Nachrichten 28.08.2020

Wirkprofil von Sacubitril/Valsartan bei Herzinsuffizienz erweitert

Eine neue Studienanalyse legt nahe, dass eine Behandlung mit Sacubitril/Valsartan auch bei als De-novo-Erkrankung aufgetretener Herzinsuffizienz sowie bei zuvor nicht mit ACE-Hemmern behandelten Herzinsuffizienz-Patienten wirksam ist.

Die aktuellen ESC-Leitlinien (2016 ESC Guidelines) zum Management bei Herzinsuffizienz empfehlen den Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Inhibitor (ARNI) Sacubitril/Valsartan als Ersatz für einen ACE-Hemmer (bzw. AT1-Rezeptorblocker bei Unverträglichkeit) bei ambulanten Patienten mit Herzinsuffizienz und erniedrigter Ejektionsfraktion (HFrEF), die trotz optimaler Standardtherapie (ACE-Hemmer/ARB, Betablocker, MRA) weiterhin symptomatisch sind (Klasse 1B-Empfehlung).

Die Empfehlung stützt sich auf Ergebnisse der Zulassungsstudie PARADIGM-HF-Studie, in der die ARNI-Therapie  die kardiovaskulären Mortalität und  Hospitalisierungen aufgrund von Herzinsuffizienz wie auch die Gesamtmortalität im Vergleich zur ACE-Hemmer Enalapril signifikant verringerte.

Daten der PIONEER-HF-Studie als Basis

Zwei Patientengruppen waren allerdings von dieser Studie ausgeschlossen: Patienten mit Herzinsuffizienz als De-novo-Erkrankung sowie HFrEF-Patienten ohne Vorbehandlung mit einem ACE-Hemmer.  Doch auch bei diesen Patienten scheint Sacubitril/Valsartan stärker wirksam zu sein als Enalapril, wie Studienergebnisse  einer Untersuchergruppe  um Dr. Andrew P. Ambrosy von der Forschungsabteilung bei  Kaiser Permanente  Northern California in Oakland suggerieren. Die Forscher haben für ihre Analyse auf Daten der randomisierten kontrollierten Phase-III-Studie PIONEER-HF zurückgegriffen.

Zur Erinnerung: PIONEER-HF hat ergeben, dass eine frühe Behandlung von stationär behandelten Patienten mit akut dekompensierter Herzinsuffizienz  (HFrEF)  und erhöhten NT-proBNP- oder BNP-Spiegeln mit Sacubitril/Valsartan statt mit Enalapril von Vorteil bezüglich der Veränderung kardialer Biomarker war. 

So wurde der mit klinischen Ereignissen eng korrelierte Surrogatmarker NT-proBNP durch  Sacubitril/Valsartan signifikant stärker gesenkt als durch Enalapril. Die ARNI-Therapie war in einer exploratorischen Analyse zudem mit einer niedrigeren Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse assoziiert.

In ihrer präspezifizierten Subgruppenanalyse hat die Gruppe um Ambrosy jetzt in Abhängigkeit von der Herzinsuffizienz-Anamnese und vom Bestehen oder Fehlen einer Vortherapie mit ACE-Hemmern vier Patientengruppen ins Visier genommen und verglichen. Primärer Endpunkt waren die NT-proBNP-Veränderungen nach vier und acht Wochen.

Von den Teilnehmern der PIONEER-HF-Studie wiesen bei Studieneinschluss 576 (66%) eine akute Verschlechterung einer chronischen HFrEF und 303 (34%) eine De-novo-HFrEF auf. In der Subgruppe mit De-novo-HFrEF waren 63 Patienten (21%) und in der Subgruppe mit akut dekompensierter chronischer HFrEF 358 Patienten (62%) bereits auf einen ACE-Hemmer/AT1-Rezeptorblocker eingestellt.

