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06.04.2017 | Herzschrittmachertherapie | Nachrichten

Kardiale Implantate

Was ist die beste Strategie nach Infektion bei Schrittmachern und Defis?

Autor:
Philipp Grätzel

Evidenzbasierte Standards für den Umgang mit Patienten, bei denen kardiale Implantate sich infizieren, gibt es bisher nicht. Ein Register zeigt jetzt: Wenn reimplantiert wird, ist die Rate erneuter Infektionen gering.

Infektionen der Taschen von Schrittmachern, Defibrillatoren und CRT-Geräten sind selten, aber sie kommen vor. In der Regel werden die betroffenen Implantate sofort entfernt, und nach einem gewissen Zeitraum werden neue Implantate eingesetzt. Doch wie hoch ist dann die Rate erneuter Infektionen? Und wie lange sollte mit der Implantation eines neuen Devices gewartet werden?

Im Rahmen des MEDIC (Multicenter Electrophysiologic Device Infection Cohort)-Registers haben sich Elektrophysiologen aus den USA und aus Spanien dieses Themas angenommen. Sie berichten jetzt über 434 Patienten, bei denen es zwischen 2009 und 2012 zu Infektionen gekommen ist.

Insgesamt wurde das Implantat bei 381 Patienten oder 87,8% sofort entfernt. Von diesen 381 Patienten erhielten 220, also 57,7% im Verlauf ein neues Implantat. Vier von zehn infizierten Implantaten wurden also gar nicht ersetzt. Wenn ein neues Implantat eingesetzt wurde, geschah das im Median nach zehn Tagen. Bei 23 Patienten erfolgten die Reimplantationen sofort. Bei einem Patienten vergingen 160 Tage. Bei jeweils rund einem Drittel der Patienten erfolgte die erneute Implantation innerhalb der ersten bzw. innerhalb der zweiten Wochen nach Explantation.

Einer von 50 Patienten infiziert sich nach Implantatwechsel erneut

Klinisch war das Outcome bei den Patienten, die reimplantiert wurden, relativ gut. Zwar traten insgesamt bei 11 von 434 Patienten innerhalb von sechs Monaten Reinfektionen auf. Dies betraf aber nur in vier Fällen Patienten, bei denen reimplantiert wurde. Mit anderen Worten: Bei den Patienten, bei denen nach einer Device-Infektion das Implantat entfernt und ein neues implantiert wurde, betrug die Rate erneuter Infektionen nur 1,8%, während die Rate der Reinfektionen bei den Patienten, die konservativ ohne Wechseloperationen behandelt wurden, 11,3% betrug.

Auch die 6-Monats-Sterblichkeit war in der Gruppe der Patienten, bei denen das Device nicht entfernt wurde, mit 26,4% höher als bei den Patienten, bei denen ein Wechsel erfolgte. Bei Patienten mit verzögertem Wechsel lag die Sterblichkeit je nach Zeitpunkt der Reimplantation zwischen 6,8% und 14,3%. Bei Patienten, die sofort ein neues Implantat erhielten, waren es 17,4%.

Die Autoren sehen diese Ergebnisse als Beleg dafür, dass Implantatewechsel nach Infektionen sinnvoll und sicher sind. Sie weisen allerdings darauf hin, dass das Register nicht darauf angelegt war, unterschiedliche Strategien beim Implantatewechsel zu vergleichen. Der Rückschluss, dass ein verzögerter Wechsel besser ist als ein sofortiger, könne auf Basis dieser nicht gezogen werden.

Literatur