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06.12.2018 | Herzrhythmusstörungen | Nachrichten

Arrhythmiedetektion

Smart-Watch-Screening auf Vorhofflimmern: Reicht die Pulswelle?

Autor:
Philipp Grätzel

Erneut macht eine Studie auf sich aufmerksam, die die Verdachtsdiagnose Vorhofflimmern anhand der photoplethysmographisch analysierten Pulswelle stellt. Fazit: Stimmt die Signalqualität, dann stimmt auch das Ergebnis.

Bei der Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) in München im vergangenen August hatte das Unternehmen FibriCheck Beachtung gefunden. In der DIGITAL AF-Studie konnten die Belgier zeigen, dass ein photoplethysmographisches Vorhofflimmer-Screening per Smartphone-Kamera umsetzbar ist.

Jetzt legen Ärzte vom Universitätsklinikum Greifswald und dem Universitätsspital Basel nach: In der WATCH AF-Studie haben sie analysiert, ob auch der ebenfalls photoplethysmographische Pulssensor einer Smart-Watch für das Vorhofflimmer-Screening taugt.

Zum Einsatz kam die Gear Fit 2 Smart-Watch von Samsung. Den Screening-Algorithmus lieferte das in Jena ansässige Unternehmen Preventicus, das mit seiner Applikation Heartbeats auch in anderen Regionen, etwa in Schleswig-Holstein, in Studien engagiert ist.

An der prospektiven Fall-Kontroll-Studie nahmen 650 hospitalisierte Patienten aus Greifswald und Basel teil, bei denen Vorhofflimmern bereits diagnostiziert war. Als Goldstandard diente die Diagnose durch zwei verblindete Kardiologen auf Basis eines mit dem AliveCor Kardia System aufgezeichneten, elektrischen Ein-Kanal-EKG.

Was die Genauigkeit der photoplethysmographischen Diagnose in der Per-Protokoll-Population angeht, waren die Ergebnisse beachtlich. Gemessen am Goldstandard betrugen Sensitivität, Spezifität sowie positiv und negativ prädiktiver Wert einer einminütigen Messung 93,7%, 98,2%, 97,8% und 94,7%. Tatsächlich gemessen worden war mit der Plethysmographie über fünf Minuten. Doch brachte eine fünf- bzw. dreiminütige Messung gegenüber der einminütigen Messung keinen großen Zusatznutzen.

Ein kleiner Schönheitsfehler

Der kleine Schönheitsfehler war die relativ hohe Rate an Patienten, die wegen schlechter Signalqualität gar nicht erst ausgewertet werden konnten. Das betraf immerhin 142 der 650 Patienten, knapp jeden vierten also. Trotzdem sehen die Autoren die photoplethysmographische Messung mit mobilen Geräten als ein Werkzeug an, das schon relativ kurzfristig in breiter angelegten Screening-Studien auf Vorhofflimmern eingesetzt werden könnte.

Insbesondere die Kombination aus photoplethysmographischem Screening und, im Verdachtsfall, mobiler Aufzeichnung eines diagnostischen elektrischen EKGs halten die Ärzte für vielversprechend. Erste Studien zu solchen kombinierten Screening-Ansätzen mit Einbindung telemedizinischer Service-Center laufen in den USA bereits. Das Unternehmen AliveCor gilt hier als Vorreiter. Auch Apple engagiert sich bei diesem Thema.

Literatur

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