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22.06.2017 | Herzschrittmachertherapie | Nachrichten

Forensik

Kardiale Implantate helfen bei der Abklärung von Todesursachen

Autor:
Veronika Schlimpert

Selbst nach einer Autopsie bleibt die Todesursache oft unklar. In einigen Fällen können kardiale Implantate zur Ursachenklärung beitragen. Ein Experte aus Deutschland hält es deshalb für sinnvoll, in der Rechtsmedizin eine Device-Abfrage routinemäßig vor der Autopsie vorzunehmen.

Todeszeitpunkt und -ursache lassen sich nicht immer eindeutig bestimmen, selbst nach einer Autopsie nicht. Eine Möglichkeit, die Aufklärungsquote weiter zu erhöhen, ist die Post-mortem-Abfrage kardialer Implantate. Denn solche elektrischen Devices sind nicht nur während der Lebenszeit hilfreich, um behandlungsbedürfte Rhythmusstörungen zu detektieren bzw. zu behandeln. Auch nach dem Ableben können sie offenbar nützliche Informationen liefern.

Wie Dr. Philipp Lacour von der Universitätsklinik Charité Berlin auf dem Cardiostim/EHRA-Kongress in Wien erläutere, kann durch Auswertung solcher Geräte der Todeszeitpunkt und die Todesursache bestimmt werden.

Seine Arbeitsgruppe konnte bei 151 von 5.000 Autopsien, die am Institut für Rechtsmedizin der Charité Berlin zwischen 2012 und 2017 vorgenommen wurden, die Aufzeichnungen eines kardialen Implantates auswerten.  Darunter fanden sich 100 Schrittmacher, 19 implantierbare Kardioverter-Defibrillatoren (ICD), 12 CRT-Geräte und 7 Eventrecorder.

Aufklärungsquote steigern

Bei etwa 25% dieser Fälle war die Todesursache nach der Autopsie zunächst unklar. In etwa einem Viertel der Fälle habe man diese dann nach der Device-Abfrage klären können, berichtete Lacour. Mit der Kombination aus Autopsie und Device-Abfrage lässt sich die Aufklärungsquote auf etwa 85% steigern.

Eindeutig ist der Todeszeitpunkt beispielsweise zu bestimmen, wenn der Patient an einer ventrikulären Tachykardie verstorben ist.  Eine weitere Möglichkeit, an Informationen zu gelangen, ist die Analyse der unterschiedlichen diagnostischen Algorithmen, die in den Geräten implementiert sind.  

Routinemäßige Device-Abfrage schon vor der Autopsie

Typische Todesursache, die sich durch Auswertung eines Schrittmachers feststellen lassen, sind beispielsweise Vorhofflimmern und ventrikuläre Tachykardien, die durch das Gerät aufgezeichnet, aber nicht behandelt werden können. Ein weiteres Beispiel ist ein von einem Loop-Recorder aufgezeichneter AV-Block.

Zwischen dem Eintreten des Todes und der Auswertung des implantierten Aggregates sollte allerdings so wenig Zeit wie möglich vergehen, da sonst Artefakte entstehen oder eine Batterie-Entladung eintreten kann.

Lacour und Kollegen halten es deshalb für sinnvoll, in der Rechtsmedizin eine routinemäßige Device-Abfrage bereits vor der Autopsie vorzunehmen.

Literatur