Sacubitril/Valsartan in allen vier Subgruppen überlegen

Ergebnis der Analyse: In allen vier Subgruppen hatte die Behandlung mit Sacubitril/Valsartan  eine signifikant stärkere Abnahme der NT-proBNP-Spiegel zur Folge als die Therapie mit Enalapril. Und auch die stärkere Reduktion von klinischen Ereignissen durch die ARNI-Therapie schien durch die Unterschiede bezüglich Herzinsuffizienz-Vorgeschichte und ACE-Hemmer-Therapie nicht tangiert gewesen zu sein. Zudem bestanden bezüglich Sicherheit und Verträglichkeit in allen vier Subgruppe keine relevanten Unterschiede zwischen Sacubitril/ Valsartan- und Enalapril-Therapie.

Die aktuelle Analyse erweitere die Evidenzbasis für die Therapie mit Sacubitril/ Valsartan auf Patientengruppen, die nicht in der PARADIGM-HF-Studie repräsentiert waren, so die Studienautoren. Ihre Ergebnisse sprächen dafür, dass diese Therapie auch bei hospitalisierten Patienten mit De-novo-HFrEF und bei zuvor nicht mit ACE-Hemmern behandelten Patienten vor Vorteil ist.

Literatur

Ambrosy A.P. et al.: Angiotensin Receptor-Neprilysin Inhibition Based on History of Heart Failure and Use of Renin-Angiotensin System Antagonists. J Am Coll Cardiol. 2020; 76:1034–48.

Highlights

Die Top-Studien 2020

In diesem Jahr mussten sich Ärzte Corona-bedingt auf völlig neue Diagnose- und Therapieverfahren einstellen – und auch viele Kongresse fanden gar nicht oder rein digital statt. Damit Sie trotzdem immer auf dem aktuellen Stand sind, haben wir für Sie die wichtigsten Studien aus dem Jahr 2020 zusammengefasst. 

Corona, COVID-19 & Co.

Die Ausbreitung des Coronavirus hat einschneidende Folgen auch für die Herzmedizin. Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Wann der ultradünne Stent die bessere Wahl ist

Der ultradünne Orsiro-Stent läuft dem Xience-Stent langsam den Rang ab. Beim DGK.Online-Kongress diskutieren Experten, ob und wann genau der Orsiro wirklich besser ist.

Falsche NOAK-Dosis kann fatale Folgen haben

Mehr als jeder fünfte Patient erhält in Deutschland eine von den Empfehlungen abweichende NOAK-Dosis. Eine weltweite Registerstudie verdeutlicht die Konsequenzen einer solchen Fehldosierung.

TAVI-Klappen im Vergleich: Diese Unterschiede gibt es auf lange Sicht

Selbstexpandierbar oder ballonexpandierbar? Welche TAVI-Klappe wann am besten geeignet ist, darüber herrscht mangels Daten noch immer Unsicherheit. In einer randomisierten Studie kristallisierten sich nun Unterschiede zweier Klappentypen über längere Sicht heraus. 

Aus der Kardiothek

Thorax-CT bei COVID-19-Patient – worauf zeigen die Pfeile?

Natives CT des Thorax bei einem Patienten mit COVID-19-Pneumonie (kleiner Pfeil). Was ist noch zu sehen (große Pfeile)?

Was sehen Sie im Kardio-MRT?

Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement) mit Darstellung eines Kurzachsenschnitts im mittventrikulären Bereich. Was ist zu sehen?

BNK-Webinar "Von den Toten lernen für das Leben"

Alle verstorbenen COVID-19-Patienten werden in Hamburg obduziert und häufig auch im CT  betrachtet. Rechtsmediziner Prof. Klaus Püschel gewährt einen Einblick in seine Arbeit und erläutert die Todesursachen der Patienten – mit speziellem Fokus auf das Herz.

Bildnachweise
Medizinische Zeitschriften/© pinkomelet / stock.adobe.com
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Thorax-CT/© S. Achenbach (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen)
Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement)/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
BNK-Webinar/© BNK | Kardiologie.org