Nachrichten 11.12.2019

Verschmutzte Luft erhöht Sterberisiko bei Herztransplantationen

Menschen, die in Gebieten mit hoher Feinstaubbelastung leben, sterben nach einer Herztransplantation früher. Besonders ihr Risiko für tödliche Infektionen war erhöht.

In US-amerikanischen Regionen, in denen die Luftverschmutzung die nationalen Grenzwerte für saubere Luft überschreitet, hatten Patienten, die ein Spenderherz erhielten, ein um 26% erhöhtes Risiko an einer Infektion zu sterben.

Für die Studie untersuchte die Arbeitsgruppe um Dr. Sadeer Al-Kindi von der Universität Cleveland Daten von fast 22.000 Patienten vom United Network für Organ Sharing. Dafür verglichen die Forscher die Feinstaubwerte der Wohnorte der Patienten mit den Luftqualitätsstandards in den USA. Etwa 22% der Herztransplantationspatienten lebten in Gebieten, in denen die Feinstaubbelastung über den nationalen Standards lag.

Ein Viertel der Patienten starb innerhalb von fünf Jahren

Waren die Patienten der Luftverschmutzung über mehrere Jahre ausgesetzt, beobachteten die Forscher bei ihnen ein um 26% erhöhtes Sterberisiko aufgrund von Infektionen mit jedem Anstieg der Partikelkonzentration um 10 µg/m3. Während des im Schnitt fünfjährigen Nachbeobachtungszeitraums starben fast 24% der Patienten. Die Assoziation zwischen Luftverschmutzung und Mortalitätsrate war in allen untersuchten Untergruppen konsistent. Das Durchschnittsalter bei der Herztransplantation betrug rund 53 Jahre, 75% waren Männer.

Zudem entdeckten die Forscher, dass das Leben in Regionen mit verschmutzter Luft mit folgenden gesundheitlichen Nachteilen assoziiert war: Entzündungsreaktionen, höherer Blutdruck, Insulinresistenz und ein geschwächtes Immunsystem. Die Studienautoren vermuten, dass besonders die Reaktion des Immunsystems dazu beitragen könnte, dass Organe abgestoßen werden.

Genaue Ursache für die Assoziation noch unklar

„Die Studie leistet einen wichtigen Beitrag für unser Verständnis der gesundheitlichen Folgen der Luftverschmutzung“, so Dr. Arden Pope III von der Brigham Young University in Provo, Utah, in einem Begleitkommentar. „Sie liefert interessante Belege dafür, dass verschmutzte Luft wesentlich zum Sterberisiko bei Herztransplantationspatienten beiträgt.“ Angesichts des hohen Grundmortalitätsrisikos bei Empfängern von Spenderherzen sei das relativ hohe Sterberisiko im Zusammenhang mit der Feinstaubbelastung bemerkenswert, so Pope III.

„Obwohl die genauen Mechanismen der durch Luftverschmutzung bedingten Mortalität noch geklärt werden müssen, haben Studien im letzten Jahrzehnt zunehmend Beweise dafür geliefert, dass Feinstaubbelastung zu Entzündungsreaktionen bei Tieren und Menschen führt“, schreiben die Studienautoren. Weitere Untersuchungen mit Transplantationspatienten seien notwendig.

Literatur

Al-Kindi S et al. Ambient air pollution and mortality after cardiac transplantation. J Am Coll Cardiol 2019. https://doi.org/10.1016/j.jacc.2019.09.066.

Pope C et al. Does air pollution increase risk of mortality after cardiac transplantation? J Am Coll Cardiol 2019. https://doi.org/10.1016/j.jacc.2019.07.091.

ACC-Pressemitteilung: Air Pollution May Increase Mortality Risk in Heart Transplant Patients. 09.12.2019.

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Bildnachweise
DGK.Herztage 2020/© DGK
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
ESC-Kongress (virtuell)/© [M] metamorworks / Getty Images / iStock | ESC
Kardio-MRT (CMR, Late Gadolinium Enhancement PSIR)/© Mohamed Marwan, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
Thorax-CT/© S. Achenbach (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen)
Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement)/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen