ergebnisse noch nicht bewiesen ist. Es sei zu früh, Zähneputzen zu empfehlen, um Vorhofflimmern und Herzinsuffizienz vorzubeugen. „Die Rolle von Entzündungen beim Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird jedoch immer offensichtlicher. Interventionsstudien sind notwendig, um Strategien zu definieren, die für die öffentliche Gesundheit wichtig sind“, resümieren sie.

Literatur

Chang Y et al. Improved oral hygiene care is associated with decreased risk of occurrence for atrial fibrillation and heart failure: A nationwide population-based cohort study. Eur J Prev Cardiol. 2019. https://doi.org/10.1177/2047487319886018.

ESC-Pressemitteilung: Brush your teeth to protect the heart. 02.12.2019.

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Bildnachweise
Digitaler ACC-Kongress 2020/© Sergey Nivens / stock.adobe.com
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Transthorakale Echokardiografie/© Monique Tröbs (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg)
CT-Befund (mit Kontrastmittelgabe)/© S. Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (2)
Live-Case AGIK/© DGK 2019
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Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018/© DGK 2018