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08.11.2018 | Herzinsuffizienz | Nachrichten

Fragwürdige Empfehlung

Wenig Salz bei Herzinsuffizienz – wie sinnvoll ist das?

Autor:
Veronika Schlimpert

Patienten mit einer Herzinsuffizienz sollten ihren Salzkonsum einschränken, so steht es in den Leitlinien. Doch auf welcher Evidenz fußt diese Empfehlung? Britische Wissenschaftler gehen mit der aktuellen Datenlage hart ins Gericht.

Das Thema Salz erhitzt regelmäßig die Gemüter. Wie viel Salz ist gesund, ist zu wenig Salz ebenfalls schädlich? Besonders unsicher sind sich Experten, was man Menschen, die bereits an einer Herzinsuffizienz erkrankt sind, empfehlen sollte.

Einige internationale Leitlinien raten dann zu einer Salzreduktion. Etwa empfiehlt die amerikanische „Heart Failure Society“ herzinsuffizienten Patienten, nicht mehr als 2 bis 3 g Natrium (5 bis 7,5 Kochsalz) täglich zu sich nehmen. In den ESC-Leitlinien von 2016 wird von einem übermäßigen Salzkonsum (> 6 g/Tag) abgeraten. Immer wieder werden diese Empfehlungen kritisiert. In der ein oder anderen Studie hat eine Beschränkung des Salzkonsums den Patienten angeblich sogar geschadet. 

Kaum Daten

Diese Diskussionen haben britische Wissenschaftler um Prof. Kamal Mahtani zum Anlass genommen, sich die aktuelle Evidenz genauer anzuschauen. Einen bedeutsamen Erkenntnisgewinn brachte ihr im JAMA internal Medicine publiziertes Review allerdings nicht. Es gebe einen Mangel an beweiskräftigen Daten und die verfügbare Evidenz würde nicht ausreichen, um die Leitlinienempfehlungen stützen oder widerlegen zu können, resümieren sie.

Immerhin herrscht in diesem Punkt Einigkeit. Die meisten bisher publizierten Reviews, unter anderem auch eines der Cochrane Collaboration, kommen zu dem Schluss, dass die derzeitige Datenlage zu diesem Thema limitiert ist.   

In dem Review von Mahatani und Kollegen, das nach eigenen Angaben den aktuellsten Stand   widerspiegelt, sind neun randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 479 Patienten berücksichtigt worden; keine der Studien hatte mehr als 100 Patienten vorzuweisen. Hinsichtlich der Methodik waren die Studien ziemlich heterogen: In der einen Untersuchung sollte die Natriumzufuhr z. B. auf 1,5 g beschränkt werden, in der anderen auf 2 bis 3 g. Die Studienautoren beschränkten sich deshalb auf das Verfassen eines Reviews, die Auswertung in Form einer Metaanalyse sei nicht möglich gewesen.

Schadet nicht, also weiterhin empfehlen

Aufgrund der dürftigen Datenlage konnten die Autoren auch keine Aussage treffen, ob eine Salzreduktion harte Endpunkte wie die kardiovaskuläre Sterblichkeit und Gesamtmortalität oder die Rate an Klinikeinweisungen beeinflussen kann. Da eine solche Intervention herzinsuffizienten Patienten in der ambulanten Versorgung zumindest nicht zu schaden scheint, plädieren sie dafür die derzeitige Praxis beizubehalten, also eine Salzreduktion zu empfehlen.

Ein paar wenige Studien sprechen dafür, dass dadurch die Beschwerden nachlassen, sich also die NYHA-Klasse verbessert. Insbesondere Ödeme scheinen seltener aufzutreten, wenn Patienten auf ihren Salzkonsum achten, wie eine Untersuchung von Philipson et al. gezeigt hat. In dieser Studie war in der Interventionsgruppe allerdings nicht nur eine Salzreduktion auf weniger als 5 Gramm Salz pro Tag vorgegeben, sondern auch eine Beschränkung der Flüssigkeitszufuhr auf 1,5 L/Tag.

Und was, wenn die Patienten nicht wollen?

Ärzte und Politiker müssten sich prinzipiell im Klaren sein, dass die Evidenz für eine Salzreduktion bei Herzinsuffizienz-Patienten gering sei, weisen die Autoren hin. Wenn Patienten ihren Salzkonsum nicht einschränken möchten, sollte man das akzeptieren. Noch schwächer sei die Evidenz bei  Patienten mit akuter Herzinsuffizienz im stationären Setting. In einer der wenigen Studien, die sich dieser Patientengruppe gewidmet hatte, hat sich das Auftreten von Stauungszeichen durch eine Salzreduktion nicht verringern lassen.     

Die britischen Wissenschaftler hoffen nun, dass laufende Studien wie die GOURMET-HF- oder SODIUM-HF-Studien mehr Gewissheit bringen, ob Herzinsuffizienz-Patienten von einer Salzreduktion tatsächlich profitieren.  

Literatur

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