Skip to main content
main-content

30.06.2015 | Nachrichten

Orale Antidiabetika

Herzinsuffizienzrisiko: Gliptine günstiger als Sulfonylharnstoffe

Autor:
Philipp Grätzel

Eine retrospektive Kohortenstudie aus Italien liefert weitere Daten zur kardiovaskulären Sicherheit von Gliptinen bei Typ-2-Diabetikern. Das Risiko einer Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz ist danach signifikant geringer als bei Therapie mit Sulfonylharnstoffen.

Bei der Jahrestagung der American Diabetes Association waren vor zwei Wochen die Ergebnisse der randomisierten TECOS-Studie vorgestellt worden. Hier hatten sich im Vergleich zur Standardtherapie bei vergleichbarer HbA1c-Senkung keinerlei Hinweise auf ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko unter Therapie mit dem DPP4-Hemmer Sitagliptin gezeigt.

Jetzt berichten italienische Ärzte im „European Heart Journal“ von einer retrospektiven Datenbankanalyse, bei der die Patientendaten aus 32 Gesundheitszentren in 16 italienischen Regionen ausgewertet wurden. Insgesamt 127.555 Patienten mit Typ-2-Diabetes und oraler antidiabetischer Therapie wurden identifiziert. 14% nahmen DPP4-Hemmer ein, 73% Sulfonylharnstoffe und 13% Thiazolidin-Derivate (Glitazone). Sieben von zehn Patienten waren außerdem mit Metformin behandelt.

Risiko unter DPP4-Hemmern um 22 Prozent niedriger

Untersucht wurde, ob es über im Mittel 2,6 Jahre Unterschiede bei Hospitalisierungen wegen Herzinsuffizienz gab. Das war der Fall. Insgesamt kam es zu 1.778 derartigen Klinikeinweisungen bei 1.319 Patienten. Das Risiko in der DPP4-Hemmer-Gruppe war nach Adjustierung für ein breites Spektrum an Cofaktoren um statistisch signifikante 22% geringer als bei Behandlung mit Sulfonylharnstoffen (HR 0,78; p=0,026). Bei Glitazon-Therapie waren es nicht signifikant um 11% niedriger.

Um das Ergebnis abzusichern, wurde in einer zweiten Runde neben der reinen Regressionsanalyse noch ein Propensity-Score-Matching mit anschließender Regressionsanalyse durchgeführt. Auch hier war die Rate an Klinikeinweisungen wegen Herzinsuffizienz bei Therapie mit DPP4-Hemmer statistisch signifikant um 30% geringer als in der Sulfonylharnstoff-Gruppe. Keine signifikanten Unterschiede gab es in beiden Analysen bei Klinikeinweisungen mit tödlichem Ausgang.

Der Endpunkt Herzinsuffizienzhospitalisierung ist im Zusammenhang mit DPP4-Hemmern insofern interessant, als kardiovaskuläre Sicherheitsstudien mit Gliptinen hier unterschiedliche Ergebnisse erbracht hatten. Während in den bisherigen Sicherheitsstudien keines der Gliptine mit einer erhöhten kardiovaskulären Ereignisrate assoziiert war, gab es in der SAVOR-TIMI 53 Studie mit Saxagliptin eine signifikante und in der EXAMINE-Studie mit Alogliptin eine numerische Erhöhung der Rate an Hospitalisierungen wegen Herzinsuffizienz, nicht aber in der TECOS-Studie mit Sitagliptin.

Mit Vorsicht zu interpretieren

Dem widerspricht die aktuelle Analyse nicht zwangsläufig, denn in den Sicherheitsstudien wurde mit Placebo verglichen. Es wäre denkbar, dass die Sulfonylharnstoffe das Herzinsuffizienzrisiko stärker erhöhen als etwa Saxagliptin. Dass auch große retrospektive Kohorten mit Vorsicht zu interpretieren sind, zeigt allerdings das gute Abschneiden der Glitazone. Die Autoren führen das darauf zurück, dass die Ärzte Glitazone nur verschreiben, wenn sie davon auszugehen, dass kein erhöhtes Risiko besteht.

Literatur