Nachrichten 06.04.2017

Was ist die beste Strategie nach Infektion bei Schrittmachern und Defis?

Evidenzbasierte Standards für den Umgang mit Patienten, bei denen kardiale Implantate sich infizieren, gibt es bisher nicht. Ein Register zeigt jetzt: Wenn reimplantiert wird, ist die Rate erneuter Infektionen gering.

Infektionen der Taschen von Schrittmachern, Defibrillatoren und CRT-Geräten sind selten, aber sie kommen vor. In der Regel werden die betroffenen Implantate sofort entfernt, und nach einem gewissen Zeitraum werden neue Implantate eingesetzt. Doch wie hoch ist dann die Rate erneuter Infektionen? Und wie lange sollte mit der Implantation eines neuen Devices gewartet werden?

Im Rahmen des MEDIC (Multicenter Electrophysiologic Device Infection Cohort)-Registers haben sich Elektrophysiologen aus den USA und aus Spanien dieses Themas angenommen. Sie berichten jetzt über 434 Patienten, bei denen es zwischen 2009 und 2012 zu Infektionen gekommen ist.

Insgesamt wurde das Implantat bei 381 Patienten oder 87,8% sofort entfernt. Von diesen 381 Patienten erhielten 220, also 57,7% im Verlauf ein neues Implantat. Vier von zehn infizierten Implantaten wurden also gar nicht ersetzt. Wenn ein neues Implantat eingesetzt wurde, geschah das im Median nach zehn Tagen. Bei 23 Patienten erfolgten die Reimplantationen sofort. Bei einem Patienten vergingen 160 Tage. Bei jeweils rund einem Drittel der Patienten erfolgte die erneute Implantation innerhalb der ersten bzw. innerhalb der zweiten Wochen nach Explantation.

Einer von 50 Patienten infiziert sich nach Implantatwechsel erneut

Klinisch war das Outcome bei den Patienten, die reimplantiert wurden, relativ gut. Zwar traten insgesamt bei 11 von 434 Patienten innerhalb von sechs Monaten Reinfektionen auf. Dies betraf aber nur in vier Fällen Patienten, bei denen reimplantiert wurde. Mit anderen Worten: Bei den Patienten, bei denen nach einer Device-Infektion das Implantat entfernt und ein neues implantiert wurde, betrug die Rate erneuter Infektionen nur 1,8%, während die Rate der Reinfektionen bei den Patienten, die konservativ ohne Wechseloperationen behandelt wurden, 11,3% betrug.

Auch die 6-Monats-Sterblichkeit war in der Gruppe der Patienten, bei denen das Device nicht entfernt wurde, mit 26,4% höher als bei den Patienten, bei denen ein Wechsel erfolgte. Bei Patienten mit verzögertem Wechsel lag die Sterblichkeit je nach Zeitpunkt der Reimplantation zwischen 6,8% und 14,3%. Bei Patienten, die sofort ein neues Implantat erhielten, waren es 17,4%.

Die Autoren sehen diese Ergebnisse als Beleg dafür, dass Implantatewechsel nach Infektionen sinnvoll und sicher sind. Sie weisen allerdings darauf hin, dass das Register nicht darauf angelegt war, unterschiedliche Strategien beim Implantatewechsel zu vergleichen. Der Rückschluss, dass ein verzögerter Wechsel besser ist als ein sofortiger, könne auf Basis dieser nicht gezogen werden.

Literatur

Boyle TA et al. Reimplantation and Repeat Infection After Cardiac Implantable Electronic Device Infections. Circulation: Arrhythmia and Electrophysiology 2017; 10:e004822

Highlights

Reisen mit Herzinsuffizienz

Mobilität bei Herzinsuffizienz ist erstrebenswert – was aber, wenn der Patient gleich eine Fernreise plant? 

Corona, COVID-19 & Co.

Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Synkopen: Wie hoch ist das Unfallrisiko wirklich?

Fahrverbote bei Synkopen können Unfälle verhindern, sind aber auch belastend für die Betroffenen. In einer Studie wurde jetzt das Risiko von Personen mit Synkopen und das von anderen Patienten und Patientinnen der Notaufnahme verglichen.

Starke Zunahme von Herzerkrankungen in den USA erwartet

In den kommenden Jahrzehnten werde in den USA das Ausmaß an kardiovaskulären Risikofaktoren und Erkrankungen in der Bevölkerung erheblich zunehmen, prognostizieren US-Forscher. Dieser Trend wird nach ihrer Schätzung aber nicht alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen betreffen.

Nach Vorhofflimmern-Ablation: Blanking-Periode sollte kürzer sein

Unmittelbar nach Katheterablationen auftretende Vorhofflimmern-Episoden werden oft als vorübergehendes harmloses Phänomen betrachtet. Solche Frührezidive werden in der sog. „Blanking-Periode“, die in der Regel drei Monate umfasst, deshalb nicht als „echte“ Rezidive gezählt. Kardiologen halten die bisher propagierte Zeitspanne aber für zu lang.  

Aus der Kardiothek

Herzinsuffizienz: Optimal-Medikamentöse-Therapie (OMT), und ... was noch?

Medikamente sind die Eckpfeiler einer adäquaten Herzinsuffizienztherapie. Darüber hinaus gibt es zusätzliche Optionen, die für manche Patienten eine Lösung darstellen können. Anhand von Fallbeispielen erläutert Dr. med. Andreas Rieth welche das sind.

Digitale Kardiologie anno 2022 – von Zukunftsvisionen bis sinnvollem Einsatz im Alltag

Die digitale Kardiologie ist nicht nur ein Trend, sie eröffnet eine realistische Chance, die Versorgung von Patientinnen und Patienten zu verbessern. Dr. med. Philipp Breitbart gibt Tipps für den Einsatz solcher Devices im Alltag.

Muss eine moderne Herzinsuffizienztherapie geschlechtsspezifisch sein?

Medikamente wirken bei Frauen oft anders als bei Männern. Dr. med. Jana Boer erläutert, wie sich diese Unterschiede auf die pharmakologische Herzinsuffizienztherapie auswirken, und was Sie dabei beachten sollten.

Urlaub/© Nastco / Getty Images / iStock
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
kardiologie @ home/© BNK | Kardiologie.org