Nachrichten 01.09.2016

Steigt das Unfallrisiko, wenn ICD-Träger Auto fahren?

ICD-Träger waren einer dänischen Studie zufolge doppelt so oft in Verkehrsunfälle verwickelt wie Personen in der Vergleichsgruppe ohne ICD. Die absoluten Unfallzahlen waren aber sehr gering, sodass ein generelles Fahrverbot die Lebensqualität von ICD-Patienten unangemessen einschränken würde.

Implantierbare Cardioverter-Defibrillatoren (ICD) werden bei lebensbedrohlichen Rhythmusstörungen zur Prävention eines plötzlichen Herztodes eingesetzt. Sie dienen der Primärprävention, wenn ein erhöhtes Risiko für lebensbedrohliche Arrhythmien besteht oder der Sekundärprävention bei Patienten, die bereits solche Arrhythmien oder gar einen Herzstillstand überlebt haben.

Da bei Arrhythmie-Patienten das Risiko bewusstlos zu werden grundsätzlich erhöht ist, untersuchte eine dänische Kohortenstudie retrospektiv anhand von Registerdaten aus den Jahren 2008 bis 2012, ob ICD-Träger womöglich mehr Verkehrsunfälle verursachen. Verglichen wurden 4.874 ICD-Patienten mit 9.748 bzgl. Alter und Geschlecht gematchten Kontrollpersonen. Als primärer Endpunkt galten alle tödlichen und nicht tödlichen Autounfälle. 80 % der Studienteilnehmer waren Männer, das Durchschnittsalter betrug 66 Jahre.

50 Prozent mehr Unfälle

Bei einer mittleren Follow-up-Zeit von 2,5 Jahren gab es im Beobachtungszeitraum von 4 Jahren insgesamt 280 Autounfälle, davon 114 (2,3 %) bei den ICD-Trägern und 166 (1,7 %) in der Kontrollgruppe. Das ist ein signifikanter Unterschied von 51 % mehr Unfällen zu Ungunsten der der ICD-Träger (p < 0,001; HR [95%-Konfidenzintervall] =1,51 [1,19–1,91]). Allerdings kamen in der ICD-Gruppe keine tödlichen Unfälle vor, und die Zahlen waren unabhängig davon, ob das Device zur Primär- oder Sekundärprävention implantiert worden war.

Ob der Unterschied allerdings angesichts der relativ niedrigen absoluten Zahlen auch praxisrelevant ist, ist eine andere Frage. Laut Studienautorin Dr. Jenny Bjerre, Kopenhagen, Dänemark, ist bei dieser Fragestellung die öffentliche Sicherheit gegenüber der Lebensqualität der ICD-Patienten abzuwägen.

EHRA-Empfehlungen

Nach Empfehlungen der Europäischen Herz-Rhythmus-Gesellschaft (EHRA) gilt für Berufskraftfahrer mit ICD sowieso ein generelles berufliches Fahrverbot [1]. Privatfahrer dürfen nach einer ICD-Implantation zur Sekundärprävention 3 Monate bzw. zur Primärprävention 4 Wochen kein Auto fahren. Nach Schockabgabe müssen Privatfahrer ebenfalls ein mindestens 3-monatiges Fahrverbot einhalten, anschließend sollte der Arzt die Fahrtauglichkeit erneut überprüfen, empfiehlt die Deutsche Herzstiftung [2].

Weil die Studie retrospektiv war, kann man nicht schlussfolgern, dass ICDs das Risiko für Verkehrsunfälle erhöhen. Denn die Kontrollgruppe war gesünder und nahm weniger Medikamente. Daher liegt nahe, dass die beobachtete höhere Unfallrate bei ICD-Trägern eher der zugrundeliegenden kardiovaskulären Erkrankung als dem Device geschuldet ist, erklärte Dr. Bjerre.

Bisher liegen leider noch keine Daten vor, ob bei den aufgetretenen Verkehrsunfällen womöglich auch Schockabgaben eine Rolle spielten, das wir zurzeit noch ausgewertet.

Literatur

Pressekonferenz „Preventing Sudden Death – Diet or Device“ im Rahmen des ESC-Kongresses am 28.8.2016 in Rom

1. Vijgen J et al. Consensus statement of the European Heart Rhythm Association: updated recommendations for driving by patients with implantable cardioverter defibrillators. Eur J Cardiovasc Nurs. 2010;9(1):3-14

2. http://www.herzstiftung.de/implantierter-defibrillator-autofahren-schockabgabe.html

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Transthorakale Echokardiografie/© Monique Tröbs, Mohamed Marwan, Universitätsklinikum Erlangen
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