Nachrichten 22.03.2021

Wie riskant ist eine MRT bei stillgelegten Sonden?

Für Implantat-Träger gilt eine MRT-Untersuchung immer noch als kontraindiziert, wenn sie eine stillgelegte Sonde in sich tragen. Eine neue Analyse stellt diese Empfehlung nun infrage.

Eine MRT-Untersuchung scheint selbst bei Schrittmacher/ICD-Patienten mit stillgelegten Sonden sicher zu sein. In einer Beobachtungsstudie war das Risiko für unerwünschte Effekte für solche Patienten gering. Ernstere Komplikationen gab es gar keine, auch dann nicht, wenn die Untersuchung im Thoraxbereich vorgenommen wurde.

„Patienten nicht notwendigerweise ausschließen“

„Die Ergebnisse dieser Studie deuten an, dass das Vorhandensein von stillgelegten kardialen Device-Sonden eine MRT-Untersuchung nicht notwendigerweise ausschließen sollte, unabhängig von der anatomischen Region, die untersucht werden soll“, lautet das Fazit der Studienautoren um Dr. Robert Schaller von der Universitätsklinik Pennsylvania.

Die aktuellen Daten könnten die Abschaffung des letzten verbliebenen Hinderungsgrunds für eine MRT-Untersuchung bei Implantat-Trägern einleiten. Das wünscht sich jedenfalls Prof. Roberto Rosso: Es sei zu hoffen, dass künftige Register ausreichend Daten liefern, um die derzeitigen Restriktionen für eine MRT-Untersuchung bei Schrittmacher- und ICD-Trägern mit stillgelegten Sonden aufzuheben, äußerte sich der US-Kardiologe dazu in einem begleitenden Editorial.

Derzeit sind Sondenreste eine absolute Kontraindikation

Aktuell gilt das Vorhandensein von stillgelegten/gekappten Device-Elektroden als absolute Kontraindikation für eine MRT-Untersuchung, auch die ESC-Leitlinien von 2013 sehen das so. 

In der Zwischenzeit haben einige Fachgesellschaften in Konsensuspapieren gewisse Restriktionen für Patienten mit Schrittmacher oder ICDs zwar aufgehoben. So werden MRT-Untersuchungen bei Patienten unter speziellen Sicherheitsvorkehrungen auch bei konventionellen Schrittmacher- und ICD-Systemen für möglich erachtet, also bei Geräten, die nicht explizit als bedingt MRT-sicher („MRI conditional“) deklariert sind. Patienten mit beschädigten, epikardialen oder stillgelegten Elektroden sind davon aber ausgenommen.

Warum diese Einschränkungen? Die Befürchtung ist, dass es während der MRT zu thermische Schädigungen des umliegenden Gewebes kommt. Man geht bei stillgelegten/gekappten Sonden von einem erhöhten Erhitzungspotenzial der Elektrodenspitzen aus, weil ihnen der Energieabfluss über das Aggregat fehlt. Aktuell wird Ärzten deshalb geraten, auf alternative Bildgebungsmethoden zurückzugreifen oder die Sonde zu extrahieren, was allerdings ein Komplikationsrisiko birgt.

Keine ernsthaften Komplikationen während der Untersuchung

Womöglich ist ein solcher Alternativplan bald nicht mehr zwingend erforderlich. In der aktuellen Studie haben sich die Befürchtungen jedenfalls nicht bestätigt. Die Analyse fußt auf insgesamt 139 Patienten. Alle wurden in der Universitätsklinik Pennsylvania zwischen 2013 und 2020 mit 1,5 Tesla-MRT-Scannern untersucht, oft waren mehrere Untersuchungen nötig (insgesamt 200 MRTs).

Allen Patienten gemein war, dass sie mindestens eine stillgelegte Elektrode in sich trugen. Ansonsten handelte es sich aber um eine heterogene Population: mit diversen Grunderkrankungen, Schrittmacher- und ICD-Systemen, die meisten hatten neben der stillgelegten Elektrode auch aktive Sonden, viele waren Schrittmacher-abhängig (46%). Die MRT wurde an unterschiedlichsten anatomischen Regionen vorgenommen, gut ein Viertel betraf die Thoraxregion, die besonders kritisch für Wechselwirkungen mit elektromagnetischen Feldern der MRT angesehen wird.

