Nachrichten 31.05.2019

Energydrinks können Störung der elektrischen Herzaktivität bewirken

Ein knapper Liter eines Energydrinks in relativ kurzer Zeit getrunken sorgte bei gesunden Probanden auch noch drei bis vier Stunden später für eine Verlängerung des QT-Intervalls. Welcher Inhaltsstoff für diese veränderte  elektrische Aktivität des Herzens verantwortlich ist, kann nicht beurteilt werden. 

Taurin, Inosit, Glucuronolacton, Vitamine und jede Mengen Koffein – die Inhaltsstoffe der verschiedenen Energydrinks ähneln sich. Dass die Getränke den Blutdruck erhöhen können, ist bekannt. Offensichtlich verlängern Energydrinks aber auch das QT-Intervall um mehrere Millisekunden, wie eine aktuelle randomisierte, placebokontrollierte Cross-over-Studie zeigt, die im „Journal of the American Heart Association“ veröffentlicht wurde. 

Dazu tranken 34 gesunde Probanden im Alter zwischen 18 und 40 Jahren an drei Tagen, zwischen denen eine jeweils eine sechstägige Pause (wash-out period) lag,  innerhalb einer Stunde jeweils einen der beiden Energydrinks (946 Milliliter des Drinks  A oder B) oder ein Placebo-Getränk. Eingesetzt wurden zwei verschiedene, handelsübliche Produkte. Der täglich konsumierte Koffeingehalt lag je nach Produkt damit bei 304 mg oder 320 mg. Das Placebo-Getränk bestand  aus kohlensäurehaltigem Wasser, angereichert mit Limettensaft und Kirscharoma. 

Messung mittels Elektrokardiogramm 

Die Untersucher um Prof. Sachin A. Shah von der University of the Pacific in Stockton haben in der Studie außer dem Blutdruck mithilfe eines Elektrokardiogramms auch die elektrische Aktivität des Herzens gemessen. Primärer Endpunkt war dabei  das QT-Intervall. Die Messungen fanden zu Beginn der Studie und nach dem Genuss der Drinks alle 30 Minuten für insgesamt vier Stunden statt. 

Das QT-Intervall war bei den Energiedrink-Konsumenten nach vier Stunden zwischen 6 ms (Drink A) und 7,7 ms (Drink B) länger als nach dem Konsum des  Placebo-Getränks. Das QT-Intervall ist der Zeitraum, der zwischen dem Beginn des QRS-Komplexes und dem Ende der T-Welle liegt. In diesen Zeitraum fällt die De- und Repolarisation der Herzkammern. Wenn dieses Zeitintervall entweder zu kurz oder zu lang ist, schlägt das Herz anormal. Die dadurch begünstigten Arrhythmien können lebensbedrohlich sein. 

Koffein vermutlich nicht verantwortlich 

Parallel dazu stiegen nach dem Konsum der Energydrinks der systolische und der diastolische Blutdruck um durchschnittlich 4 bis 5 mmHg an. Da die getrunkenen Mengen an Koffein nicht exorbitant hoch waren (Tagesrationen von bis zu 400 Milligramm pro Tag gelten als unbedenklich), gehen die Autoren davon aus, dass ein anderer Inhaltsstoff oder die Kombination von mehreren für die veränderten QT-Intervalle und den Blutdruckanstieg verantwortlich sind. 

Energiedrinks bei Teenagern sehr beliebt 

Schätzungen gehen davon aus, dass rund jeder dritte US-Teenager im Alter von 12 bis 17 Jahren regelmäßig Energiedrinks zu sich nimmt. Häufige Folgen sind Besuche in Notaufnahmen, vereinzelt wird sogar von Todesfällen berichtet. 

Die vorliegende Untersuchung ist die bislang größte kontrollierte Studie über die Auswirkungen von Energydrinks auf Herz und Blutdruck bei jungen, gesunden Probanden. Interessant wäre zudem zu wissen, wie sich der längerfristige Konsum auswirkt. Zu beachten ist auch, dass Energiedrinks oft in Kombination mit Alkohol oder anderen Drogen eingenommen werden und nicht alle Konsumenten so gesund sind wie die Teilnehmer dieser Studie. Ärzte sollten Patienten mit hohem Blutdruck oder einem Long-QT-Syndrom von dem Genuss von Energiedrinks eher abraten, so die Autoren der Studie.

 

Literatur

Shah, S. et al.: Impact of High Volume Energy Drinks Consumption on Electrocardiographic and Blood Pressure Parameters: A Randomized Trial. JAHA Journal of the American Heart Association 2019, online 29. Mai.

 

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Bildnachweise
Vortrag von M. Kreußer/© DGK 2019
Vortrag von Ch. Liebetrau/© DGK 2019
Late Gadolineum Enhancement im MRT/© S. Achenbach (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg)
Diskussion P. Stachon vs. R. Autschbach/© DGK 2019
Vortrag von T. Schmidt/© DGK 2019
DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt
Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018/© DGK 2018
Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018/© DGK