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19.02.2017 | Herzklappenfehler | Nachrichten

Neues Device

Der MitraClip bekommt Konkurrenz

Autor:
Peter Stiefelhagen

Die interventionelle Therapie der Mitralinsuffizienz ist bei bestimmten Patientengruppen etabliert und für ältere Patienten eine durchaus sinnvolle Alternative zur Operation.

Während mit dem Mitra-Clip schon umfangreiche Erfahrungen gesammelt wurden, steht das Cardioband noch am Anfang seiner klinischen Entwicklung.

„Der MitraClip hat die Behandlungsmöglichkeiten bei Patienten mit Mitralinsuffizienz wesentlich bereichert“, so Prof. Volker Rudolph, Köln, im Rahmen des Kardiologie update 2016 in München. Für inoperable Patienten sei es die einzige Therapiemöglichkeit, für solche mit einem hohen Operationsrisiko eine sinnvolle Alternative zum chirurgischen Vorgehen. Für das Verfahren spreche insbesondere die sehr niedrige Komplikationsrate. MitraClip hat in den letzten Jahren eine rasche und weite Verbreitung gefunden.

Im Vergleich zu anderen Ländern wird der Eingriff in Deutschland sehr viel häufiger durchgeführt, wobei sicherlich auch finanzielle Anreize eine Rolle spielen dürften. Die Prozedur ist jedoch sehr anspruchsvoll und zeitaufwendig. „Wenn man das Verfahren nicht nur als Melkkuh sieht, sondern ein für den Patienten optimales Ergebnis anstrebt, so muss man schon ein paar Stunden Zeit einkalkulieren“, sagte Rudolph. Die Erfolgsrate korreliere eindeutig mit der Erfahrung des Interventionalisten bzw. der Anzahl der durchgeführten Eingriffe.

Operation bleibt bei jüngeren Patienten Standard

Bei der Mitralinsuffizienz unterscheidet man die primäre, als Folge einer Klappendegeneration z. B. auf dem Boden eines Mitralklappenprolaps und die sekundäre funktionelle, bei einer Vergrößerung des insuffizienten linken Ventrikels. „Für jüngere Patienten und solche ohne erhöhtes Operationsrisiko ist und bleibt die operative Therapie der Standard bei der primären Mitralinsuffizienz, wobei – sofern möglich – ein klappenerhaltender Eingriff durchgeführt werden sollte“, erklärte Rudolph.

Man müsse nämlich bedenken, dass bei solchen Patienten dann, wenn der MitraClip nicht funktioniere, eine operative Klappenrekonstruktion nicht mehr möglich, also ein Klappenersatz unumgänglich sei. Und beim MitraClip sei das Risiko für eine erneute Verschlechterung der Mitralinsuffizienz und somit die Notwendigkeit für einen Zweiteingriff deutlich größer als bei der Operation, wie die Daten der EVEREST-II-Studie zeigen.

Doch für ältere multimorbide Patienten mit einer primären Mitralinsuffizienz kann der MitraClip die einzige Behandlungsmöglichkeit bzw. eine segensreiche Alternative zur Operation sein, zumal der operative Eingriff doch mit einem höheren Komplikationsrisiko behaftet ist und auch zu kognitiven Einbußen führen kann. Dazu kommt, dass die Rekonvaleszenz nach einem solchen operativen Eingriff einige Monate in Anspruch nehmen kann, was für ältere Menschen, mit begrenzter Lebenszeit, durchaus relevant ist.

Deshalb schneidet der MitraClip bei der Beurteilung der Lebensqualität auch signifikant besser ab. Gleiches gilt auch für ältere schwerkranke Patienten mit einer sekundären Mitralinsuffizienz.

Bisher kein prognostischer Nutzen

„Doch bei jüngeren Patienten mit einer sekundären Mitralinsuffizienz sollte man zunächst alle sonstigen Behandlungsmöglichkeiten ausschöpfen, bei ihnen steht ja auch meist die Herztransplantation oder die Implantation eines linksventrikulären Assist-Systems zur Debatte“, betonte Rudolph. Sinnvoll sei ein MitraClip bei diesen Patienten eventuell als Bridging bis zur Herztransplantation oder der LVAD-Implantation.

Bei aller Begeisterung für das Verfahren dürfe man nicht vergessen, dass es sich beim MitraClip bisher nur um eine symptomatische Therapie handelt. „Daten dafür, dass wir mit einem MitraClip das Leben verlängern können, gibt es bisher nicht“, so Rudolph.

Cardioband ist vielversprechend

Eine vielversprechende Alternative zum MitraClip bzw. eine ergänzende Therapie ist das Cardioband. „Doch beim MitraClip haben wir Erfahrungen bei ca. 5.000 Patienten, mit dem Cardioband wurden bisher nur ca. 100 Patienten behandelt“, erläuterte Rudolph. Das Cardioband ist ein verstellbares und per Katheter über die Femoralvene einsetzbares, nahtloses Device, welches transseptal in den Mitralklappenanulus eingefügt wird. Das Implantat ist eine Art Rohr aus Dacron, welches mit mehreren Schrauben am Anulus verankert wird. Die Implantation imitiert in gewisser Weise die chirurgische Anuloplastie, es entsteht eine direkte posteriore Anuloplastie.

Erste Erfahrungen zeigen, dass damit nicht nur eine Verbesserung der Echoparameter und der Mitralinsuffizienz, sondern auch der klinischen Situation erreicht werden kann, die über 2 Jahre anhält. Vorteilhaft ist, dass zusätzlich ein MitraClip implantiert werden kann.

Literatur