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15.08.2017 | Herzrhythmusstörungen | Nachrichten

Metaanalyse zeigt:

Mit nachlassender Nierenfunktion steigt das Risiko für Vorhofflimmern

Autor:
Peter Overbeck

Eine mögliche pathophysiologische Verknüpfung zwischen Erkrankungen des Herzens und der Niere könnte auch mit Blick auf Vorhofflimmern bestehen. Je schlechter die Nierenfunktion, desto häufiger kommt es zur Entwicklung dieser Arrhythmie, so das Ergebnis einer Metaanalyse von Daten aus prospektiven Beobachtungsstudien.

Mit Abnahme der Nierenleistung erhöht sich graduell das Risiko für das Auftreten von Vorhofflimmern. Zu diesem Ergebnis gelangte eine US-Arbeitsgruppe um Dr. Nisha Bansai von der University of Washington in Seattle bei ihrer Analyse der  Daten von knapp 16.800 Personen aus drei großen prospektiven Kohortenstudien, die alle zu Beginn kein Vorhofflimmern aufwiesen. Die Frage, ob eine zunehmende Niereninsuffizienz dabei als kausaler Faktor die Entstehung von Vorhofflimmern beeinflusst hat, kann die Studie jedoch nicht beantworten.

Basis der Analyse bildeten Daten aus drei großen epidemiologischen Studien, darunter die Jackson Heart Study (n=5.066), die Multi-Ethnic Study of Atherosclerosis (n=6.677) sowie die  Cardiovascular Health Study (n=5.026). Die mittlere Follow-up-Dauer betrug je nach  Studie zwischen 8,5 und 12,5 Jahre. Die Leistungsfähigkeit der Nieren war in den Studien sowohl anhand der geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGRF) als auch des Albumin-Kreatinin-Quotienten im Urin (urine albumin-to-creatinin ratio, UACR)  bestimmt worden.

Inzidenz bei schlechter Nierenfunktion doppelt so hoch

Je nach Wert für die GRF waren die Teilnehmer fünf Kategorien zugeordnet worden (eGFR>90 als Referenz, 60–89, 45–59, 30–44 und <30 ml/min pro 1.73 m2). In Relation zur Referenzgruppe stellten die Untersucher in den vier Gruppen mit jeweils niedrigeren eGRF-Werten eine schrittweise Zunahme von neu aufgetretenem Vorhofflimmern fest. Bei eGRF-Werten im Bereich zwischen 60 und 89 ml/min pro 1.73 m2 war die Inzidenz nur um 9% höher (Hazard Ratio: 1,09), dagegen war sie in der Gruppe mit schwerer renaler Funktionseinschätzung (eGRF <30 ml/min pro 1.73 m2) etwa doppelt so hoch (HR: 2,03).

Die gleiche schrittweise Zunahme der Inzidenz von Vorhofflimmern mit Abnahme der Nierenfunktion beobachteten die Untersucher, wenn sie die UACR-Werte zur Kategorisierung der renalen Leistungsfähigkeit verwendeten: Mit jeder Verdopplung des UACR-Werts erhöhte sich die Arrhythmie-Inzidenz um 11%. Auch nach statistischen Adjustierungen für demografische Variablen, Komorbiditäten und Faktoren wie aufgetretene Herzinsuffizienz oder Myokardinfarkt erwiesen sich die beobachteten Assoziation als konsistent.

Kausaler Zusammenhang noch fraglich

Mehr als Assoziationen lassen sich mit dieser Art von Analyse aber auch nicht nachweisen. Ob die gestörte Nierenfunktion ein kausaler Faktor für die Entstehung von Vorhofflimmern ist, muss deshalb noch geklärt werden. Als mögliche Pathomechanismen, die den Zusammenhang erklären könnten, führen die Autoren die Myokardfibrose sowie Störungen im Elektrolyt- und Mineralmetabolismus an.

Ausgemacht ist ein kausaler Zusammenhang sicher nicht. Schließlich sind Herz und Niere beide Zielorgane für eine Schädigung durch Risikofaktoren wie Diabetes und Hypertonie. Denkbar ist somit, dass diese  Faktoren hinter der Beziehung zwischen Nierenfunktion und Vorhofflimmern stecken.

Literatur