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16.03.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Kontroverse

Herzrisiko durch Testosteron? Neue Studiendaten beruhigen

Autor:
Philipp Grätzel

Neue, beim ACC-Kongress 2015 vorgestellte Studiendaten sprechen eher gegen ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko bei Einsatz von Testosteronprodukten. Eine weitere Studie stellt demgegenüber einen Zusammenhang zu niedrigen HDL-Werten her.

Die kardiovaskulären Risiken von Testosteronprodukten bleiben kontrovers. Nur wenige Tage nachdem die US-Zulassungsbehörde FDA – im Widerspruch zu den europäischen Empfehlungen – beschlossen hat, dass auf Testosteronprodukten künftig vor möglichen Schlaganfällen und Herzinfarkten gewarnt werden muss, stoßen mehrere neue Studien die Diskussionen erneut an.

So wurden jetzt beim ACC-Kongress 2015 in San Diego zwei Studien vorgestellt, die die Testosteronersatztherapie in kardiovaskulärer Hinsicht eher entlasten. In der ersten Studie wurden über 7.200 Männer mit Hypogonadismus aus 165 Behandlungszentren eines US Health Management-Plans ausgewertet.

Dabei gab es über einen Zeitraum von im Mittel 1,78 Jahren bei der Häufigkeit eines Composit-Endpunkts aus Myokardinfarkt, Schlaganfall und Tod in der multivariaten Analyse keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen jenen Patienten, die Testosteronprodukte einnahmen und jenen, die das nicht taten. In der nicht adjustierten Analyse war die Rate in der Testosteron-Gruppe mit 5,5% sogar niedriger als in der Kontrollgruppe (6,7%).

Metaanalyse spricht gegen signifikante Risikoerhöhung

Ebenfalls auf dem ACC 2015 vorgestellt wurde eine Metaanalyse, für die 29 allerdings sehr heterogene Studien berücksichtigt wurden, an denen insgesamt 122.899 Männer teilnahmen. Hier war das kardiovaskuläre Risiko bei Männer, die Testosteronersatzprodukte einnahmen, um 17% erhöht, was allerdings bei dieser Gruppengröße und dem gewählten Auswertungsmodus weit von jeder statistischen Signifikanz entfernt war (RR 1,168; 95%-CI 0,794–1,718; p=0,431).

Während diese beiden Arbeiten also tendenziell gegen ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko von Testosteronprodukten sprechen, zeigt eine Studie, die bei der 97. Jahrestagung der Endocrine Society, die kurz vor dem ACC-Kongress ebenfalls in San Diego stattfand, vorgestellt wurde, in eine andere Richtung.

Höhere Testosteron-, niedrigere HDL-Spiegel

Für diese prospektive Kohortenstudie wurden 400 gesunde Männer zwischen 20 und 50 Jahren rekrutiert. Bei allen Männern wurde für 16 Wochen die endogene Testosteronproduktion medikamentös unterdrückt. Danach erhielten die Männer in unterschiedlichen Kohorten randomisiert Hormonersatzschemata mit Testosteron in verschiedenen Dosierungen oder Placebo.

Eines der Ergebnisse war, dass höhere Testosteronlevel mit einem niedrigeren HDL-Level einhergehen, diesen protektiven Faktor für kardiovaskuläre Erkrankungen also negativ beeinflussen. Das könnte mögliche kardiovaskuläre Effekte von Testosteronprodukten erklären helfen, so die Autoren. Sie weisen allerdings darauf hin, dass die Studie ein sehr experimentelles Design hatte und auch nicht auf Langzeiteffekte hin angelegt war.

Literatur

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