Nachrichten 08.01.2021

So lässt sich Fernüberwachung kardialer Implantate erleichtern

Die telemedizinische Überwachung kardialer Implantate ist ein wichtiger Bestandteil des Klinikalltags, kostet das medizinische Personal aber mit zunehmender Verbreitung viel Zeit. Eine Software, die die Datenauswertung verschiedener Geräte unterschiedlicher Hersteller bündelt, könnte die Abläufe vereinfachen.

Fernüberwachung von Patienten mit kardialen Implantaten hat sich in der klinischen Praxis zum Standard entwickelt. Die Verwaltung der zahlreichen Warnungen und Übertragungen ist jedoch mit einem erheblichen Aufwand verbunden. Eine neue Studie liefert Daten dazu, wie hoch die tatsächliche Belastung ist. Die verwendete Software sammelte und ordnete die Übertragungen der verschiedenen Geräte, was auch die Abläufe in anderen Zentren vereinfachen könnte.

Fast 206.000 Warnmeldungen

Für die Studie wurden fast 27.000 Patienten aus 25 medizinischen Zentren mit kardialen Implantaten über zwölf Monate nachbeobachtet. 47% hatten einen Herzschrittmacher (HSM), 34% einen implantierten Defibrillator (ICD) und 19% einen implantierten Loop-Recorder (ILR), jeweils von unterschiedlichen Herstellern. Eine Software namens PaceMate ermittelte während des Follow-ups fast 206.000 Alarme. Etwa 40% davon waren Warnungen, der Rest waren geplante Übertragungen. Fast 55% der Menschen sendeten mindestens eine Warnmeldung.

31% der Warnsignale stammten von HSM, 19% von ICD und 50% von ILR. Pro Jahr entspricht das im Schnitt zwei Warnungen pro HSM, zwei weiteren pro ICD und vier pro ILR. Die meisten Signale waren sogenannte gelbe Warnungen (95%), die keine sofortige Reaktion erforderten, bei roten Warnungen (5%) war dagegen dringendes Handeln notwendig. Mehr als die Hälfte der roten Warnungen stammte von ICD. Etwa jeder dritte ICD-Alarm betraf ventrikuläre Tachyarrhythmien und entsprechende Stimulation oder Schockabgabe.

Neuer Ansatz erleichtert Workflow

Die Software bündelte alle Alarmsignale, die zuvor in unterschiedlichen Programmen ausgewertet worden waren, in einer Benutzeroberfläche. Sie wurden von kardiologisch qualifizierten Technikern analysiert, die die Warnungen in Kurznachrichten an die Krankenhäuser zusammenfassten. „Diese Kombination aus Mensch und Technik kann Ressourcen des Klinikpersonals für dringende Warnmeldungen sparen“, so die Forscher um Dr. Catherine O’Shea von der Universität Adelaide.

„Die enorme Anzahl von Übertragungen und die zunehmenden Warnmeldungen aufgrund der Verwendung von ILR unterstreichen die Notwendigkeit eines neuen Ansatzes für die Verwaltung dieser Daten, um den Zeitaufwand für Klinikpersonal zu reduzieren“, resümieren die Wissenschaftler. Die tatsächlichen Effekte dieses Systems auf Reaktionszeit, Prognose der Patienten und Kosten wurden jedoch noch nicht untersucht.

Literatur

O’Shea C et al. Remote Monitoring Alert Burden: An Analysis of Transmission in >26,000 Patients. JACC 2020. https://doi.org/10.1016/j.jacep.2020.08.029

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