Trotz allem entwickelte kein Patient während des Scan-Vorgangs abnormale Vitalzeichen oder länger andauernde Tachyarrhythmien. Ein Abfall der Batteriespannung oder fehlerhafte Stimulationen wurden ebenfalls nicht dokumentiert. Es kam zu keiner Aktivierung der Ein- oder Ausschaltfunktionen der Implantate. 

Nur wenige unerwünschte Ereignisse

Bei insgesamt sechs Patienten wurden unerwünschte Ereignisse registriert, also bei 3% der MRTs. In vier Fällen war die Wahrnehmungsschwelle (Sensing) im rechten Vorhof signifikant verringert. Bei einem Patienten wurde eine transient reduzierte linksventrikuläre R-Wellen-Amplitude registriert. In alle diesen Fällen ließ sich die verringerte Wahrnehmungsempfindlichkeit der betroffenen Sonde nach der MRT-Diagnostik wieder erfolgreich rückprogrammieren.

In einem einzigen Fall musste die Untersuchung vorzeitig abgebrochen werden, weil der Patient eine Erhitzung seines Sternums verspürt hatte. Neben einer stillgelegten subkutanen Sonde hatte der Patient aufgrund einer zurückliegenden Sternotomie noch Drähte im Brustbein. Die Studienautoren vermuten, dass sich wahrscheinlich die Drähte erwärmt haben und nicht unbedingt die Sonde, da diese weiter weg von der Schmerzlokalisation gelegen hat.

MRT scheint sicher, aber Vorsicht ist angebracht

Alles in allem gehen die US-Kardiologen aufgrund ihrer Daten davon, dass eine MRT-Untersuchung auch für Patienten mit stillgelegten Sonden relativ sicher ist, auch dann wenn der Thorax untersucht wird.

Doch Vorsicht ist ihrer Ansicht nach weiterhin angebracht. Und das impliziert auch, gewisse Sicherheitsvorkehrungen zu befolgen. So wurden in der Studie in jedem einzelnen Fall der Nutzen der MRT-Diagnostik gegen das Risiko im Vorfeld abgeglichen und mit dem Patienten diskutiert. Alle Implantate wurden vor und nach dem Scan-Vorgang abgefragt. Falls nötig, wurden die Devices zuvor umprogrammiert, in Abhängigkeit der Pacing-Bedürftigkeit des Patienten. Beispielsweise wurde bei ICD-Patienten die Tachyarrhythmie-Detektion und Therapiefunktionen vorübergehend deaktiviert. Die Geräte von Schrittmacher-abhängigen Patienten (definiert als intrinsische Herzfrequenz von unter 40 Schlägen/Minute) wurden in einen asynchronen Modus gewechselt. Während des Scan-Vorgangs haben Spezialisten die Patienten intensiv mittels Pulsoxymetrie und EKG überwacht, und das Auftreten potenzieller Beschwerden live abgefragt. Bei gut 20% der Patienten wurden im Falle einer MRT-Untersuchung des Gehirns Sende-/Empfangsspulen außerhalb der Thoraxregion verwendet, sodass die Spule nicht zentral über der Sonde gelegen hat.

In seinem Editorial plädiert Rossi aufgrund der neuesten Daten dafür, weder Patienten, die keine MRT-sicheren Implantate in sich tragen, noch jenen mit stillgelegten Elektroden ein MRT vorzuenthalten, wenn dieses klinisch indiziert sei. Keine der Patienten sollte seiner Ansicht nach deshalb dem Risiko einer Sondenextraktion ausgesetzt werden.

Da die Untersuchungen allein mit 1,5T-Scannern vorgenommen wurden, kann keine Aussage über die Sicherheit bei anderen MRT-Geräten mit höheren Feldstärken getroffen werden. Weiterhin ist die Generalisierbarkeit durch das Single-Center-Design eingeschränkt.

Literatur

Schaller RD et al. Magnetic Resonance Imaging in Patients With Cardiac Implantable Electronic Devices With Abandoned Leads. JAMA Cardiol. 2021; https://doi.org/10.1001/jamacardio.2020.7572

Russo RJ. Removing Obstacles to Magnetic Resonance Imaging for Patients With a Pacemaker or a Defibrillator; JAMA Cardiol. 2021; https://doi.org/10.1001/jamacardio.2020.7593

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