Nachrichten 14.02.2019

TAVI auch via Transcarotis-Zugang sicher und effektiv

Ist der transfemorale Weg ungeeignet, kann eine Transkatheter-Aortenklappen-Implantation (TAVI) mit gutem Erfolg auch via Transcarotis-Zugang erfolgen, so die Erfahrung einer Gruppe französischer Kardiologen.

Standardzugang für die katheterbasierte Implantation von Aortenklappen-Prothesen bei TAVI ist der Weg über die Leistenarterie (transfemoraler Zugang). Aufgrund peripherer Gefäßerkrankungen oder Aortenerkrankungen kann die iliofemorale  Passage aber ungeeignet erscheinen. In diesen Fällen ist der Zugang über die Arteria carotis trotz deren Nähe zum Gehirn nach Erfahrungen einer französischer Expertengruppe um Dr. Thomas Modine von der Abteilung für Kardiologie und kardiovaskuläre Chirurgie am Centre Hospitalier Régional Universitaire de Lille (CHRU de Lille) in Lille eine effektive und sichere Alternative.

Daten aus dem FRANCE TAVI-Register

Die Gruppe hat jetzt Ergebnisse einer Analyse von Daten aus dem FRANCE TAVI-Register von 314 relativ alten (Durchschnittsalter 83 Jahre) Patienten mit schwerere Aortenstenose vorgelegt, bei denen wegen antizipierter Probleme ein Transcarotis-Zugang anstelle des transfemoralen Zugangs gewählt worden war. Bei allen TAVI-Prozeduren war die ballonexpandierbare Sapien-3-Klappenprothese verwendet worden. Die Nachbeobachtung war auf die ersten 30 Tage nach dem Eingriff beschränkt.

Schwerwiegende Blutungen wurden in dieser Zeit bei 13 Patienten(4.1%) beobachtet. Jedoch stand die Blutung nur bei einem Patienten in direktem Bezug zur Zugangsstelle an der Karotisarterie. Bei drei Patienten (1%) kam es zu einer Tamponade. Bei fünf Patienten (1.6%) traten vaskuläre Komplikationen auf, die in zwei Fällen den Karotis-Zugang betrafen.  Bei 16.2% aller Patienten musste ein permanenter Herzschrittmacher implantiert werden. 

30-Tage-Mortalität betrug 3,2% 

Ein zerebrovaskuläres Ereignis wie Schlaganfall oder TIA wurde bei fünf Patienten (1.6%) beobachtet. Die Rate für die 30-Tage-Mortalität ist mit 3,2% (10 Todesfälle) vergleichsweise niedrig. Diese Rate schließt drei Todesfälle ein, die auf Anulus-Rupturen während der TAVI-Prozedur zurückzuführen waren.

Auf Basis dieser Ergebnisse bewerten Modine und seine Mitautoren via Transcarotis-Zugang vorgenommene TAVI-Prozeduren als „sicher und effektiv". Dafür, dass dieser Zugangsweg wegen der Nähe zum Gehirn eine Zunahme von zerebrovaskulären Komplikationen zur Folge haben könnte, liefere die Studie keine Anhaltspunkte.

Gründliche Voruntersuchung

Die Studienautoren konzedieren aber, dass eine bei den analysierten Patienten vorgenommene gründliche präprozedurale Abklärung der zerebrovaskulären Anatomie mittels bildgebender Verfahren dazu geführt haben könnte, dass vorwiegend Patienten mit niedrigen Risiko für zerebrovaskuläre Komplikationen selektiert wurden. 

Eine weitere Limitierung sehen sie in der Tatsache, dass mit dem Sapien-3-Device nur ein einziges Transkatheter-Aortenklappensystem zur Anwendung kam.

Literatur

Overtchouk P. et al.: Transcarotid Approach for Transcatheter Aortic Valve Replacement With the Sapien 3 Prosthesis A Multicenter French Registry, JACC Cardiovascular Intervention 2019, https://doi.org/10.1016/j.jcin.2018.11.014

 

Highlights

Corona, COVID-19 & Co.

Die Ausbreitung des Coronavirus hat einschneidende Folgen auch für die Herzmedizin. Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

CME-Highlights aus der eAcademy

Mit dem umfangreichen Kursangebot der DGK auf Kardiologie.org haben Sie permanenten Zugriff auf das Fachwissen von führenden Experten und sind immer auf dem neuesten Stand. Testen Sie Ihr Wissen und sammeln Sie CME-Punkte!

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Vorhofflimmern & TAVI – NOAKs doch bessere Wahl?

Einige Leitlinien favorisieren für Patienten nach einer TAVI eine Behandlung mit VKA, wenn eine Indikation zur Antikoagulation besteht. Registerdaten stellen diese Empfehlungen nun infrage.

Kardiologen fordern Maßnahmen für höhere Corona-Impfquote

Eine vierte Welle der Corona-Pandemie birgt vor allem für Menschen mit Herzerkrankungen eine große Gefahr. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) beobachtet daher den sich verlangsamenden Impffortschritt und die große Zahl Ungeimpfter mit wachsender Sorge.

Neues Herzinsuffizienz-Medikament in der EU zugelassen

In Europa steht nun ein weiteres Medikament zur Behandlung der Herzinsuffizienz zur Verfügung. Die Europäische Kommission hat die Marktzulassung für Vericiguat erteilt, wie der Hersteller mitteilt.

Aus der Kardiothek

Hätten Sie es erkannt?

3-D Rekonstruktion einer kardialen Computertomographie. Welche kardiale Fehlbildung ist zu sehen?

Patientin mit einem thorakalen Schmerzereignis – wie lautet Ihre Diagnose?

Lävokardiografie (RAO 30°-Projektion) einer 54-jährigen Patientin nach einem thorakalen Schmerzereignis. Was ist zu sehen?

Patientin mit passagerer Hemiparese – wie lautet Ihre Diagnose?

Transthorakale Echokardiographie mit Darstellung eines apikalen 4-Kammer Blicks einer Patientin mit passagerer Hemiparese.  Was ist zu sehen?

Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
eAcademy/© fotolia / Sergey Nivens
Computertomographie/© S. Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlanen-Nürnberg
Laevokardiographie (RAO 30° Projektion)/© M. Marwan, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Transthorakale Echokardiographie/© Daniel Bittner, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen