Nachrichten 11.12.2017

Auch 2016 weiter verbesserte Leistungszahlen für TAVI-Prozeduren in Deutschland

Auch für das Jahr 2016 kann die Transkatheter-Aortenklappen-Implantation (TAVI) in Deutschland mit weiter verbesserten Leistungszahlen aufwarten. Erstmals lag die Sterberate in der Zeit des Klinikaufenthaltes nach transvasalen TAVI-Eingriffen numerisch unter der für chirurgische Aortenklappen-Implantationen.

In Sachen Transkatheter-Aortenklappen-Implantation (TAVI) bei Patienten mit schwerer Aortenstenose  ist Deutschland führend. Davon zeugt nicht nur ein seit Längerem anhaltender Anstieg der Zahl kathetergestützt implantierter Aortenklappenprothesen, sondern auch die Jahr für Jahr nachweislich besser gewordene Behandlungsqualität von TAVI-Prozeduren.

Dass dies auch für das Jahr 2016 gilt, belegen Ergebnisse einer aktuellen Analyse, bei der eine Untersuchergruppe um Professor Helge Möllmann von St.-Johannes-Hospital in Dortmund  neueste Entwicklungstrends in der interventionellen und chirurgischen Behandlung von Patienten mit Aortenstenose in Deutschland  aufgespürt hat. Die Auswertung stützt sich auf Daten des IQTIG (Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen) für 2016. 

An dieses zentrale Institut für die gesetzlich vorgeschriebene Qualitätssicherung im Gesundheitswesen müssen alle deutschen Zentren, an denen interventionelle oder chirurgische  Aortenklappenersatz-Eingriffe vorgenommen werden, obligatorisch Daten in standardisierter Form elektronisch übermitteln. Die Analyse dieser Daten vermittelt somit ein gutes Bild von der realen Behandlungspraxis bei schwerer Aortenstenose in Deutschland.

Zahl transvaskulärer TAVIs 2016 erneut angestiegen

Danach war die kathetergestützte Aortenklappen-Implantation wie schon in den Jahren zuvor auch 2016 das bei dieser Klappenerkrankung  am häufigsten genutzte Therapieverfahren. Bei 15.050 Patienten wurde die Transkatheter-Aortenklappe dabei via transvaskulärem Zugang (transfemoral, direkt über die Aorta oder transsubklavial) und bei weiteren 2.047 Patienten auf transapikalem Weg über die Herzspitze implantiert.

Bei der Zahl der transvaskulären TAVI-Eingriffe war gegenüber 2015 wieder ein deutlicher  Anstieg zu verzeichnen, der mit 14,6% aber schwächer war als in den Jahre zuvor.  Bei den transapikalen TAVIs gab es dagegen 2016 erneuten einen leichten Rückgang. Die Zahl der isolierten (nicht mit koronarer Bypass-Chirurgie kombinierten) Aortenklappen-Operationen blieb mit 9.609 gegenüber dem Vorjahr nahezu konstant.

Unterschiedliche Risikoprofile

Die Zunahme von transvaskulären TAVIs sei jedoch nicht auf eine „Aufweichung“ der  gängigen Selektionskriterien  zurückzuführen, betonen die Autoren um Möllmann. Sie verweisen darauf, dass das Risikoprofil der Patienten, bei denen sich für eine TAVI entschieden wurde, in den letzten Jahren weitgehend unverändert geblieben sei.

Daran, dass interventioneller  und chirurgischer Aortenklappenersatz nach wie vor zwei Behandlungsmethoden für Patienten mit sehr unterschiedlichen Risikoprofilen sind, hat sich auch 2016 nicht geändert.  So waren TAVI-Patienten waren im Median signifikant älter als Patienten mit Klappenersatz-Operation (81 versus 71 Jahre). Patienten mit TAVI-Behandlung wiesen im Vergleich häufiger Begleiterkrankungen wie pulmonale, Hypertonie, KHK und Diabetes auf, dementsprechend war ihr perioperatives Risiko – quantifiziert im AKL-Score – höher als das von chirurgisch behandelten Patienten.

Weniger postprozedurale Komplikationen nach TAVI

Im Vergleich zu 2015 war 2016 eine signifikante Abnahme von postprozeduralen vaskulären Komplikationen  nach TAVI zu verzeichnen (2015: 8.5% vs. 2016: 7.1%; p< 0.001). Auch der Anteil der Patienten, bei denen im Zusammenhang mit einer TAVI die Implantation eines neuen Schrittmachers erforderlich war, hatte sich signifikant verringert  (2015: 12.6% vs. 2016: 11.4%, p=0.002).  

Krankenhaus-Sterblichkeit erneut rückläufig

Ein seit Jahren beobachteter erfreulicher Trend setzte sich 2016 fort: Auch in diesem Jahr war die Rate für die Krankenhaus-Sterblichkeit nach transvaskulärer TAVI erneut niedriger als im Vorjahr: Sie lag nur noch bei 2,6% (2015: 3,4%; 2014: 3,8%).  Zum ersten Mal war damit die Rate für die In-Hospital-Sterblichkeit  nach TAVI numerisch niedriger als nach chirurgischem Aortenklappenersatz (2,6% vs. 2,9%, p=0,19) – trotz  des deutlich höheren Alters und höheren Risikos interventionell behandelter Patienten.

Bei Patienten mit transapikaler TAVI wurde 2016 eine leichte Abnahme der Mortalität in der Hospitalphase auf 5,0% (Vorjahr: 6,3%) beobachtet.

Vorteile der TAVI bei der Mortalität

In einer weiteren Analyse haben die Studienautoren um Möllmann alle Patienten auf Basis der AKL-Scores  in vier Risikoklassen stratifiziert und dann für jede Klasse  die Mortalität im Krankenhaus nach TAVI und Aortenklappen-Operation  für das Jahr 2016 ermittelt. Nur bei Patienten mit dem relativ niedrigsten Risiko waren die entsprechenden Mortalitätsraten nach TAVI und Operation  annähernd gleich und nicht signifikant unterschiedlich (1,6% vs. 1,4%, p=0,40)

In  allen anderen Risikoklassen ergab sich wie schon 2015  bezüglich der Mortalitätsrate jeweils ein signifikanter Vorteil zugunsten der kathetergestützten  transvaskulären Klappenimplantation, und zwar sowohl bei mittlerem Risiko (3,0% vs. 4,6%, p=0,016), bei hohem Risiko (4,1% vs. 9,2%, p<0.001) als auch bei sehr hohem Risiko (11,3% vs. 23,6%, p<0.001).

Anders als bei chirurgisch behandelten Patienten stießen die Untersucher  bei den Patienten der TAVI-Gruppe auf eine Diskrepanz zwischen beobachteter und erwarteter Mortalität. In allen vier Risikogruppen war die real festgestellte Mortalität nach transvasaler TAVI zum Teil deutlich niedriger als die auf Basis der AKL-Scores prognostizierte Mortalität. Auch dies werten die Autoren als Zeichen für die mit TAVI in Deutschland erzielten guten Behandlungsergebnisse.

Literatur

Gaede L. et al.: Outcome after transvascular transcatheter aortic valve implantation in 2016, Eur Heart J 2017, doi:10.1093/eurheartj/ehx688

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Kardio-MRT (CMR, Late Gadolinium Enhancement PSIR)/© Mohamed Marwan, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
Thorax-CT/© S. Achenbach (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen)
Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement)/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen